Oper
Nach dem Netrebko-Wirbel: Im Opernhaus Zürich darf jetzt gelacht werden

Das Opernhaus Zürich stemmt dieser Tage Premiere um Premiere – mal herausfordernd, mal allzu seicht.

Christian Berzins
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Cecilia Bartoli ist in «L'italiana in Algeri» Dreh- und Angelpunkt.

Cecilia Bartoli ist in «L'italiana in Algeri» Dreh- und Angelpunkt.

Monika Rittershaus

Es war am Dienstag im Opernhaus Zürich wie anno dazumal in den 00er-Jahren: Der Sponsor lud die Seinen in der Pause auffällig diskret zu Champagner und Häppchen, Primadonna Cecilia Bartoli machte auf der Bühne Faxen und das Publikum lachte über jeden Gag der Regie. Und neben der Bartoli sangen in «L’Italiana in Algeri» Tenor, Bass und Bariton so formidabel, wie man es in Zürich in den letzten Jahren selten erlebt hat. Der Jubel war gross.

Im Opernhaus wird man darob aufgeatmet haben, war man doch noch vor ein paar Tagen in Kritik geraten, da Intendant Andreas Homoki zum nahenden Auftritt von Anna Netrebko keine Meinung gehabt hatte. Es hagelte böse Worte und lange Briefe – schliesslich einigte man sich mit der Putinfreundin, dass sie die zwei «Macbeth»-Vorstellungen nicht singen sollte.

Ausschnitt aus der Salzburger Produktion im Sommer 2018.

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Jetzt aber konzentriert man sich wieder prächtig auf die Kunst: Premiere am letzten Sonntag, Premiere diesen Samstag, Wiederaufnahmen – und dann gar eine Uraufführung!

Mit «l’Italiana in Algeri» musste sich immerhin Cecilia Bartoli nicht überarbeiten: Die auf die Diva zugeschnittene Produktion ist eine Übernahme aus Salzburg, wo sie sowohl an Pfingsten 2018 als auch im Sommer desselben Jahres gespielt wurde.

Bartolis Hofregisseure Mo­she Leiser/Patrice Caurier lassen kein Klischee aus, um die Geschichte von Mustafa und Isabella zu erzählen: Der Muslim hat keine Freude mehr an seiner Frau, will eine Italienerin. Simsalabim! Auf dem Kamel kommt Isabella/Bartoli daher, verdreht ihm die Augen und zieht ihm alsbald die Ohren lang.

Von Italien zu träumen, heisst in Zürich Klischees zu bedienen.

Von Italien zu träumen, heisst in Zürich Klischees zu bedienen.

Monika Rittershaus

Gesungen wird grossartig, aber die Schenkelklopf-Inszenierung tut dem Werk keinen Gefallen. Wie anders, wie charmant, war das doch einst in der Regie von Michael Hampe, später in jener von Cesare Lievi.

Somit ist nicht alles wie «anno dazumal»: Es ist vor allem nicht so, dass die Besucher das Haus stürmen. Auch für «L’Italiana» gibt es noch viele Restkarten. Vorbei die Zeiten, in denen Bartoli eine Garantin für ein ausverkauftes Haus war.

Für das auf dem Papier spannende «L’Olympiade»-Projekt sieht es an der Kasse nicht besser aus, obwohl man es nur vier Mal (inklusive einer Volksvorstellung mit günstigen Karten) spielt. Zu unbekannt, zu gewagt? Man versucht, Arien aus Giovanni Battista Pergolesis unbekannter Oper mit einem Dokumentarfilm über Senioren zu kombinieren. Wenn dann im April «The girl with a pearl Earring» des Schweizer Komponisten Stefan Wirth erstmals ansteht, werden die Lücken im Saal nicht kleiner sein.

Keine einfachen Zeiten, aber schön, dass das Opernhaus Energie hat, um uns vom traurigen Newsticker wegzureissen und uns zu unterhalten. Mal komplexer, mal seichter.

Opernhaus Zürich: L’Italiana in Algeri, bis 5.4.; L’Olympiade, ab 12.3.; «The girl with a pearl Earring», ab 3.4.