Kultur

Think big! Neues Festival für Grossorchester

Die legendäre Marilyn Mazur feiert am Big Basel Festival ihren 65. Geburtstag.

Die legendäre Marilyn Mazur feiert am Big Basel Festival ihren 65. Geburtstag.

Big Basel widmet sich als erstes und einziges Festival in Europa dem Grossorchestralen und will Genregrenzen sprengen

Die grosse Ära der Big Bands liegt doch schon einige Jahre zurück. Das grosse Big Band-Sterben Ende der 1940er-Jahre hatte aber nichts mit mangelnder Popularität zu tun. Die grossen Orchester wurden schlicht zu teuer. Wer sich in der Folge als Bandleiter auf das Abenteuer Big Band einlassen wollte, musste ganz schön verwegen sein.

Erfreulicherweise, und entgegen der ökonomischen Logik, blieb das Grossorchestrale so etwas wie die Königsdisziplin des Jazz. Bis heute. Denn kein anderes Format eröffnet musikalisch so viele Möglichkeiten wie der grosse Klangkörper des Jazz-Orchesters. Deshalb haben sich in den letzten Jahren junge Musikerinnen und Musiker in Europa an die Herausforderung Grossorchester gewagt.

Genregrenzen sollen gesprengt werden

Wie auch Sarah Chaksad, Jonas Winterhalter und Johannes Maikranz, die alle am Jazzcampus in Basel studiert haben und ihre Liebe zum Grossorchstralen nicht nur in eigenen Bands ausleben, sondern jetzt auch als Veranstalter eines neuen Festivals. Am 17. und 18. Januar 2020 findet unter dem Namen Big Basel Festival erstmals in Europa ein Festival statt, das sich ganz dem Grossorchestralen widmet. In sechs Konzerten werden nationale und internationale Jazz-Orchester vorgestellt.

Dabei sollen die Genregrenzen gesprengt werden. Big Basel ist nicht einfach ein weiteres Jazz-Festival. So hat Big Basel einen Kompositionsauftrag an den türkischen Musiker Aydin Esen für das Ensemble Phoenix Basel vergeben, das der Neuen Musik zugerechnet wird. «Wir wollen nicht im Elfenbeinturm der Neuen Musik stecken bleiben», sagt Christoph Bösch vom Ensemble Phoenix, «Neues kann nur an den Rändern entstehen». Umso glücklicher ist er, dass Aydin Esen, «dieser unbekannte Weltstar», für Big Basel eine Ur-Aufführung schreiben wird.

Grossorchester mit Basler Bezug

Die Jazzcampus Bigband ist das einzige Orchester in der klassischen Big Band-Besetzung. Der australische Posaunist Adrian Mears hat für das Konzert die Musik des südafrikanischen Bassisten Carlo Mombelli arrangiert. Wer die beiden originellen Musiker kennt, beide waren oder sind am Jazzcampus tätig, kann davon ausgehen, dass das Resultat alles andere als konventionell ausfallen wird.

Basler Bezug hat auch Kaspar Ewalds Exorbitantes Kabinett. Der Baselbieter Komponist zählte in den Nuller-Jahren zu den vielversprechendsten Schweizer Leitern des Grossorchestralen, der virtuos mit Jazz, Rock und zeitgenössischer Musik jonglierte. In den letzten Jahren ist es um ihn etwas ruhiger geworden, doch jetzt gibt es ein doppeltes Wiedersehen: Zum Auftakt des Festivals sowie im Rahmen eines Familienkonzerts am Samstagnachmittag.

Das Big Basel Festival hat mit dem Orchestre National de Jazz (ONJ) und Marilyn Mazur’s Shamania aber auch zwei der besten Grossorchester des europäischen Jazz verpflichten können. Das ONJ ist das führende Large Ensemble in Frankreich, in dem sich seit seiner Gründung 1986 die aufregendsten Instrumentalisten des französischen Jazz versammeln. Das gefragte Orchester spielt nur selten ausserhalb von Frankreich. Umso stolzer sind die Veranstalter von Big Basel, dass es ihnen gelungen ist, das französische Orchester ans Rheinknie zu locken, wo es sein neuestes Programm erstmals in der Schweiz präsentieren wird.

Marilyn Mazur, die einzige Frau bei Miles Davis

Ein weiterer Leckerbissen ist Shamania, das Orchester der dänischen Musikerin Marilyn Mazur. Berühmtheit erlangte sie als erste und einzige Frau bei Miles Davis. Von 1985 bis 1989 war sie ständige Schlagzeugerin und Perkussionistin. Seither verfolgt sie vor allem ihre eigenen Projekte. Am Big Basel Festival feiert sie ihren 65. Geburtstag mit einem Grossorchester, das aus Musikerinnen aus Skandinavien besteht. Dabei präsentiert sie ihr aktuelles Werk «Shamania», das für den «Danish Jazz Composer of the Year» nominiert ist und den «Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik» erhalten hat. Ein Werk, das ethnische Einflüsse vor allem aus Afrika integriert. Wild, zart, fulminant. Ein musikalisches Ereignis der Extraklasse.

Das Festival wird unter dem Dach des Jazzcampus Basel durchgeführt, wo die Zuhörer bequem vom einen Konzertsaal zum anderen pendeln können.

Big Basel Festival 17. und 18. Januar 2020, Jazzcampus Basel.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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