Serebrennikow muss sich auf einen langen Strafprozess wegen angeblicher Unterschlagung einstellen. Bereits am Donnerstag nächster Woche (25. Oktober) ist die erste öffentliche Anhörung angesetzt, teilte eine Gerichtssprecherin am Mittwoch in Moskau mit.

Serebrennikow und sein Verteidiger hatten gehofft, dass ein langer Prozess vom Moskauer Stadtbezirksgericht in der ersten Anhörung wegen fehlender Beweise abgelehnt wird. Doch das Gericht machte da nicht mit. Dies war jedoch nur der erste Rückschlag für den international gefeierten Theatermacher, der seit mehr als einem Jahr wegen der umstrittenen Vorwürfe im Hausarrest sitzt.

Hintergrund sind umstrittene Anschuldigungen des russischen Kulturministeriums. Demnach soll Serebrennikow gemeinsam mit drei Mitarbeitern seiner Produktionsfirma "Siebtes Studio" Subventionen in Höhe von 133 Millionen Rubel (ca. 1,75 Millionen Franken) unterschlagen haben. Er soll die Zuwendungen für Stücke bekommen haben, die nie stattgefunden hätten, heisst es.

Die Anhörung am Mittwoch fand hinter verschlossenen Türen statt. Erklärungen an die Journalisten waren tabu. Die Restriktionen, die ihm das Gericht bereits im vergangenen Sommer auferlegt hatten, sind scharf: Er darf sich nur mit dem Verteidiger austauschen, Internetzugang ist ihm verwehrt. Selbst der Kontakt zu Kollegen ist verboten, Treffen mit der Familie sind stark begrenzt.

Exempel statuieren

Der Künstler, der das renommierte Gogol-Zentrum in Moskau leitet und dessen Stücke auch im Ausland aufgeführt werden, bestreitet die Vorwürfe. Für ihn ist der Fall klar: Die Politik versuche, den unbequemen Regisseur einzuschüchtern und mit ihm ein Exempel zu statuieren. Kritiker sprechen davon, dass so die ganze kritische Kulturszene in Russland mundtot gemacht werden soll.

Nun soll Serebrennikow mindestens bis zum 3. April 2019 weiter im Hausarrest sitzen. Beobachter deuten die Entscheidung so, dass ein langer und mühsames Verfahren folgen soll.

Serebrennikows Anwalt sagte, er werde rund 400 Zeugen vorladen, die die Unschuld seines Mandaten belegen sollten. "Wir wollen alle Teilnehmer der Theaterprojekte ins Gericht bitten. Sie sollen bezeugen, dass die Vorstellungen stattgefunden haben", sagte Charitonow der Agentur Tass zufolge. Der Jurist hatte zuvor betont, dass Beweise der Verteidigung immer wieder aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt worden seien. Die Ermittler seien in ihrer Arbeit zudem nicht objektiv vorgegangen.