Die Frau im adretten roten Kleid verspricht viel: «Unser Gerät wird die Art und Weise, wie Sie über Smartphones denken, ändern.» Natürlich stimmt das nicht. Doch mit Bescheidenheit kommt man in der von Innovation getriebenen Elektronik-Branche nicht weit – schon gar nicht an der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin, wo sich die Hersteller dieser Tage mit neuen Geräten zu übertrumpfen versuchen. Und damit auch mit Superlativen.

Dennoch: Das Mate S von Huawei, von dem die Frau derart schwärmt, hat ein paar nette Funktionen integriert, die andere Smartphones nicht haben. So erkennt der Touchscreen, wie stark man darauf drückt. Das ist beispielsweise beim Betrachten von Fotos nützlich. Wenn man mit etwas Druck auf das Foto tippt, zoomt eine Lupe in das Bild hinein. Auf die gleiche Weise lassen sich auch vordefinierte Apps öffnen, wenn man auf den Rand des Bildschirms drückt.

«Force-Touch» nennt Huawei diese Technologie. Sie lässt sich auch nutzen, um das Gewicht eines Gegenstandes zu wägen. Richtig, das Smartphone wird zur Waage. Natürlich geht das nur bei kleinen Objekten, die auf den Bildschirm passen. Wie präzis die Funktion ist, sagt Huawei nicht. Vermutlich wird die Nützlichkeit von Force-Touch auch eher in anderen Applikationen zum Zug kommen. Etwa bei «Games». Hier werden neue Steuerungsmöglichkeiten auf dem Touchscreen möglich.

Ferner erkennt der 5,5 Zoll grosse Bildschirm, ob man mit dem Finger oder mit dem Fingerknöchel darauf tippt. Mit Letzterem kann man auf einfache Art und Weise Bilder versenden oder eine vordefinierte App öffnen. Ob das die Handhabung des Smartphones wirklich vereinfacht?

Auf jeden Fall sieht das Mate S, das aus einem einzigen Metallblock gefertigt ist, chic aus. Doch Schönheit hat ihren Preis. Bis anhin verband man die chinesische Marke Huawei mit günstigen Produkten; das Mate S gibts nun aber erst ab 650 Euro.

Ein neues Premium-Handy hat auch Sony vorgestellt. Das Xperia Z5 ist das erste Smartphone mit 4K-Auflösung – es kann also eine vierfache HD-Auflösung darstellen. Technik-Geeks finden das natürlich toll. Ob der Durchschnittsnutzer sich jedoch das Gerät deswegen kaufen wird, ist fraglich. Für ihn könnte entscheidender sein, dass es das Xperia Z in drei verschiedenen Grössen gibt: 4,6, 5,2 und 5,5 Zoll.

Optisch orientieren sich die Geräte am bewährten Sony-Design mit Glasfläche als Rückseite und einem Aluminiumrahmen. Alle Modelle sind wasserdicht und verfügen über eine Kamera, die in beeindruckenden 23 Megapixel auflöst. Für stets scharfe Bilder soll der ultraschnelle Autofokus von 0,03 Sekunden sorgen.

Konkurrenz für Apple Watch?

Neben smarten Handys sind schlaue Uhren das zweite grosse Thema der Messe. Huawei hat seine schlicht «Watch» genannte Armbanduhr im Gepäck. Diese lässt sich nicht nur mit Android-Handy, sondern auch mit dem iPhone koppeln – vorausgesetzt, man hat iOS 8.2 oder höher installiert. Auf den ersten Blick ist die runde, elegant wirkende Uhr durchaus eine Konkurrenz für die Apple Watch. Sobald man sie in die Hand nimmt, fühlt sie sich aber etwas billig an.

An das Design traditioneller Uhren knüpft Samsung an. Wie die Huawei Watch hat auch die Gear S2 ein rundes Display. Neben dem Touchscreen ist der drehbare Ring, den die Uhr umgibt, ein zweites Bedienelement. Anders als die meisten Smartwatches kann sie das Mobiltelefon auch ersetzen. Die Uhr hat eine sogenannte «Embedded SIM» (eSIM) integriert, mit der man sich ins mobile Internet einloggen kann. So kann man das Handy tatsächlich auch mal beruhigt zu Hause lassen. Vorausgesetzt, man ist bereit, über Lautsprecher und mit Uhr vor dem Mund zu telefonieren.