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Der PC soll tot sein? Microsoft erfindet ihn kurzerhand neu

Der US-Konzern setzt auf neue Hardware. Und macht seine Software für das Virtual-Reality-Zeitalter fit.

Raffael Schuppisser
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Microsoft wird immer mehr zum Hardware-Hersteller. Gestern hat der amerikanische Konzern ein Desktop-Computer namens Surface Studio präsentiert. Der All-in-One-PC ist als Antwort auf den iMac zu verstehen und ähnelt diesem auch optisch: Ein eleganter Bildschirm auf einem schicken Aluminiumsockel – so sehen heute Computer aus.

Der neue Microsoft PC hat dem iMac aber mindestens etwas voraus: Der 28- Zoll-Bildschirm, ist nicht nur extrem dünn, sondern auch berührungsempfindlich. Er lässt sich im Winkel verstellen, sodass man ihn mit einem Surface Pen auch als Zeichenbrett nutzen kann. Diese Funktion dürfte für Architekten und Zeichner besonders interessant sein. Der Preis des Surface Studios – 3000 Dollar – zeigt dann auch, dass Microsoft damit nicht die grosse Masse ansprechen will.

Auch eine neue Version des Surface Book – die Antwort auf das MacBook – wurde gestern vorgestellt. Microsoft verspricht, dass es der derzeit «leistungsstärkste Laptop» sei. Preislich ist dieser aber mit 2399 Dollar auch am oberen Ende der Skala angesiedelt.

Microsoft setzt auch weiterhin auf Softwareinnovationen. Der Konzern hat für den Frühling ein neues Update angekündigt. Das sogenannte Creators Update setzt stark auf 3-D. So kann man im Zeichenprogramm Paint dreidimensionale Objekte erstellen. Auch Abbilder realer Gegenstände können integriert werden. Dafür scannt man sie einfach mit einem Smartphone von allen Seiten. Die Neuerungen beschränken sich aber nicht auf Paint, so lassen sich etwa auch Powerpoint-Präsentationen mit 3-D-Objekten anreichern.

Wirkliche Plastizität erhalten die Gegenstände aber erst, wenn man sie statt auf einem Bildschirm, durch die Augmented-Reality-Brille HoloLens betrachtet. Damit lassen sich Objekte als Hologramme im Raum darstellen – auch solche, die man selber im Programm Paint geschaffen hat. Virtualität und Realität verschmelzen damit gewissermassen. Derzeit gibt es die HoloLens erst als Entwicklerversion , wann sie offiziell auf den Markt kommt, verriet Microsoft auch gestern nicht.

Bis es so weit ist, lassen sich aber die neuen Funktionen der Microsoft Programme auch mit Virtual-Reality-Headsets nutzen. Damit können die virtuellen Objekte zwar nicht im eigenen Raum betrachtet werden, aber doch als dreidimensionale Objekte in einer computer-generierten Umgebung. HP, Dell, Lenovo, Asus, und Acer werden VR-Headsets für Windows 10 auf den Markt bringen. Diese soll es bereits ab 299 Dollar zu kaufen geben. Hier hat Microsoft anscheinend nicht die digitale Elite, sondern den Massenmarkt im Fokus.