Jetzt, wo autonome Fahrzeuge langsam, aber sicher zur Realität werden, beschäftigt sich das Silicon Valley bereits mit der nächsten Revolution im Mobilitätssektor; mit fliegenden Autos. Diverse Firmen arbeiten daran, den Verkehr von der Strasse in die Lüfte zu verlagern. Die futuristische Idee wird momentan intensiver diskutiert als je zuvor.

Die Firma Kitty Hawk präsentierte diese Woche erstmals einen funktionierenden Prototyp ihres «fliegenden Autos». Dieses läuft komplett elektrisch, hält sich mit acht Propellern in der Luft und soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen.

Momentan funktioniert das Gerät zwar erst über Wasser und hat viel mehr Ähnlichkeiten mit einer Drohne als mit einem Fahrzeug – so fehlen etwa die Räder. Trotzdem sind die Ansätze vielversprechend. Zukunftsweisend ist vor allem, dass man damit auf engstem Raum vertikal abheben kann und keine Start- oder Landebahn benötigt.

Ordentlich Geld verdienen

Genau so sollen auch jene Fluggeräte funktionieren, von denen die Firma Uber momentan in Texas spricht. Dort veranstaltet der Fahrdienst diese Woche erstmals eine Konferenz, die sich ausschliesslich mit dem Potenzial von einem Verkehrssystem in luftiger Höhe auseinandersetzt. Denn auch Uber beschäftigt sich intensiv mit dieser neuen Technologie, will damit dem täglichen Stau ein Ende bereiten.

Vor allem will das Unternehmen damit aber auch ordentlich Geld verdienen – und das schon sehr bald: Bis 2020 will Uber in Dubai und im amerikanischen Dallas fliegende Taxis im Einsatz haben. Dafür hat die Firma diverse Partnerschaften abgeschlossen, unter anderem auch mit dem Helikopterhersteller Bell.

Der «Kitty Hawk Flyer» in Aktion.

Der «Kitty Hawk Flyer» in Aktion.

Wie diese fliegenden Autos aber technologisch funktionieren sollen, dazu gibt es bis anhin noch keine Details. Und die negativen Schlagzeilen, die Uber in den vergangenen Monaten geschrieben hat, lassen vermuten, dass dieses futuristische Projekt bei der Firma derzeit auch nicht oberste Priorität hat.

Neben den technologischen Herausforderungen dürften auch politische Regulierungen dafür sorgen, dass so schnell kein Fahrzeug kommerziell abheben wird. Zwar zeigen die Uber-Funktionäre immer wieder, dass sie durchaus gewillt sind, solche Vorschriften recht skrupellos zu umgehen; bei Fluggeräten wird das aber wohl um einiges schwieriger als auf der Strasse.

Umso ambitionierter klingt das Ziel des chinesischen Herstellers Ehang, das bereits diesen Sommer Taxi-Drohnen für die Metropole Dubai angekündigt hat. Immerhin: Die ersten Testflüge hat der Quadrocopter erfolgreich absolviert.

Der «Ehang 184» im Flugtest.

Der «Ehang 184» im Flugtest.

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt die Firma AeroMobil, die letzte Woche ebenfalls einen Prototyp für ein innovatives Fluggerät präsentierte. Die slowakische Firma orientiert sich dabei um einiges stärker am klassischen Auto als die Konkurrenz aus den USA.

Das AeroMobil fährt ganz normal auf der Strasse, kann aber innerhalb von drei Minuten die Flügel ausfahren, dann abheben und wie ein Flugzeug gesteuert werden. Diese Freiheit hat jedoch ihren Preis: 1,3 Millionen Dollar soll das Produkt dereinst kosten. Vorbestellen kann man es schon heute, auf den Markt soll es aber erst 2020 kommen.

Das «Aero Mobil» in Fahrt und Flug.

Das «Aero Mobil» in Fahrt und Flug.

Die Idee von fliegenden Autos klingt noch surrealer als jene von autonomen Fahrzeugen, sie könnte aber unter Umständen realistischer sein: Anders als bei der Strasse muss man sich den Himmel nämlich nicht mit unachtsamen Fussgängern oder rücksichtslosen Fahrern teilen, sondern kann ein komplett neues und vernetztes Verkehrssystem schaffen.

Die Vision ist da, die Technologie wird man bald bauen und die Politik muss dafür sorgen, dass staatliche Regulierungen diese Entwicklung nicht zu stark behindern.