Kultur

Wer sie noch nie gehört hat, hat was verpasst: Die norwegische Trompeterin Hildegunn Øiseth kommt in die Schweiz

Die norwegische Trompeterin Hildegunn Øiseth: Mit 53 kann sie auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken. In der Schweiz kennt man sie trotzdem kaum.

Die norwegische Trompeterin Hildegunn Øiseth: Mit 53 kann sie auf eine lange und erfolgreiche Karriere zurückblicken. In der Schweiz kennt man sie trotzdem kaum.

Die Trompeterin Hildegunn Øiseth gehört in Europa zu den Besten ihres Fach. Wie kann es sein, dass man diese Frau hierzulande kaum kennt?

Sie stürmt nicht in die Stratosphäre. Vielmehr erkundet die norwegische Trompeterin Hildegunn Øiseth die lyrischen Seiten ihres Instruments. Ruhig und überlegt suchen ihre Melodielinien die Weite des Raums und entfachen damit eine wunderbar melancholische Stimmung. Ihr Ton ist kräftig, aber nicht muskulös. Er versprüht eine menschliche Qualität, die unglaublich berührt.

Langer Weg zum Selbstvertrauen

Greift sie dann zum archaischen Bukkehorn (Bockhorn), dem norwegischen Geissenhorn, dann kippt die Stimmung ins Mystische und Geheimnisvolle. Gespielt mit Verzierungen im mikrotonalen Bereich, erinnert das skandinavische Instrument an orientalische Musik. Die Kulturkreise berühren sich auf faszinierende Weise.

Schon 53 Jahre alt ist Hildegunn Øiseth, doch hierzulande wurde sie erst in jüngster Zeit über die Aargauische Orchesterleiterin Sarah Chaksad bekannt. Eigentlich unglaublich: Denn Hildegunn Øiseth gehört mindestens in Europa zu den Topinterpretinnen auf der Trompete. Ohne Übertreibung. Wo, um Himmels willen, hat sie sich über all die Jahre versteckt?

Aufgewachsen ist sie in einer norwegischen Kleinstadt, wo sie mit ihren vier Geschwistern in der Blaskapelle spielte. An der Schwedischen Musikakademie studierte sie klassische Trompete, entdeckte aber auch den Jazz. Nach dem Abschluss wurde sie als erste Frau Mitglied der Bohuslän Big Band in Göteborg. «Ich wagte kaum, zu improvisieren», sagte sie in einem Interview mit dem Magazin «Jazz’n’more», «Frauen zweifeln öfter an sich als Männer». Erst mit der Zeit gewann sie an Selbstsicherheit und Selbstvertrauen, die im Jazz entscheidend sind. Umso stärker ist Øiseth heute.

Auftritte in Malaysia und Pakistan

Fremde Kulturen haben es der Musikerin angetan, weshalb Øiseth 1999 für zwei Jahre nach Südafrika zog. Zudem trat sie in Malaysia, Pakistan und im Nahen Osten auf. Seit 2002 leitet sie das Sharaka Ensemble, das norwegische und palästinensische Volksmusik mit Pop und Jazz kombiniert und ist Mitglied der Band «Shamania» der dänischen Perkussionistin Marylin Mazur.

Heute scheint Øiseth auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Am besten kommt ihre herausragende Kunst aber in ihrem eigenen Quartett sowie in den Projekten von Sarah Chaksad zur Geltung. Herausragend war schon ihr Beitrag im grossen Orchester, im kleineren Septett «Songlines» werden die individuellen Fähigkeiten von Øiseth noch stärker herausgestrichen.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Meistgesehen

Artboard 1