Kolumne
Das Opernhäusl

Postkarte aus Wien

Rudolf Gruber
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"Pinkeln im Dreivierteltakt" lässt sich's auf der Toilette in der unterirdischen Opern-Passage. Bild: Getty

"Pinkeln im Dreivierteltakt" lässt sich's auf der Toilette in der unterirdischen Opern-Passage. Bild: Getty

Wien wird um eine Attraktion ärmer: Das Opernhäusl soll zugesperrt werden, meinen die Stadtväter. Häusl ist das Wiener Slangwort für WC; es stammt aus einer Zeit, als noch Holzhütteln mit herzchenförmiger Entlüftung auf der Wiese standen. Der völlig unromantische Behördenjargon nennt WCs in Bahnhöfen und U-Bahnstationen «öffentliche Bedürfnisanstalten», was für den profanen Zweck reichlich pompös klingt, aber dem Standort des Opernhäusls nahe der Staatsoper angemessen ist. Es hat sogar Kultstatus, den es vor allem amüsierten Touristen verdankt: Bereits auf halbem Weg die Treppe zur Opernpassage hinab perlen ihnen die Klänge des Donauwalzers entgegen. Der Wiener Schmäh witzelt frivol vom «Pinkeln im Dreivierteltakt». Aber jetzt hat der Magistrat dem Betreiber den Pachtvertrag gekündigt – derlei Bedürfnisanstalt entspreche nicht mehr zeitgemässen Ansprüchen, heisst es. Eine für die Musikstadt Wien eigenartige Begründung: Der Walzer ist doch zeitlos, ob man im Konzerthaus sitzt oder auf dem Häusl.