Rezept

Es muss nicht immer Nutella sein: Diese Brotaufstriche machen Morgenmuffel wach

© Sabine Kuster und Jörg Zittlau

Kokus-Mus, Marshmallow-Creme oder gesalzenes Caramel-Püree: Die Lebensmittelindustrie versucht gerade, den Brotaufstrich neu zu erfinden. Fettig und süss aber bleibt er.

Ich bin ein Konfibrot-Kind. Rhabarber, Trüübeli, Quitten, Holunder, Brombeeren … und die gleiche Menge Zucker. Jeden Tag. Nur sonntags: Honig. Vielleicht wäre ich gern ein Nutella-Kind gewesen. Manchmal schnappe ich mir heute ein Döschen von einem Hotel-Frühstücksbuffet. Aber mein Wissen, wie teuflisch ungesund Nutella sein soll, hat längst meine Geschmackspapillen auf der Zunge bedeckt. Wirklich geniessen kann ich das Schokoladen-Palmöl-Geschmier nicht.

Und Sie? Sind Sie eher der English-Breakfast-Typ, der schon beim Frühstück zeigt, was er alles bewältigen kann? Oder die Ich-will-doch-keine-Pickel-bekommen-Fruchtmüesli-Esserin? Am Ende gar der Ein-Kaffee-reicht-mir-Muffel?

Es gibt keine Studien dazu, aber es ist höchstwahrscheinlich, dass ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer zum Konfibrotklub gehört. Oder jedenfalls zur Ich-schneide-mir-eine-Scheibe-Brot-ab-Fraktion. Denn mit Konfitüre allein wird man heute offenbar nicht mehr richtig wach. Die Auswahl an Brotaufstrichen ist fast schon irritierend gross. Und irgendjemand kauft das ja: Nussaufstriche ohne Palmöl, Marroni-Konfitüre, Kokos-Mus, gesalzenes Caramel fürs Brot.

Bei der Auswahl darf die Lust entscheiden, nicht der Verstand. Der neuste Zugang im Aufstrich-Regal ist ein Löwenzahnhonig von Coop. Also das, was schon unsere Grosseltern mit ein paar Blüten und viel Zucker als Honigersatz hergestellt haben. Coop nennt es Bee-Free. Keine Biene musste dafür arbeiten, und somit ist er vegan. Blumig, wie auf der Etikette beschrieben, schmeckt er nicht. Immerhin nicht so herb wie der Selbstgemachte.

Das Problem am ausufernden Sortiment von Frühstücksaufstrichen: Mehr als ein oder zwei Brotscheiben liegen an einem normalen Morgen nicht drin. Wie sich also entscheiden? Gesundheitskriterien ziehen nicht: Sehr süss oder sehr fettig sind alle Brotaufstriche. Es geht ja auch nicht darum, schon beim Frühstück streng mit sich zu sein.

Wer Nutella nicht krass genug findet, kann sich einmal die Marshmallow-Creme Fluff aufs Brot schmieren. Man fühlt sich sofort wie ein Kind. Dabei stimmt es eigentlich nicht, dass Kinder morgens auf süsse Brotaufstriche abfahren. Untersuchungen an über 10 000 deutschen Grundschülern belegen, dass Kinder lieber zu Joghurt und deftigen Käse- oder Wurstbroten greifen.

Sowieso: Der Körper verzeiht deftiges Essen morgens viel besser als abends. Der menschliche Energieumsatz ist morgens höher als abends, die Energie wird verbrannt statt in Fett umgewandelt. Und Zucker lässt den Insulinwert im Blut auch weniger in die Höhe schnellen. Lübecker Forscher stellten zudem fest, dass man nach einem üppigen Frühstück tagsüber weniger Lust auf Süsses hat.

Die neuste Frühstück-Forschung zeigt auch: Wenn der Cholesterinspiegel sinken soll, sollte man Gemüse schon zum Frühstück verzehren. Die positiven Effekte gegen entzündliche Krankheiten von Obst hingegen entfalten sich eher gegen Abend.

Nach oben getrieben werden die Entzündungswerte auf jeden Fall, wenn man sich rotes Fleisch schon zum Frühstück gönnt. Also her mit der Scheibe Brot und dem Aufstrich. Das Frühstücksritual wird zwar mit der grossen Auswahl etwas kompliziert – aber immer noch besser als lange Früchte schnippeln oder halb wach ein Rührei braten.

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