Sprache
Schweizer Wörter des Jahres – und für die Welschen ist es ein deutsches

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat ihre Wortliste des Jahres publiziert. «Coronagraben» ist einer der neuen Begriffe. Aber nicht etwa für die Deutschschweiz.

Daniel Fuchs
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Wir Schweizer baggern gerne Gräben. (Bild: GettyImages)

Wir Schweizer baggern gerne Gräben. (Bild: GettyImages)

CH Media

Stadt-Land-Graben, Generationengraben, Röstigraben. Seit diesem Jahr gibt es einen weiteren Graben, den Coronagraben. Der Begriff ist nun in der Schweiz von Linguisten zum Wort des Jahres auserkoren worden. Im Französischen!

Der Begriff bringt mehrere Sachverhalte auf einen gemeinsamen Nenner: Etwa, dass das Coronavirus die Westschweiz in der ersten Welle und zu Beginn der zweiten stärker heimsuchte als die Deutschschweiz. Oder der Umstand, dass in der Westschweiz härtere Lockdowns eher akzeptiert werden als in der Deutschschweiz.

Offene Beizen hier, geschlossene Beizen da

Gräben aber kann man überwinden. Und so waren es ausgerechnet die Westschweizer, die die Berner Innenstadt bevölkerten, als ennet der Saane bereits alles schliessen musste, im nahen Bern zumindest die Beizen aber noch geöffnet waren. Das sorgte für Unmut. Und wieder einen Coronagraben.

Sinnbild für den «Röstigraben»: Die Saane bei Saanen BE. Nun gibt es auch noch einen «Coronagraben» zwischen West- und Deutschschweiz. (Bild: Mathias Marx)

Sinnbild für den «Röstigraben»: Die Saane bei Saanen BE. Nun gibt es auch noch einen «Coronagraben» zwischen West- und Deutschschweiz. (Bild: Mathias Marx)

Mathias Marx

Ein solcher verläuft übrigens auch mitten durch die Gesellschaft. Und der Graben wird tiefer. Auf der einen Seite schaufeln die Befürworter von harten Massnahmen, um Ansteckungen, Überlastung der Spitäler und Tote zu verhindern. Auf der anderen Seite schaufeln die Befürworter eines Schweizer Mittelwegs mit Massnahmen, dank denen sich die Spitäler und Unternehmen gerade so über Wasser halten können.

Alter Bekannter als Wort des Jahres in der Deutschschweiz

Der Coronagraben: Er hätte es verdient, auch in der Deutschschweiz zum Wort des Jahres auserkoren worden zu sein. Hier aber wählten die Linguisten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften «systemrelevant» als Sieger. Auch okay, aber eben nicht halb so schön wie «Coronagraben».

Dafür spricht auch der Umstand, dass das Wort «systemrelevant» bereits einmal zuoberst stand: als Unwort des Jahres. In einer Zeit, in der es gebräuchlich war im Zusammenhang mit der Rettung unentbehrlicher Banken.