Nachruf

Zum Tod von Kirk Douglas: sogar Spartacus ist nicht unsterblich

Die Rolle seines Lebens: Kirk Douglas kämpft 1960 als Spartacus für Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung.

Die Rolle seines Lebens: Kirk Douglas kämpft 1960 als Spartacus für Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung.

Er war einer der bekanntesten Schauspieler des alten Hollywood – und der letzte noch lebende. 103 Jahre alt wurde Kirk Douglas. Ein Nachruf.

Wer sich die Kennzahlen über Kirk Douglas’ Leben anschaut, fragt sich immer wieder: Rekord? So lang? So spät? Und staunt, so früh: Kirk Douglas kam 1916 als Issur Danielovitch Demsky in der Nähe von New York zur Welt. Seine Eltern, mittellose Juden, flohen 1910 vor Pogromen in die USA, ihre Muttersprache war Jiddisch.

Noch fast ein Jahrhundert später, im Februar 2001, als er an der Berlinale den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk erhielt, beantwortete Douglas Fragen auf Deutsch. Was allerdings auch mit seiner – zweiten – Ehefrau zu tun hatte, der Filmproduzentin Anne Buydens, die 1919 in Hannover als Hannelore Marx zur Welt kam und mit der er seit 1954 verheiratet war. Für Hollywood ebenso rekordverdächtig wie sein Alter.

Applaus gefiel schon dem Kindergärtler

Spät begann seine Hollywood- Karriere: In der 1988 erschienenen Autobiografie «A Ragman’s Son» (Der Sohn des Lumpensammlers) beschreibt er, wie er in Armut aufwuchs, aber schon im Kindergarten für das Aufsagen eines Gedichts Applaus erhielt: «Das Geräusch gefiel mir.» In seiner Jugend versah er alle möglichen Jobs, unter anderem als Ringkämpfer, ehe er 1939 eine Schauspielausbildung begann – und den Namen än­derte.

Erst 1946 erhielt er nach einigen Auftritten am Broadway, die erste Filmrolle in Hollywood. In «The Strange Love Of Martha Ivers», einem Film Noir von Lewis Milestone. Dort spielte er einen armen Schlucker, der eine – von Barbara Stanwyck verkörperte – reiche Erbin ehelichen sollte.

Bereits 1943 hatte Douglas die Schauspielerin Diana Dill geheiratet, 1944 kam ihr erster Sohn Michael zur Welt. Die Ehe hielt allerdings nicht lange und Michael Douglas hatte jahrzehntelang ein gespanntes Verhältnis zu seinem Vater. 1953 lernte Kirk Douglas beim Dreh zu «Act Of Love», einem in Frankreich spielenden romantischen Drama, die Produzentin Anne Buydens kennen, 1954 heirateten sie.

Zwei Jahre darauf verkörperte Douglas unter der Regie von Vincente Minelli an der Seite Anthony Quinns im Biopic «Lust For Life» Vincent van Gogh. Für manche war das die beste seiner Rollen überhaupt, und für ihn, dessen kantiges Gesicht so oft auf Bösewichte abonniert war, eine der ungewöhnlichsten.

Bekannter wurde er jedoch als moralisch integrer Colonel Dax in Stanley Kubricks Antikriegsfilm «Paths Of Glory», der vergeblich nach Gerechtigkeit suchte. Der Film wurde zum Skandal, die Berlinale zog ihn 1958 auf Druck Frankreichs aus dem Programm zurück, in Frankreich blieb er bis 1975 verboten, wegen «Beschmutzung» der französischen Armee.

Spartacus war auch hinter den Kulissen unbeugsam

Nach dem Wirbel um «Paths Of Glory» verpflichtete Kubrick Douglas 1960 für seinen nächsten Film: «Spartacus». Als Anführer der aufständischen römischen Sklaven spielte Douglas seine wohl berühmteste Figur. Und er nutzte seine Bekanntheit dazu, Kubrick – gegen den Willen der Produzenten – zur Nennung des Namens des Drehbuchautors zu bewegen und ihn so zu rehabilitieren.

Dieser, Dalton Trumbo, ein erklärter Linker, hatte zuvor jahrelang wegen der Kommunistenhatz nur unter Pseudonym schreiben können.

Vielleicht ist Unbeugsamkeit Kirk Douglas’ beste Charakterisierung. Sie hielt lebenslang. Beim erwähnten Interview anlässlich der Berlinale 2001 wurde er auch gefragt, warum er eigentlich nie für das Amt des US-Präsidenten kandidiert habe: «Weil ich fürchtete, ich hätte gewinnen können. Dann wäre ich wirklich in Schwierigkeiten gewesen.»

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