Wer wissen möchte, wie die Entwicklung der Smartphones weitergeht, der findet diese Woche Antworten in Barcelona am Mobile World Congress (MWC), der grössten Handy-Messe der Welt. Wir haben uns umgeschaut und fünf Trends aufgespürt.

1. Smartphones: Gut und günstig

Muss es denn unbedingt das neue iPhone für 800 Franken sein? Wie wäre es denn mit einem Smartphone, das ebenfalls schön und fast so gut ist, aber nur die Hälfte kostet? Ja, das gibt es. Zum Beispiel bei Honor, einer Tochterfirma des chinesischen Herstellers Huawei. Das Honor 6 (5 Zoll für 299 Franken) und das Honor 6 Plus (5,5 Zoll für 399 Franken) sehen dem iPhone verblüffend ähnlich und sind mit einer 8-Megapixel-Frontkamera ausgestattet und erst noch für Narzissten geeignet. Für Technikfreaks: Full-HD-Display, 13-Megapixel-Kamera, Acht-Kern-Prozessor.

Ein neues, preiswertes und sehr schickes Gerät hat auch Sony vorgestellt. Es heisst M4 Aqua, hat ein 5-Zoll-Display, das in HD auflöst, ist mit einer 5-Mega-Pixel-Front- und einer 13-Mega-Pixel Hauptkamera ausgestattet. Kostenpunkt: 319 Franken. Ach ja, und es ist wasserdicht. Das ist weder das iPhone noch das neue Galaxy S6 von Samsung.

Natürlich gibt es noch immer Unterschiede zu den technisch besten Smartphones wie etwa dem iPhone 6 Plus oder den von Samsung neu vorgestellten Galaxy S6 (ab 700 Franken) und Galaxy S6 Edge (ab 850 Franken): die doppelt so hohe Bildschirmauflösung und die bessere Farbdarstellung. Natürlich sind auch die Kameras besser – diese lösen zwar mit ungefähr gleich vielen Megapixeln auf – haben aber lichtstärkere Linsen und Bildstabilisatoren.

2. Schlau und jetzt auch schön: Die neuen Uhren

Die Handymesse in Barcelona wird immer mehr zu einer Uhrenausstellung. Smartwatches sind die Gadgets der Stunde. Sahen die Computer fürs Handgelenk vor einem Jahr noch aus wie klobige Minihandys, geben sich die Hersteller nun Mühe, die Technik in einem traditionellen Uhrengehäuse unterzubringen.

Zum Beispiel: Die neue LG-Uhr «Urbane LTE».

Zum Beispiel: Die neue LG-Uhr «Urbane LTE».

Neue «intelligente Uhren» haben LG und Huawei vorgestellt, beide haben ein rundes Display, auf dem sich E-Mails, SMS und mehr anzeigen lassen sowie einen Pulsmesser und Bewegungssensoren für sportliche Aktivitäten. Doch mittlerweile gibt es auch verschiedene Analoguhren, die mit digitalen Zusatzfunktionen zu Smartwatches aufgerüstet werden. Die erste Uhr dieser Art präsentierte wohl die französische Firma Withings letztes Jahr an der Internationalen Funkausstellung in Berlin.

Letzte Woche kündigte auch der Schweizer Uhrenhersteller Mondaine Watch eine schicke Uhr mit Schrittzähler und Schlaf-Tracker an. In Barcelona zeigen auch Cogito und der amerikanische Modekonzern Guess Uhren, die wie gewöhnliche Zeitmesser fürs Handgelenk aussehen, die aber mit dem Handy kommunizieren und Nachrichten auf einem Display anzeigen.

3. Virtuelle Realität für alle

Man setzt sich eine Art Taucherbrille auf, in der anstelle eines Glases ein Bildschirm eingesetzt ist, und taucht ein, in eine Welt, die es gar nicht gibt: in eine virtuelle Realität. Das hört sich ziemlich freaky an, klingt irgendwie nach «Matrix». Doch dank Samsung könnte diese Technologie bald massentauglich werden. Der koreanische Handyhersteller hat zusammen mit dem Start-up Oculus VR ein Headset entwickelt, das in Kombination mit einem der neuen Top-Handys Galaxy S 6 oder Galaxy S 6 Edge zu einer vollwertigen Virtual-Reality-Brille wird.

Virtuelle Realität durch die «Taucherbrille»: Das «Virtual Reality»-Headset fürs Samsung-Smartphone.

Virtuelle Realität durch die «Taucherbrille»: Das «Virtual Reality»-Headset fürs Samsung-Smartphone.

Das Handy schiebt man in die Brille, sodass das Display direkt vor den Augen liegt. Für beide Augen wird dasselbe Bild perspektivisch leicht versetzt auf dem Bildschirm angezeigt. So wird eine virtuelle Umgebung simuliert. Wer es ausprobiert hat, ist von dem «technischen Zauber» begeistert. Eine solche Brille hat Samsung schon für das Note 4 entwickelt. Doch das Galaxy ist das beliebteste Smartphone der Koreaner, deshalb ist für die Etablierung der virtuellen Realität die neue Version der Gear VR genannten Brille essenziell.

In Zusammenarbeit mit dem Game-Hersteller Valve hat auch HTC eine eigenen VR-Brille angekündigt, die ohne Handy auskommt, die man dafür aber an den Computer anschliesst.

4. Endlich: Laden geht jetzt auch ohne Kabel

Vielleicht gehören Ladekabel und Netzteile bald der Vergangenheit an. Weil sich unsere Geräte drahtlos mit Strom versorgen, sobald wir sie auf ein Ladekissen oder einfach auf den Nachttisch legen. QI nennt sich diese Ladetechnik, bei der Energie per Induktion von einer speziellen Oberfläche auf den Akku übertragen wird. Technisch möglich ist das eigentlich schon länger, doch bisher haben erst Nokia bei einigen Lumia-Smartphones und LG bei einigen Nexus-Geräten darauf gesetzt.

Kabellos den Akku laden – mit dem Ikea-Nachttischli.

Kabellos den Akku laden – mit dem Ikea-Nachttischli.

Nun kommen aber zwei neue Firmen hinzu, die diesen Standard richtig populär machen könnten: Samsung und Ikea. Der Handyhersteller hat seine neuen Topmodelle Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge mit der QI-Ladetechnik ausgerüstet. Und der Möbelhersteller will dieses Jahr Tische auf den Markt bringen, in denen QI-Ladeplatten verbaut sind.

5. Auch das noch: Das Handy wird zum Alkoholmessgerät

Die Schweizer Firma Sensirion hat einen Sensor vorgestellt, der den Gehalt von Alkohol in der Atemluft messen kann. Der Sensor ist nicht grösser als ein Stecknadelkopf und passt somit problemlos in ein Smartphone. Einen entsprechenden Prototypen haben die Schweizer in Barcelona präsentiert. Um den Alkoholgehalt zu messen – um etwa zu bestimmen, ob man noch Auto fahren darf –, bläst man in das Handy und der entsprechende Wert wird auf dem Display angezeigt. Der Wert soll gemäss Sensirion auf etwa 0,15 Promille genau bestimmt werden können.

Dieser Sensor kann auch den Gehalt von anderen Gasen messen. Etwa ausschlagen, wenn die Luftqualität schlecht ist. Vielleicht sagt uns in Zukunft unser Handy, wenn es Zeit ist, den Raum zu lüften.