Interview

Schottische Sängerin Amy Macdonald kann ihr neues Album nicht bewerben: «Mein letzter Auftritt war Ende Januar»

Amy Macdonald: 6 Millionen verkaufte Alben, 200 Millionen Spotify-Streams.

Amy Macdonald: 6 Millionen verkaufte Alben, 200 Millionen Spotify-Streams.

Amy Macdonald ist ein Superstar, wirkt aber wie das Mädchen von nebenan. Im Interview spricht sie über die Schwierigkeiten mit der Pandemie, emotionale Turbulenzen und ihr neues Album.

Wie sehr hat die Pandemie Ihr Leben durcheinandergewirbelt?

Amy Macdonald: Ich machte mir Sorgen, ob ich mein Album jemals fertigstellen könnte. Momentan kann ich keine richtige Promoarbeit machen, weil ich gezwungen bin, zu Hause zu bleiben. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Lage sich bessert. Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Eines Tages werden wir unser altes Leben zurückbekommen, aber wir müssen die Lehren ziehen.

Welche zum Beispiel?

Ich bin ein reflektierter Mensch, aber während des Lockdowns habe ich mich noch mehr als sonst mit mir und meinem Leben auseinandergesetzt. Ich bin dankbar für alles.

Wann sind Sie das letzte Mal vor Publikum aufgetreten?

Mein letzter Auftritt war Ende Januar in Luxemburg – mit einem Orchester. Damals gab es erste Zeitungsberichte über ein Virus in China. Damals machte man sich in Europa aber noch keine Sorgen wegen Corona. Heute wissen wir, wie gefährlich diese Sache wirklich ist.

Wie sehr vermissen Sie die Bühne?

Meine Band und ich sind wie eine Familie. Ich vermisse sie sehr. Aber auch die Fans. Zwischen meinem letzten und meinem nächsten Auftritt wird mindestens ein Jahr liegen. Ein merkwürdiges Gefühl. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich wieder auf der Bühne stehe.

Hat Ihr neues Album einen roten Faden?

Das Album handelt von Höhen und Tiefen des Lebens. Manchmal setzen wir uns selbst zu sehr unter Druck, indem wir 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen und immer gut drauf sein müssen. Manchmal ist das Leben hart.

Manche Künstler schreiben ihre besten Songs, wenn sie niedergeschlagen sind oder Liebeskummer haben. Wie ist das bei Ihnen?

Emotionale Wallungen können die Kreativität auf jeden Fall befördern. Am meisten inspiriert bin ich immer, wenn mein Leben in mehr oder weniger heftige Turbulenzen gerät. Das Schreiben und Musikmachen wirkt auf mich zuweilen wie eine Therapie. Der beste Weg, mit meinen Gefühlen klarzukommen, ist, sie aufzuschreiben.

Das Lied «The Hudson» erzählt von den Reisen Ihrer Eltern in das gefährliche New York der 70er-Jahre. Waren sie junge Abenteurer?

Sie waren in jungen Jahren abenteuerlustig und ein bisschen verrückt. In New York strandeten sie, als die Stadt keine Touristenattraktion war. Meine Eltern kommen aus der Arbeiterklasse und haben sich krummgemacht, um meiner Schwester und mir ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Sie dachten, sie würden einmal alles ganz anders machen, aber ihr Leben verlief dann doch in geordneten Bahnen.

Haben Sie von Ihren Eltern die Lust auf Abenteuer geerbt?

Ja, irgendwie schon, aber gleichzeitig bin ich auch sehr vorsichtig. Ich suche nicht die Gefahr.

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