Festspiele Es gibt sie. Konzerte, in denen sich vierhundert Jahre Musikgeschichte in wunderbare Zeitlosigkeit aufheben. Was ist nah, was fern? Diese Frage stellte sich am St. Galler Festspielkonzert mit dem Münchner Ensemble Phoenix vorgestern nicht mehr. Englische Renaissancemusik und Songs des englischen Folksängers Nick Drake gingen, sehr oft kaum unterscheidbar, ineinander über, wurden zur äusserst differenzierten, feinfarbigen Perlenschnur.

«Ruhe in Frieden, Nick, hab Dank für die schöne Musik», schreibt der Sänger Joel Frederiksen im Programmheft. Der Abend war eine deutliche Liebeserklärung an den 1974 tragisch früh verstorbenen Sänger. Nick Drakes «Pink Moon» oder die Musik John Dowlands aus dem 16. Jahrhundert schienen derselben Feder, demselben Geist, derselben sensiblen Klangästhetik zu entspringen.

Diese Parallelität über die Jahrhunderte war berührend, liess St. Laurenzen zum stillen Ort werden. Joel Frederiksen hat beide Stile durch seine Bearbeitungen wunderbar auf das Gemeinsame abgetastet. Sein Bass ist beruhigend, ja fast sanft und doch von warmer Sonorität. Timothy Leigh Evans bildet dazu mit seinem betörenden, stets feinsinnig durchdringenden Tenor ein perfektes Gegenüber.

Alte Musik goes Folk und zurück. Da gab es nur subtile, völlig organische Übergänge, eine Epoche bezog sich auf die andere. So geheimnisvoll zart, aber genau durchdacht war der ganze Ablauf. Axel Wolf (Laute und Theorbe) sowie Domen Marincic (Viola da gamba) woben einen fein durchwirkten instrumentalen Teppich, wurden dabei selbst zu «singenden» Botschaftern zweier Welten.