Gesundheitsprobleme
Erwachsene mit ADHS: Sie leiden oft an weiteren Krankheiten

Epilepsie oder chronische Lungenkrankheiten: Erwachsene mit ADHS haben ein höheres Risiko für diverse Gesundheitsprobleme.

Annika Bangerter
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Wer im Erwachsenenalter an ADHS leidet, hat ein höheres Risiko für eine Erkrankung des Nervensystems, der Atemwege und des Stoffwechsels.

Wer im Erwachsenenalter an ADHS leidet, hat ein höheres Risiko für eine Erkrankung des Nervensystems, der Atemwege und des Stoffwechsels.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Lange galt ADHS als eine Entwicklungsstörung bei Kindern. Doch auch Erwachsene können unter der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung leiden. Damit können weitere gesundheitliche Probleme verbunden sein, wie eine eben veröffentlichte Studie des schwedischen Karolinska-Instituts im Fachmagazin «The Lancet Psychiatry» zeigt.

Diese kommt zum Schluss, dass Erwachsene mit ADHS ein höheres Risiko für zahlreiche körperliche Beschwerden haben – etwa eine Erkrankung des Nervensystems, der Atemwege oder des Stoffwechsels. Besonders häufig treten Schlafstörungen, Epilepsie, Adipositas oder die chronisch obstruktive Lungenerkrankung auf. Ein leicht erhöhtes Risiko stellen die Forschenden zudem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Parkinson und Demenz fest.

Länger ist schon bekannt, dass Erwachsene mit ADHS oft an psychischen Begleitkrankheiten leiden wie Ängste, Depressionen oder Zwangsstörungen. Auch Suchtprobleme sind verbreitet. Um nun mögliche körperliche Begleiterkrankungen bei Erwachsenen mit ADHS zu untersuchen, haben schwedische Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Daten von rund vier Millionen Menschen ausgewertet. Diese entnahmen sie dem schwedischen Patientenregister.

Genetische Faktoren sind Schuld

Die Forschenden untersuchten insgesamt 35 Krankheiten und verglichen deren Häufigkeit bei Erwachsenen mit ADHS gegenüber jenen ohne ADHS. Ebenfalls unter die Lupe nahmen die Forschenden Geschwister von ADHS-Betroffenen.

Bei insgesamt 34 Krankheiten stellten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter ein signifikant höheres Risiko für ADHS-Betroffene fest; einzig bei Arthritis fanden sie keine entsprechende Verbindung.

Die erhöhten gesundheitlichen Risiken erklären sich die Wissenschafterinnen und Wissenschafter grösstenteils durch genetische Faktoren, die sowohl für die ADHS als auch für die Begleiterkrankungen mitverantwortlich sind. Auch bei Geschwistern von ADHS-Betroffenen stellten sie ein erhöhtes Risiko für die meisten der untersuchten körperlichen Krankheiten fest. Keinen Unterschied machten die Forschenden zwischen den Geschlechtern aus.

Aufgrund ihrer Resultate raten die Studienautoren dazu, die möglichen Begleiterkrankungen künftig mitzudenken: «Das kann wichtige Auswirkungen auf die Behandlung von Erwachsenen mit ADHS haben und die langfristige Gesundheit und Lebensqualität der Patienten verbessern», sagt Studienautorin Ebba Du Rietz.

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