1 Virus - 100 Schicksale
«Wir dürfen die Menschen nicht einsperren»: Luzius Knöpfli (62), Hausarzt in Walzenhausen (AR)

Er betreute im Frühling den ersten Patienten, der in Appenzell Ausserrhoden an Covid-19 verstarb. Die Abstriche für die Tests nimmt der Walzenhauser Arzt in der Tiefgarage vor.

Mea McGhee
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Luzius Knöpfli (62) führt in Walzenhausen eine Hausarztpraxis.

Luzius Knöpfli (62) führt in Walzenhausen eine Hausarztpraxis.

Bild: David Scarano

«Wie bei den meisten Hausärzten waren viele Dutzend meiner Patienten infiziert. Im Frühling betreute ich den ersten Mann im Kanton, der an Covid-19 verstarb. Seither sind alle Patienten genesen, auch jene, die ich ins Spital überweisen musste. Die Krankheit ist nur sehr selten ein Todesurteil, auch nicht für Alte. Für ältere Menschen ist sie allerdings viel gefährlicher als die Grippe, aber die allermeisten Patienten erholen sich. Das Hauptproblem ist die hohe Infektionsrate und die damit einher gehende Zahl der schwer Erkrankten. Viele Patienten wissen nicht, wo sie sich angesteckt haben, daher ist es sinnvoll, dass wir Masken tragen und Abstand halten. Wichtig ist aber auch, dass die Menschen nicht eingesperrt werden, dass sie sich bewegen dürfen. Die Massnahmen müssen nachhaltig sein, weil wir sie lange einhalten müssen. Ein Impfstoffs muss wirksam sein, noch wichtiger ist aber, dass er sicher ist. Panik ist nicht angebracht – Vorsicht aber schon, denn: Das Virus sucht und findet den Weg.»

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