Das Vertrauen in Whatsapp ist seit der Übernahme durch Facebook schwer erschüttert. Erst vor zwei Wochen wurde publik, dass der digitale Gigant die Zusammenführung der Userdaten seiner grossen Tochterunternehmen (Whatsapp, Instagram und Facebook Messenger) plant. Firmenchef Mark Zuckerberg bricht damit zum wiederholten Mal ein Versprechen: Vor der Übernahme von Whatsapp versicherte Facebook, es solle keinen Datenaustausch zwischen den Benutzerkonten von Facebook- und Whatsapp-Nutzern geben. Später kündigte der Mutterkonzern an, dass doch die Telefonnummern von Whatsapp-Nutzern mit ihren Facebook-Profilen verknüpft werden und ein automatischer Datenaustausch stattfindet. Die darauffolgende 110-Millionen-Euro-Strafe der EU konnte das Unternehmen aber nicht beeindrucken, wie die kürzlich bekannt gewordene Entscheidung nun zeigt.

Auch das andere grosse Bekenntnis, das Whatsapp-Gründer Jan Koum seinen Nutzern gemacht hatte, wurde nicht eingehalten. Entgegen früheren Beteuerungen wird Whatsapp ab diesem Jahr Werbung schalten. 2012 hatte Koum in seinem Blog an die Whatsapp-Nutzer noch geschrieben: «Sobald Werbung im Spiel ist, bist du, die Nutzerin, der Nutzer, das Produkt» und «Daten über dich persönlich, deine Interessen oder dein Kaufverhalten spielen für uns keine Rolle. Wir sind einfach nicht daran interessiert.» Doch Koum hat den internen Machtkampf mit Facebook-Gründer Zuckerberg verloren und die Unternehmensleitung des Konzerns letztes Jahr im Streit verlassen. Sein Freund und Co-Gründer von Whatsapp, Bryan Acton, rief Twitter-Follower kurz davor sogar zum Löschen ihrer Facebook-Profile auf.

Konkurrenz für Whatsapp

Trotz alledem blieb Whatsapp im deutschsprachigen Raum bisher die Nummer eins unter den Kommunikationsdiensten. Eine Schweizer App will dies ändern – Threema setzt voll auf Datenschutz. Die Anwendung wirbt damit, besonders sicher und werbefrei zu sein. Weltweit schicken bereits 5 Millionen Nutzer Nachrichten mit der App. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz und alle Server in der Schweiz und erklärt dies und die transparente Finanzierung zu seinem Hauptvorteil gegenüber der Konkurrenz: Threema wird mit einer Einmalzahlung von drei Franken beim Kauf der App finanziert.

Die Kommunikation erfolgt über eine zufällig generierte Threema-ID, so bleibt der Nutzer komplett anonym und muss seine Telefonnummer nicht preisgeben wie bei Whatsapp. Die Entwickler bemühen sich ausserdem, möglichst keine Datenspur entstehen zu lassen. Die Firmenserver werden nur als Relaisstationen (Weiterleitungsstationen) genutzt und die Nutzerdaten nicht darauf gespeichert. Diese werden nur auf den Privatgeräten der Nutzer aufbewahrt. Ausserdem nutzt Threema eine modifizierte Form der als relativ sicher geltenden Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der eine Nachricht auf dem Gerät des Senders verschlüsselt wird und nur mit einem Code auf dem Gerät des Empfängers wieder lesbar gemacht werden kann.

Auch Whatsapp verwendet mittlerweile die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit ist es für Hacker nicht mehr so einfach, eine Nachricht mitzulesen. Whatsapp speichert allerdings die Telefonnummer von Nutzern und einige Metadaten. Dies sind Daten rund um die Nachricht (zum Beispiel wann die Nachricht zugestellt wurde, wer sie wem zugestellt hat), nicht aber ihr Inhalt. Das Auswerten von Metadaten ist laut vielen Datenschützern aber ein heikles Business, denn oft verraten diese mehr über einen Nutzer als der Inhalt einer Nachricht.

Erfindergeist ist ungebrochen

Neben dem Messengerdienst Threema haben Schweizer Erfinder noch andere innovative Apps entwickelt. Oft stecken Einzelpersonen mit guten Ideen hinter den Apps: Die Idee für die PeakFinder-App kam Realisator Fabio Soldati beim Wandern mit seiner Schwester, wie er auf dem Blog des Alpenkartenherstellers Marmota Maps sagt. Seine Schwester stritt mit ihrem Mann über einen Bergnamen. Soldati fand das Identifizieren von Bergnamen eine technisch spannende Herausforderung und programmierte in den nächsten sechs Monaten an einer App, die hilft.

Auch Michael Näf, der Gründer von Doodle, entwickelte seine App als Lösung für ein Alltagsproblem: Er hatte versucht, mit mehreren Freunden einen Termin für ein Essen zu finden. Als er merkte, wie mühsam das sein kann, überlegte er sich, wie das Problem beseitigt werden kann – die Grundidee für Doodle war geboren. Andere Apps wurden von Gruppen entwickelt, so zum Beispiel Pluspoints. Die Entwickler sind zwei Informatikstudenten der ETH, die das Ausrechnen von Notendurchschnitten vereinfachen wollten. Sie sind auch die Programmierer hinter der beliebten Digitale-Jasstafel-App.

All diese Apps haben eins gemeinsam: Sie sind schlicht und praktisch und wurden in der Schweiz entwickelt – wie der Sparschäler und der Stewi im letzten Jahrhundert. Diese beiden Erfindungen schafften den grossen Sprung und finden sich heute in fast allen Schweizer Haushalten. Das ist auch das Ziel der jungen Schweizer Apps. Wir stellen in der Bildstrecke jene vor, welche das Zeug haben, zum digitalen Sparschäler der Zukunft zu werden.