Humor ist, wenn man trotzdem lacht, weiss der Volksmund. Gemessen da- ran war die Eröffnung der Zürcher Festspiele 2018 phänomenal humorvoll. Weil man, während einem kruder Klamauk mit klassischem Einschlag vorgeführt wurde, eben trotzdem lachte (was hätte man sonst auch tun sollen).

Dabei war der Ansatz der Musikkomiker Igudesman & Joo gut. Sehr gut sogar. Der Geiger Aleksey Igudesman und der Pianist Hyung-ki Joo wollen als Duo infernal die klassische Konzertkultur mit eigenen Waffen schlagen, sprich: mit Musik, Virtuosität und Solistenallüre. Mittlerweile 45 Millionen Youtube-Klicks geben ihnen dabei recht.

Und auch das Tonhalle-Orchester setzte weder auf Wahnsinn noch auf Schönheit (so das Doppelmotto der Festspiele), als es zu seinem 150-Jahre Jubiläum beim Duo zwei neue Werke in Auftrag gab: In einem gross angelegten «Historical and Hysterical Guide to the Orchestra» will ein Mann (Igudesman) ein Instrument spielen, kann sich aber nicht entscheiden welches. Darum erklärt ihm ein Orchestermanager (Joo)alle Instrumente in der musikhistori- schen Totalen, also von Anbeginn der Menschheit an. Lustig ist das, wenn dabei Richard Strauss mit Samba durch den Fleischwolf gedreht wird oder Wagner mit der Erfindung der Jeans kurzgeschlossen, und ebenso, wenn das Duo die gefürchtete Kunst des klassischen Klatschens mit eingeblendetem «Händeklatsch»-Icon umschifft.

Wo also ist der Haken? Denn dass da einer ist, zeigte sich am eingangs beschriebenen «Trotzdem»-Gefühl, das einen beim Lachen beschlich. Möglich, dass 70 Minuten komponierter Spass humortechnisch eine Überforderung sind. Wahrscheinlich auch, dass der Umstand, wonach Igudesman und Joo vor der Pause kein einziges Mal zum Instrument griffen, dafür Tonhalle-Musiker auch tanzten und schauspielerten, rollentechnisch kein smarter Schachzug ist. Weil damit den Komikern eine grossartige Ebene ihres Humors abhandenkommt, für das Orchester aber eine nur mittelprächtig ausführbare hinzu (da dieses aus virtuosen Musikern statt Komikern besteht).

Ende gut mit «Survive»

Im zweiten Teil des Konzertes wurde «Clash of the Soloists» uraufgeführt, bei dem man für eine umwerfend lustige Szene mit Beethovens Tripelkonzert eine XL-Portion an Wrestling-Klamotte in Kauf nehmen musste. Das Lachen war einem also fast vergangen. Wäre da nicht die Zugabe gewesen. Und mit ihr der Song «Survive»; gemeinhin Gloria Gaynor zugeschrieben. Gemäss Igudesman & Joo ein kolossaler Irrtum, welchen sie mit ihrer «Originalversion» von Mozart aus dem Weg räumten. Da prallte «I will Survive» auf Koloraturen und Disco-Pop auf Rezitativ, Arie und Basso Continuo, dass es ein Vergnügen war. Und mit einem Mal verstand man sie, diese 45 Millionen Youtube-Klicks.