Reisen
Elchtest am Mount McKinley

Walbeobachtung in malerischen Buchten, eine Begegnung mit den Elchen mitten auf der Strasse, Bären aus nächster Nähe: Die Erlebnisse in Alaska sind intensiv.

Brigitte von Imhof
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Das ist schon mehr eine Wal-Show als eine übliche Wal-Beobachtung. Gerade haben sich zwei riesige Buckelwale 100 Meter von unserem Schiff entfernt fast gleichzeitig aus dem Wasser geschraubt und sind mit einem mächtigen Platscher wieder eingetaucht. Schiffskapitän Tim fotografiert in einem fort. «Leute, ich mach diesen Job schon eine Ewigkeit», versichert er, «aber so etwas bekomme ich auch nicht jeden Tag zu sehen.»

Wir Reisende sind natürlich erst recht aus dem Häuschen. Einige haben die Kamera weggepackt – weil sie vor lauter Prüfen ihrer meist unscharfen Bilder auf dem Display den nächsten auftauchenden Wal übersehen. Nicht so eine Gruppe von Chinesen. Wie eine Horde Paparazzi drängen sie sich auf dem Aussichtsdeck, die XXL-Teleobjektive auf die Wasseroberfläche gezoomt.

Vor drei Stunden haben wir an Bord der «Orca Voyager» von Seward abgelegt, einem malerischen Hafenstädtchen auf der Kenai-Halbinsel am nördlichen Ende der Resurrection Bay. Wir tuckern vorbei an Fischerbooten, Segelschiffen und einem Kreuzfahrtschiff der Holland America Lines, das in der malerischen, von weissen Berggipfeln eingerahmten Bucht fast überdimensioniert wirkt. Auf einem Förderband wird Kohle von den Waggons der Alaska Railroad auf ein Frachtschiff geladen.

So gehts nach Alaska

Informationen: State of Alaska, www.alaska-travel.de; Visit Anchorage, www.anchorage.net.

Flüge: Am besten mit Condor von Zürich via Frankfurt nach Anchorage - dreimal wöchentlich. Umständlicher via USA oder Kanada.

Reisezeit: Anfang Juni bis Mitte September.

Veranstalter: www.travelhouse.ch/skytours; www.kuoni.ch, www.travelworldwide.ch,

www.knecht-reisen.ch (mit neuen Mietwagenrundreisen, Kleingruppentouren und neuem Camperanbieter).

Doch bald hat unser Ausflugsschiff den «Stadtverkehr» hinter sich gelassen und gleitet durch das glasklare Wasser. Wir bleiben nicht lange allein. Neben uns treiben Seeotter lässig auf dem Rücken liegend auf dem Wasser und scheinen in ihrer Rolle als Fotomodelle Übung zu haben. Auf einem riesigen Felsen pelzen sich Dutzende Seelöwen in der Sonne. Die Meeressäuger, die uns von Weitem an riesige Brotlaibe erinnern, betrachten uns mit schläfrigem Desinteresse.

Den Passagieren ist längst klar, dass die als «Wildlife Cruise» gebuchte Exkursion mit Kenai Fjord Tours nicht zu viel versprochen hat. Zumal sich bald der erste Buckelwal mit seinem mächtigen Leib auf der Meeresoberfläche zeigt – der Beginn eines Wal-Spektakels, an dem bestimmt sechs, acht Tiere mitwirken. Die Buckelwale treffen im April nach langer Reise aus Hawaii in den fischreichen Gewässern Alaskas ein, um sich richtig satt zu essen. Das ist ihre Hauptbeschäftigung hier oben im Norden, während sie in den Tropen ihre Jungen gebären und grossziehen.

Wir treffen gleichzeitig mit einem Charterboot im Hafen von Seward ein. Glückliche Angler schleppen ihre Kühlboxen zum Shuttlebus, prall gefüllt mit frisch gefangenem Heilbutt und Lachs. Die Gruppe beschliesst, die erste Kostprobe gleich in einem Restaurant in Seward zu nehmen, wo gegen Entgelt der mitgebrachte Fang zubereitet und mit leckeren Beilagen serviert wird. «Frischer gehts nicht», schwärmt einer der Petrijünger und macht uns richtig neidisch.

Der Bus bringt uns zurück zu unserem Hotel in Anchorage, Alaskas grösster Stadt. Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt passieren wir idyllische Flüsse und Seen, in denen sich die Spätnachmittagssonne golden spiegelt. Untergehen wird sie in diesen frühen Junitagen noch lange nicht.

Hier im South Central Alaskas kommt es nach Mitternacht zu einer mehrstündigen Dämmerung, bevor die Sonne wieder in den klaren Himmel steigt. Plötzlich steigt der Busfahrer auf die Bremse. Eine Elchkuh überquert mit ihrem Jungen den Seward Highway und lässt sich dabei jede Zeit der Welt, bevor sie wieder im dichten Blätterbuschwerk abtauchen.

Unterwegs lohnt sich ein Stopp im Alaska Wildlife Conservation Center. Hier finden verwaiste und verwundete Wildtiere ein vorübergehendes oder permanentes Zuhause. Es bietet auch eine gute Gelegenheit, Bären aus nächster Nähe zu betrachten. Sie sind die begehrten Lieblinge bei den Alaska-Besuchern, doch die Braun- und Schwarzbären «tauchen immer nur dann auf, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet», weiss unser Guide Jack.

Die 300 000-Einwohner-Stadt Anchorage, zauberhaft zwischen Meer und den weiss überzuckerten Chugach Mountains in eine Bucht gebettet, rüstet sich allmählich für die grosse 100-Jahr-Stadtfeier, die im Jahr 2015 steigt. Einst wurde die Stadt als Zeltcamp für die Arbeiter der Alaska Railroad errichtet.

Heute präsentiert sich Anchorage als weltoffene, fröhliche Metropole mit vielen Parks, einer sympathischen Downtown, witzigen Shops und Bars, Kunstgalerien sowie Museen von Weltruf, etwa das Anchorage Museum, das sich der Geschichte Alaskas und seiner Ureinwohner widmet. Kurioserweise leben im Stadtgebiet rund 1500 Elche, die man in Parks und Vorgärten jederzeit beim Blätterfressen antreffen kann.

Eine weitere Kuriosität ist der Lake Hood, der grösste Wasserflughafen der Welt. Bis zu 800 Wasserflugzeuge starten und landen pro Tag auf diesem See gleich neben dem Internationalen Flughafen. In dem dünn besiedelten Land, das fünfmal so gross ist wie Deutschland, das rund drei Millionen Seen hat und in dem sich die Überlandstrassen an einer Hand abzählen lassen können, ist das Flugzeug unverzichtbar.

Viele Angler, Rucksacktouristen und andere Besucher lassen sich von hier aus in die Einsamkeit fliegen. Touristen brechen zur Bärenbeobachtung nach Kodiak Island oder zum Katmai Nationalpark auf – oder zu einer Flugexkursion zum Mount McKinley, dem mit 6194 Metern höchsten Gipfel Nordamerikas.

Wer sich für die Geschichte der Fliegerei und der Buschpiloten in Alaska interessiert, der kann gleich neben dem See das Aviation Museum besuchen, das dieses Jahr im Zeichen des 100. Geburtstags des kommerziellen Flugverkehrs in Alaska steht. Die wilden Kerle in ihren fliegenden Kisten haben unter hohem Risiko wertvolle Pionierarbeit geleistet – und waren Vorbild für die vielen Buschpiloten von heute, die in Alaska ihren Traum von der grossen Freiheit verwirklichen können.

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