Kunst-Stück

Rippen aus Latex, Körper als Leinwand

Leda Bourgognes «Bone Machine».

Die 29-jährige Leda Bourgogne hat zwar keinen Swiss Art Award gewonnen – aber ihre Installation trifft einen wichtigen, feministischen Nerv.

«Your body will never be attached to another. (...) You have to carry it through your life, accommodate it, live with it, although you feel imprisoned by it. It doesn’t have much to do with your inner life so you try to form and change its shape to match it up with you ideal. But there are limitations and you know it.»

Die Stimme kommt aus einem kleinen Lautsprecher am oberen Teil der Koje. Im Hintergrund sind Kampf- und Trainingsgeräusche zu hören. Die Zürcher Künstlerin Leda Bourgogne hat in einem Frauenboxraum Geräusche aufgenommen und eigene Gedanken über den weiblichen Körper darübergelegt. Mit ruhiger Stimme reflektiert sie Momente, in denen das Aussen nicht zum Innen passt, der Körper nicht zum Körperbild – und umgekehrt.

Es ist ein Kampf, der hier ausgetragen wird, wörtlich und sinnbildlich. Dazu gesellt Bourgogne drei Gemälde, die das Gehörte materialisieren: Latex, falsches Schlangenleder, Seide und Baumwolle spannen über die Leinwand, teils geklebt, teils in mühseliger Arbeit angenäht. Die Stoffe liegen wie Haut auf der streng rechteckigen Fläche und die körperliche Anstrengung, mit denen sie angebracht wurden, ist fast schmerzlich spürbar. Man erkennt einen Brustkorb, die latexüberspannten Rippen treten förmlich aus dem Bild heraus.

Wie weit soll man gehen, um ein Bild in seine Form zu bringen? Die Frage lässt sich auf vielen Ebenen stellen, und bei Bourgogne liegt der feministische Ansatz nah. Der weibliche Körper als begrenzte Leinwand, auf der Projektionen verhandelt werden. Was ist eine Frau? Ein Frauenkörper? Womit behaften wir ihn? Womit behaftet er sich selbst?

Formulierte Zwischentöne

Bourgogne gibt keine endgültigen Antworten. Auch das ist ein Statement, denn um Antworten geht es im heutigen Diskurs um Frauen und Gleichberechtigung längst nicht mehr. Antworten gibt es genug. Jetzt geht es um Auseinandersetzung, um Aktion. Darum, eine Sprache für die entscheidenden Zwischen- und Misstöne zu finden. Gerade Kunst eignet sich in ihrer Vielstimmigkeit hervorragend dafür. Leda Bourgogne hat das begriffen.

 

Swiss Art Awards 11. bis 16. Juni, 10 bis 17 Uhr, Halle 3.

Meistgesehen

Artboard 1