Theater

Schneeweisschen und Rosenrot war gestern, so geht Märchen heute

Schneeweisschen und Rosarot heute: in der Turnhalle statt im Wald.

Schneeweisschen und Rosarot heute: in der Turnhalle statt im Wald.

Das Nachwuchstheater junge Marie zeigt «Rosa und Blanca» in Turnhallen – und interpretiert Grimms Märchen neu als Jugendgeschichte von heute.

Sie klettern auf Sprossenwände statt auf Bäume, rennen zwischen Gymnastikmatten statt durchs Dickicht und heissen nicht Schneeweisschen und Rosenrot, sondern Rosa und Blanca. Mit ihrem neuen Stück versetzt die junge Marie, das Nachwuchstheater des Theaters Marie, das Grimm’sche Märchen in eine neue Situation. Die fünf Schauspieler zeigen das Stück ab Samstag in den Turnhallen des Kantons.

«Das Ziel der jungen Marie ist, Theater für Jugendliche zu machen», erklärt Regisseur Olivier Keller. Für «Rosa und Blanca» von Rebekka Kricheldorf sei die Idee aufgekommen, die sonst übliche Situation umzudrehen: «Wir wollten nicht versuchen, die Jugendlichen zu uns zu holen, sondern direkt an die Quelle gehen», so Keller. So wird die Turnhalle zum Wald, in dem «Rosa und Blanca» eigentlich spielt. Der Auftritt kann von Schulen gebucht werden: Während zweier Schullektionen führt die junge Marie das Theater für jeweils zwei bis drei Klassen auf, danach folgt eine Besprechung des Inhalts.

Wie geht erwachsen werden?

Dieser ist auf Jugendliche zugeschnitten: Das Märchen verwandelt sich in eine Coming-of-Age-Geschichte, geht der ersten Liebe auf den Grund und setzt sich mit den Entscheidungen auseinander, denen junge Erwachsene gegenüberstehen. Beispielsweise der Entscheidung, die Stadt zu verlassen, wie es die beiden Schwestern im Stück tun, weil sie ihre pickeligen Mitschüler und den Druck der Gesellschaft nicht ertragen.

Im Wald leben Rosa (Sophie Angehrn) und Blanca (Lilli Borsos) ein scheinbar perfektes Leben. Rosa entwickelt Kleiderkollektionen aus frischem Gras, Blanca studiert den Amnesiekäfer, der jede Nacht den vorherigen Tag vergisst. Ab und an begegnet ihnen ein wütender Zwerg (Lara Kaspar), und die Mutter (Kathrin Veith) der Schwestern schaut vorbei, um ihre Töchter mit Geschichten von Cocktailpartys in die Stadt zurückzulocken. Doch weder Zwerg noch Mutter schaffen es, Rosa und Blanca ihr neues Leben auszureden.

Doch die Veränderung lässt sich nicht aufhalten. Sie kommt in Form eines hungrigen Bären (Benjamin Kühni), der keinen Gedanken an die Zukunft verschwendet. Sowohl Rosa als auch Blanca verlieben sich in den Bären. Im Kampf um seine Liebe begeben sie sich in Streitereien, wie sie die Schwestern bis anhin nicht gekannt haben. Sie werfen einander Dinge an den Kopf, die sie zuvor nicht hätten sagen können, und kämpfen mit Gefühlen, die sie zuvor noch nie erlebt haben. Themen, mit denen sich die Zuschauer identifizieren können.

Theaterspielen als Praktikum

Nicht nur im Publikum sind junge Menschen zu finden: Die Schauspielerinnen Sophie Angehrn, Lilli Borsos und Lara Kaspar befinden sich noch in Ausbildung. Kathrin Veith und Benjamin Kühni haben ihre Schauspielausbildung abgeschlossen. «Das ist ein wichtiger Aspekt der jungen Marie», erklärt Maja Bagat, die für die Dramaturgie zuständig ist. «Für die jungen Schauspieler ist das eine Art Praktikum.»

Maja Bagat und Olivier Keller haben lange überlegt und diverse Kombinationen ausprobiert, bis sie sich schliesslich für die fünf Schauspieler entschieden haben. Jetzt, gegen Ende der Proben, sind sie sich sicher: «Es war die perfekte Wahl.»

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