Eine neue Studie fügt sich ein in eine Reihe von Untersuchungen, die auf einen Zusammenhang zwischen dem häufigen Konsum von hoch potentem Cannabis und Psychosen hindeuten. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Marta Di Forti vom King's College London sammelte an elf Zentren in Europa und Brasilien Daten von 901 Patienten zwischen 18 und 64 Jahren, die mit einer ersten Psychose-Episode in Behandlung kamen.

Parallel verwendeten die Forschenden die Informationen von 1237 Menschen ohne Psychose als repräsentative Stichprobe der jeweils lokalen Bevölkerung als Kontrollgruppe. Bei den Patienten wurde erhoben, wie oft und welches Cannabis sie konsumiert hatten. Dann wurden zwei Gruppen nach dem THC-Gehalt (weniger oder mehr als zehn Prozent) gebildet.

Drei- bis fünffach häufiger

Patienten, die täglich Cannabis konsumierten, erkrankten dreifach häufiger an Psychosen als Nicht-Konsumenten. Das stieg bis fast auf das Fünffache beim täglichen Konsum von hoch potentem Cannabis mit einer THC-Konzentration von mehr als zehn Prozent, so die Wissenschaftler.

Würde das hoch potente Cannabis vom Markt verschwinden, würde die Psychose-Rate rechnerisch um 12,2 Prozent sinken. In Amsterdam sogar um bis zu 50 Prozent und in London 30 Prozent.

Für sich allein genommen kann die Studie, die im Fachblatt "The Lancet Psychiatry" erschienen ist, zwar nicht abschliessend belegen, dass der Cannabis-Konsum die Ursache für das Auftreten der Psychose war. Allerdings mehren sich die Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang. So hatten beispielsweise Schweizer Forschende mit internationalen Kollegen 2017 mithilfe grosser Datensätze nachgewiesen, dass Cannabis-Konsum das Schizophrenie-Risiko erhöht.

Vorsicht bei Legalisierung

Dieter Meyerhoff von der University of California in San Francisco wertet die neue Studie als wichtige Nachricht für die öffentliche Debatte über die Legalisierung von Cannabis: Bevor Cannabis legalisiert werde - und in vielen Ländern sei es schon legal - sollte die Gesellschaft sich über die Konsequenzen für das individuelle und allgemeine Gesundheitsbild im Klaren sein.

"Leider wissen wir heute als Gesellschaft immer noch viel zu wenig über die langfristigen gesundheitlichen Konsequenzen von unkontrolliertem Cannabis-Konsum, speziell bei Teenagern und jungen Erwachsenen", so Meyerhoff.