Mensch und Computer – eine Beziehung, die sich in den letzten Jahrzehnten rasant entwickelt hat. Noch vor 50 Jahren nahm ein Rechner einen ganzen Raum für sich ein, heute ist ein Haushalt ohne privaten Computer oder Laptop fast nicht mehr denkbar. Wie es so weit gekommen ist, damit beschäftigt sich die neue digitale Bilderschau im Stadtmuseum Aarau. Pressebilder aus dem Ringier-Archiv zeigen, wie Mensch und Maschine zwischen 1959 und 1999 in Zeitungen und Zeitschriften abgebildet wurden.

Die Schau beginnt in Schwarz-Weiss, mit den ersten grossen Rechnern, die damals von Hochschulen und vereinzelten Unternehmen genutzt wurden. Zu sehen sind Bilder von Presseterminen, auf denen zumeist Männer im Anzug an Kontrollpulten stehen oder die Technik überprüfen. Auf diesen ersten Fotografien ist die Maschine der Hauptakteur, der Mensch Nebensache. In den 60er-Jahren kam die elektronische Datenverarbeitung langsam in Post und Verwaltung an und wurde so vermehrt zum öffentlichen Thema. Unternehmen wie IBM boten astrologische Charakter-Analysen auf dem Grossrechner an, um der Bevölkerung die neue Technik zugänglicher zu machen.

Es dauerte aber noch bis in die 80er-Jahre, bis Heim- und Personal Computer die Schweiz eroberten und die Digitalisierung nach und nach auch den Alltag durchdrang: von der Arztpraxis über den Dorfladen bis in den Kuhstall.

In dieser Zeit kamen auch erste Bedenken über den Umgang mit persönlichen Daten auf, wie die Bilderschau dokumentiert. Ein Journalist fand heraus, dass jeder Schweizer in rund 70 Datenbanken gespeichert war. «Der Computer verursachte damals einerseits Faszination, aber auch Zukunftsängste», erklärt Daniela Nowakowski, Kuratorin der Bilderschau. «Viele fürchteten damals, von der Entwicklung abgehängt zu werden.» So Mancher kaufte gemäss der Kuratorin Mitte der 80er-Jahre einen Computer, wusste aber noch nicht so richtig, was damit anfangen.

Programmierkurs in den Ferien

Wer dranbleiben wollte, besuchte damals erste Computerkurse oder gar spezielle Computercamps, wo man lernte, wie mit den neuen Geräten umzugehen ist. «Viele Leute kamen gar im Ferienresort erstmals mit dem Computer in Kontakt», erzählt Nowakowski. Eine Reportage aus dem Club Mediterranéé auf Sizilien beschrieb damals, wie Animateurinnen und Animateure den Touristen die Ansätze der Programmiersprache «Basic» beibrachten. Die Bilder zur Reportage zeigen Animateurinnen am Strand oder am Pool, neben ihnen wie selbstverständlich ein Computer.

Die Darstellung von Frauen und Computern war einer der Aspekte, der die Kuratorin an der Thematik faszinierte. Die frühen Aufnahmen zeigen Frauen als Hilfspersonal zur Vorbereitung der Daten, aber auch als Operatorinnen in den Kontroll- und Rechnerräumen, wo jedoch die Männer die Mehrheit zu stellen scheinen.

Im Verlauf der Jahre tauchen vermehrt Bilder von kompetenten Computer-Nutzerinnen auf, gleichzeitig wurden Frauenbilder aber auch vermehrt dazu genutzt, den Computer attraktiv wirken zu lassen. Beispielhaft dafür stehen die Animateurinnen im Ferienklub oder das Fotomodell, auf dessen nackte Haut eine Leiterplatte projiziert wird (Bild links). «Diese Darstellungen entstanden zumeist aus einer männlichen Optik», erklärt Kuratorin Nowakowski.

Die Kamera im Kuhstall

Die Bilderschau «Menschen und Computer» beleuchtet spannende Aspekte der Schweizer Digitalisierungs-Geschichte: von Computercamps in den Bergen über die Kamera im Kuhstall bis zu einer der ersten Online-Liebesgeschichten. Ein lehrreicher und auch lustiger Ausflug in die nicht allzu ferne Vergangenheit.

Mensch und Computer: Digitale Bilderschau. Eröffnungsveranstaltung mit Historiker David Gugerli und Kuratorin Daniela Nowakowski: Do, 4. April, 18.30 Uhr, Stadtmuseum Aarau.