Tanzabend made in Aargau – Graciela Martinez Arribas sagt: «Wir haben uns in die Stadt Baden verliebt»

Graciela Martinez Arribas und Neel Jansen bringen den «Tanzabend made in Aargau» als Koproduktion ins Kurtheater Baden.

Elisabeth Feller
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«Perceptions» ist ein intimes Tanzstück, das im Kurtheater Baden in den letzten Wochen erarbeitet worden ist.

«Perceptions» ist ein intimes Tanzstück, das im Kurtheater Baden in den letzten Wochen erarbeitet worden ist.

Bild: PD

Unsere seltsame, von einem Virus verunsicherte Gegenwart erfordert permanent Flexibilität. Nicht erstaunlich also, dass die erste Koproduktion mit der Bühne Aarau im erst kürzlich wiedereröffneten Kurtheater nicht wie geplant auf der neuen Probe-, sondern – vor 50 Zuschauerinnen und Zuschauer – auf der Hauptbühne stattfinden wird. Graciela Martinez Arribas bezeichnet das als «grosse Ehre». Sie kennt das Haus sehr gut, hat sie doch in Baden mit dem Ballett Basel und dem Aterballetto aus Italien gastiert. «Ich habe nur gute Erinnerungen an diese Vorstellungen», sagt sie: «Als wir erfuhren, dass uns die erste Produktion im umgebauten und renovierten Kurtheater anvertraut wird, waren wir begeistert.» Wer ist wir? Neben der Spanierin ist das ihr belgischer Mann Neel Jansen.

Das Stück umkreist Realität und Wahrnehmung

Zusammen mit fünf Schweizer Tänzerinnen und Tänzern sowie einem Praktikanten haben sie mit «Perceptions» einen «Tanzabend made in Aargau» erarbeitet; eine abendfüllende Choreografie, deren Titel sich mit «Wahrnehmung» oder «Erkenntnis, Auffassung oder Sichtweise» übersetzen liesse. Realität und Wahrnehmung beeinflussen uns, wenn wir unsere Realität betrachten. Aber wie sehr? Darauf gibt die Choreografie keine Antwort; dafür umkreist sie das Thema spielerisch.

Made in Aargau stimmt, wenn es um die Arbeit im neuen Proberaum des Badener Kurtheaters geht. Im Aargau, vielmehr in Wettingen, lebt aber auch das Paar Martinez/Jansen seit einigen Jahren mit zwei Kleinkindern. Haben sich die beiden, die jahrzehntelang in grossen Kompanien wie zum Beispiel dem English National Ballet in London (Graciela Martinez), dem Béjart Ballet in Lausanne (Neel Jansen) sowie gemeinsam am Staatstheater am Gärtnerplatz in München getanzt haben, bewusst für Wettingen entschieden? «Wie alles im Leben war das keine Entscheidung, sondern das Leben schlechthin», sagt Graciela Martinez dazu.

«Es war Zeit, den Schalter umzulegen»

Als Mutter von zwei Kindern habe sie noch eine Weile getanzt, doch nach und nach hätten sie und ihr Mann realisiert, «dass es Zeit war, den Schalter umzulegen». Das heisst: zu unterrichten – auch Kinder. «Nein, es war nicht leicht, für eine Familie zu sorgen, das Land zu wechseln und dem Tanz ‹Goodbye› zu sagen. Wobei ich mich, um aufrichtig zu sein, nie so ganz vom Tanz verabschiedet habe. Wir wissen ja nicht, was am Ende des Korridors ist. Deshalb habe ich gelernt: Sag niemals nie; einmal eine Tänzerin, immer eine Tänzerin.»

Ja, manchmal vermissen sie und ihr Mann die grossen Theater, «denn diese waren unser zweites Zuhause», aber nicht die grossen Städte. «Heute bevorzugen wir das Leben in einer Gemeinde wie Wettingen. Der Grund, weshalb wir hierher kamen? Wir haben uns in die Stadt Baden verliebt; in der Villa Boveri haben wir geheiratet; in Baden kam unser mittlerweile zweijähriger Sohn zur Welt. Und jetzt treten wir im Kurtheater Baden auf…In Wettingen leben wir nur eine Minute von Baden entfernt – somit sind wir mit beiden Orten verbunden. Und dann kommt im Januar erst noch Aarau hinzu, wo wir ‹Perceptions› vorstellen werden.» Von dort stammt der Musiker Christoph Scherbaum, der mehr als die Hälfte der im Stück verwendeten Musik komponiert hat.

Ein Projekt, das talentierte Tänzerinnen und Tänzer von hier fördert

Wann dachte das Paar erstmals an sein neues Werk? «Die Idee zum Stück kam uns, als wir in der Schweiz Fuss gefasst hatten», sagt Arribas. «Unsere Arbeit als Lehrpersonen erlaubte uns, mit vielen verschiedenen Tänzerinnen und Tänzern aus der Region Zürich und Aarau zu arbeiten. Schon bevor wir in die Schweiz kamen, hatten wir bereits einige Werke entwickelt und wollten das Kreieren fortsetzen, aber dann nur als Choreografen. Diesmal sind wir also nicht als Tänzer eingebunden. ‹Perceptions› markiert nun den Beginn unserer Kompanie – und zwar dort, wo wir leben: im Aargau. Wir sehen in unserem Projekt auch eine Chance, den Tanz im Aargau und damit talentierte Tänzerinnen und Tänzer von hier zu fördern.»

Nun, da die Premiere von «Perceptions» bevorsteht, wächst das Lampenfieber bei Graciela Martinez, Neel Jansen und der laut der Choreografin «ganz tollen» Kompanie. Wie soll es danach weitergehen? Graciela Martinez hofft auf eine Tournee sowie auf Festivals, die «Perceptions» zeigen wollen. Später vielleicht Abstecher nach Belgien, Frankreich und Spanien – wer weiss. «Wir lernen mit jedem Schritt, den wir mit einer Produktion machen», sagt Graciela Martinez, «und es gibt ja derart viel zu lernen: Aber genau das fasziniert uns.»

Vorstellungen im Kurtheater Baden, 24., 25. und 26. November, 20 Uhr