Kupferstich
Notizzettel, Briefpapiere, Einkaufszettel: Sie kümmert sich um Zeichnungen

Die Leiterin des Kupferstichkabinetts Anita Haldemann und ihre Arbeit mit Skizzen und Stichen.

Simon Baur
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Anita Haldemann, die interimistische Leiterin des Kupferstichkabinetts, mit einer Zeichnung von Frank Stella.

Anita Haldemann, die interimistische Leiterin des Kupferstichkabinetts, mit einer Zeichnung von Frank Stella.

Roland Schmid

Nicht nur das Kunstmuseum Basel, auch das Kupferstichkabinett hat dieses Jahr geschlossen. Das bedeutet aber nicht, dass die Mitarbeitenden nicht arbeiten. Anita Haldemann, derzeit interimistische Leiterin des Kupferstichkabinetts, bereitet eine Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst vor, die sich den frühen Zeichnungen und Gemälden von Frank Stella widmet und nächste Woche eröffnet wird. Zudem engagiert sie sich für die neuen Lager- und Arbeitsräume, plant Ausstellungen für das kommende Jahr und treibt Forschungsprojekte voran.

Momentan betrifft es gerade die Zeichnungen von Paul Cézanne, von denen das Kupferstichkabinett rund 150 besitzt, die mehrheitlich aus verschiedenen Skizzenbüchern stammen. Die Blätter werden mit neuen, säurefreien Passepartouts versehen und spezifisch untersucht. Die Vor- und Rückseiten der einzelnen Blätter hat Paul Cézanne zu unterschiedlichen Zeiten mit seinen Zeichnungen versehen. Mehr über die Entstehung der Skizzenbücher zu erfahren, ist eine der Absichten, die das Kupferstichkabinett momentan verfolgt.

Frank Stella im Museum für Gegenwartskunst

In der Amtszeit von Franz Meyer erwarb das Kunstmuseum wichtige Werke des amerikanischen Malers Frank Stella, die seinen Namen international bekannt machten und seine frühe Entwicklung illustrieren. «Morro Castle» aus seinen «Black Paintings», aber auch «West Broadway» und «Seward Park» gehören dazu. «Arpoador I», 1975 entstanden, illustriert den Schritt Stellas zum bemalten Relief und ist eine Referenz an seine heutigen Skulpturen, die auch an Wladimir Tatlins Eckreliefs erinnern. Neben diesen Bildern aus Stellas Frühwerk, werden in der Ausstellung von Anita Haldemann auch 114 der 366 Zeichnungen zu sehen sein, die Frank Stella 1980 als Gegenleistung für die konservatorische Betreuung seiner Zeichnungen und für die von Christian Geelhaar organisierte Ausstellung dem Kupferstichkabinett überliess.


Museum für Gegenwartskunst, Eröffnung am Freitag, 8. Mai, um 18.30 Uhr, bis 30. August 2015.

Bekenntnis zur Zeichnung

Zu den erfreulichen Ereignissen des Kupferstichkabinetts gehört die Sammlung der Zeichnungen von Frank Stella, die zu den bedeutendsten weltweit gehört und die in einer umfassenden Ausstellung von Anita Haldemann präsentiert wird. Christian Geelhaar, Direktor des Kunstmuseums Basel in den 80er-Jahren, war, bevor er 1980 zum Direktor gewählt wurde, bei Jasper Johns und hörte dort vom zeichnerischen Werk Frank Stellas, das bis dahin weitgehend unbekannt war. Er besuchte Stella.

Es zeigte sich, dass Stella seine Entwürfe für mögliche Bilder meist auf vorgefundene Papiere zeichnete: auf Notizzettel, Briefpapiere von Freunden oder die Rückseiten von Einkaufslisten. Der Zustand der meisten Arbeiten war bedenklich, zudem gelang es dem Künstler nicht mehr, sie richtig zu datieren. Ohne Zweifel dienten sie ihm zu Studienzwecken und doch waren sie ihm so wichtig, das er sie aufbewahrte und nicht vernichtete.

Alle neunhundert Zeichnungen wurden daraufhin nach Basel transferiert, wo sie vom damaligen Papierrestaurator Paul Berger und seinen Mitarbeitern restauriert, auf Unterlagen kaschiert und entsprechend präsentierbar gemacht wurden. Mit dem Einverständnis von Frank Stella einigte man sich darauf, die Blättchen nicht alle einzeln, sondern in sinnhaften Gruppen zusammenzustellen, damit der auratische Wert des Einzelnen vermieden und der Entstehungskontext klarer ersichtlich wird.

Für die Ausstellung der Zeichnungen, die 1980 stattfand, erstellte Christian Geelhaar einen fundierten Katalog, in dem die Arbeiten wissenschaftlich aufgearbeitet wurden. Der Katalog gilt auch heute noch als Standardwerk, zudem ging er auch grafisch neue Wege, was sogar zu Auszeichnungen führte. Positiver Nebeneffekt der aufwendigen Aktion: Frank Stella schenkte dem Kupferstichkabinett 366 der neunhundert Zeichnungen. Das Kunstmuseum Basel wurde damit über Nacht zur ersten Adresse für Zeichnungen von Frank Stella.

Nach Ausstellungsbeginn wird Anita Haldemann nicht untätig bleiben. Zahlreiche Arbeiten warten auf sie. So gilt es, die neuen Depoträume, die unter der Dufourstrasse zu liegen kommen werden, zu konzipieren, die Beleuchtung im Zwischengeschoss zu verändern und Ideen für neue Ausstellungen zu entwickeln. Begleitet wird sie dabei von Ariane Mensger, einer Altmeisterspezialistin, die bisher an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe arbeitete und sie ab Mai bei ihren Arbeiten unterstützen wird. Ihre Mitarbeit garantiert, dass nächstes Jahr, nach der Wiedereröffnung des Hauptbaus und der Einweihung des Erweiterungsbaus, auch wieder eine Altmeister-Ausstellung des Kupferstichkabinetts zu sehen sein wird. Der oder die Künstler werden noch nicht verraten. Interessant wird es aber auf jeden Fall.

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