Automobil
Der BMW X4 M Competition will Sportwagen, Coupé und SUV sein. Klappt das?

Die Bayrischen Autobauer setzten mit dem BMW X4 M voll auf Kompromiss. Wie erfolgreich dieser ist, muss sich erst noch zeigen, meint unser Autor.

Philipp Aeberli
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Beeindruckend auf der Strecke, nicht ohne Kompromisse auf der Strasse: Der BMW X4 M Competition.

Beeindruckend auf der Strecke, nicht ohne Kompromisse auf der Strasse: Der BMW X4 M Competition.

zvg

Rasant hat sich die Technologie im Auto in den letzten Jahren weiterentwickelt. Die Motoren wurden leistungsstärker, gleichzeitig kultivierter und sparsamer. Die Fahrwerkstechnik erlaubt einen immer weiteren Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort, und moderne Automatikgetriebe mit komplexen Allradsystemen bringen die Kraft unter allen Umständen perfekt auf die Strasse. Durch die immer vielseitigeren technischen Möglichkeiten wird einerseits der Alltag der Autofahrer komfortabler, andererseits können die Hersteller Fahrzeuge bauen, die bis anhin schlichtweg undenkbar waren. Doch: Muss man alles bauen, nur weil es möglich ist?

Mit dem X4 M Competition antwortet BMW klar mit einem Ja – und will Geländewagen, Coupé und Sportwagen verschmelzen. So bietet der Fünftürer eine sportliche Dachlinie wie ein Coupé, Allradantrieb und etwas mehr Bodenfreiheit, sodass man zumindest Feldwege unter die Räder nehmen kann, und reichlich Sportwagentechnik für die proklamierte «Freude am Fahren». In der Theorie also ein echter Alleskönner.

Ein Mittelweg, der nicht wie ­gewünscht funktioniert

Mit zahlreichen Lufteinlässen, üppiger Bremsanlage hinter grossen Rädern und steiler Abrisskante am Heck macht das Topmodell der X4-Baureihe auf den ersten Blick klar, dass die Zutaten aus der Sportwagen-Ecke im Vordergrund stehen. Das unterstreichen die wuchtigen Sportsitze und das dick aufgepolsterte Lenkrad im Innenraum.

Zwar erinnern die höhere Sitzposition und der Ausblick nach vorn an ein SUV, der Überblick nach hinten ist aufgrund der abfallenden Dachlinie aber eher sportwagentypisch. Auf den Rücksitzen kann man bequem auch längere Strecken überdauern, und der Kofferraum (525 bis 1430 Liter) ist alltags- und urlaubstauglich; er stösst nur bei sperrigem Gepäck an seine Grenzen.

Grenzen muss man auch abseits befestigter Strassen akzeptieren. Feldwege und Wiesen sind zwar mit Allradantrieb und etwas Bodenfreiheit bezwingbar, mehr sollte man dem sportlichen Bayern aber nicht zumuten – er wurde mit klarem Fokus auf die Strasse abgestimmt. Dort sorgt er für ein Aha-Erlebnis, muss allerdings erst einmal gegen Vorurteile ankämpfen: Konzeptbedingt ist der X4 M Competition ein Kompromiss, was bekanntlich nicht immer wie gewünscht funktioniert. Das spürt man auch hier: Ein herkömmlicher SUV rollt deutlich geschmeidiger ab, ein «echter» Sportwagen fühlt sich auf kurvigem Terrain bestimmt eine Spur handlicher an.

Doch: Mit welcher Präzision sich der gedopte X4 um Kurven treiben lässt, ist beeindruckend. Er wankt wenig, verzahnt sich fest mit dem Asphalt und ­findet viel Traktion, um die Leistung des Reihensechszylinder-Benziners auf die Strasse zu bringen. Der leistet dank zweier Turbolader 510 PS und 600 Nm Drehmoment; so ist der Sprint auf 100 km/h in 4,1 Sekunden erledigt – auch dank der flotten 8-Gang-Auto­matik. Dass man in einem vergleichs­weise hochbeinigen SUV sitzt, vergisst man beängstigend schnell.

Man muss BMW zugute halten, dass der vermeintlich unmögliche Kompromiss im X4 M Competition erstaunlich gut gelingt. Die Frage nach dem Sinn eines solchen Autos beantwortet das allerdings noch nicht – er wird sich höchstens anhand der Kundennachfrage abschätzen lassen. Um den gut gelösten Kompromiss eingehen zu können, muss man allerdings mindestens 113 180 Franken investieren – und einen hohen Spritverbrauch von durchschnittlich 11,8 Liter auf 100 Kilometer in Kauf nehmen.