Seit 2007 das erste iPhone auf den Markt kam, haben sich Smartphones rasant entwickelt. Die Geräte sind zum zentralen Bestandteil unseres Alltags geworden und leisten heute Dinge, welche man sich vor einem Jahrzehnt nicht mal hatte vorstellen können. Jüngst büsste die Branche jedoch stark an Innovationskraft ein; revolutionäre Neuerungen gab es schon seit einiger Zeit keine mehr.

In Barcelona fand diese Woche der Mobile World Congress (MWC) statt, die wichtigste Mobilfunkmesse der Welt. Und obwohl in den vergangenen Tagen Dutzende neue Handys vorgestellt wurden, hielt man einmal mehr vergeblich Ausschau nach einem Smartphone, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

Wer aber die aktuellen Geräte unter die Lupe nimmt, der merkt: Die innovativen Technologien wären durchaus vorhanden, sie sind nur auf viele verschiedene Handys verteilt. Würde man einige dieser Funktionen in einem Modell kombinieren, entstünde ein sensationelles Gerät. Wir stellen es Ihnen vor.

Kamera

Handy-Fotos haben unterdessen eine hervorragende Qualität und sind so zu einem der wichtigsten Verkaufsargumente geworden. Um aus den Smartphone-Kameras das Maximum herauszuholen, nutzen die grossen Firmen verschiedene Technologien. Diese wären noch viel leistungsfähiger, würde man sie miteinander kombinieren. Beim idealen Smartphone käme sicher eine Dual-Kamera zum Einsatz, wie sie von HTC entworfen wurde und mittlerweile
in diversen Geräten zu finden ist.

Dabei sind zwei separate Kameras auf der Rückseite des Handys eingebaut, welche zum Beispiel das optische Zoomen ermöglichen oder bei Porträtaufnahmen für einen unscharfen Hintergrund sorgen. Das neuste Gerät von Huawei, welches Ende März vorgestellt wird, könnte sogar eine Dreifachkamera besitzen, aber genauere Details sind noch nicht bekannt.

Auch die variable Blende, welche Samsung am MWC vorstellte, müsste man übernehmen: Dank dieser Technologie kann das Smartphone-Objektiv automatisch Lichtstärke und Tiefenschärfe der Bilder anpassen, was mit Digitalkameras zwar schon lange möglich ist, in einem Handy so aber noch nie zum Einsatz kam. Für die Verarbeitung der Bilder sollte dann die Software von Google zum Einsatz kommen.

Die Firma nutzt bei ihren Pixel-Handys künstliche Intelligenz, um das Maximum aus jedem Schnappschuss herauszuholen. Sony könnte noch etwas zur idealen Smartphone-Kamera beisteuern: Das neue XZ2 wird Videos in Super-Slow-Motion aufnehmen können, also mit 960 Bildern pro Sekunde, und das erst noch in Full HD.

Fingerabdruck-Scanner

Bei aktuellen Smartphones ist der Bildschirm fast randlos und nimmt damit die gesamte Vorderseite des Geräts in Anspruch. So bleibt kein Platz mehr für den klassischen Fingerabdrucksensor, welchen viele Firmen jetzt auf der Rückseite des Handys platzieren. Ideal ist das nicht – vor allem dann nicht, wenn er wie beim neuen Sony-Modell so nahe an der Kamera liegt, dass man beim Entsperren automatisch auch die Fotolinse berührt.

Eine bessere Alternative präsentierte am MWC die chinesische Firma Vivo. Bei deren Konzept-Handy Apex ist der Fingerabdruck-Sensor nämlich direkt in den Bildschirm integriert. Ein Kurztest zeigte, dass die Technologie schon erstaunlich gut funktioniert, jedoch ist noch nicht klar, wann und ob das Gerät kommerziell erhältlich sein wird.

Hülle

Eine Hülle sollte heutzutage gar nicht mehr nötig sein: Das neue Modell von Land Rover beispielsweise kann runterfallen, untertauchen und einfrieren, ohne dass es irgendeinen Schaden davonträgt. Diese Robustheit müsste man kombinieren mit dem modularen Hüllen-Design von Motorola.

Damit wird es möglich, Hüllen mit zusätzlichen Funktionen ganz einfach an das Handy anzuschliessen. Das kann ein Lautsprecher sein, ein zusätzlicher Akku, eine Tastatur oder ein Fotoobjektiv.

SIM-Karte

Sie wurde zwar einiges kleiner, aber die SIM-Karte hat sich seit den Neunzigerjahren tapfer in unseren Handys gehalten. Jetzt könnte ihr Ende nahen, denn das aktuelle Pixel-Handy von Google kommt ohne traditionelle SIM aus. Das Gerät hat eine sogenannte eSIM integriert, die sich nicht austauschen lässt und unabhängig von Netzbetreiber und Rufnummer funktioniert.

Wechselt man eines von beidem, kann das innerhalb weniger Minuten direkt in den Handy-Einstellungen angepasst werden. Diese Technologie wird bereits in Smartwatches und Laptops verwendet und hat auch im Smartphone Potenzial. Das Pixel 2 ist momentan noch das einzige Handy mit eSIM – und auch hier lässt sie sich nur mit einem einzigen Netzbetreiber nutzen –, im Super-Handy hätte die Technologie aber einen festen Platz.

Speicher

Moderne Smartphones brauchen einen Slot für eine SD-Karte, mit welcher sich der interne Speicher ergänzen lässt. Das bieten heute viele Hersteller an. Zusätzlich müsste man aber auch die Speicher-Funktion des Pixel-Handys übernehmen: Wer ein solches Gerät kauft, erhält unlimitiert Speicherplatz im Cloud-Dienst Google Photos und kann dort seine Bilder in voller Auflösung abspeichern.

Animojis

Allein die Tatsache, dass in den aktuellen Flaggschiff-Modellen eine solche Spielerei zum Verkaufsargument wurde, zeigt eindrücklich, dass es jüngst nur wenig Innovation im Smartphone-Markt gab. Apple führte mit dem iPhone X die Animojis ein.

Dabei lassen sich Mimik und Gestik mithilfe der Selfie-Kamera auf eine virtuelle Figur übertragen. Dank dem Infrarot-Sensor funktioniert das bei Apple erstaunlich genau, jedoch lassen sich auf diese Weise nur Comic-Figuren steuern. Samsung wählte einen anderen Ansatz und präsentierte beim neuen S9 die AR Emojis.

Mit dieser Funktion kann man sich selber einscannen und daraus einen Avatar generieren, der sich dann ebenfalls über die Selfie-Kamera steuern lässt. Weil aber weder das eine noch das andere besonders gut funktioniert, müsste man die Genauigkeit von Apple und die individuellen Avatare von Samsung noch mit den 3D-Scans von Sony kombinieren.

Das aktuelle Handy der japanischen Firma kreiert nämlich erstaunliche genaue Kopien des eigenen Gesichts, welche sich derzeit aber noch nicht animieren lassen. Würde man all das in einem Gerät vereinen, wären die virtuellen Figuren zwar noch immer eine Spielerei, aber vor allem in den sozialen Medien und in Messenger-Apps hätten sie Potenzial.