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True Crime: Doku-Serie über den spektakulärsten Kunstraub der Geschichte

Einer der grössten Kunstdiebstähle ist noch immer ungelöst. Die Doku-Serie «This Is A Robbery» begibt sich auf Spurensuche.

Anna Raymann
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Fotos aus den Polizeiakten zeigen das Chaos.

Fotos aus den Polizeiakten zeigen das Chaos.

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Ist das Bild, das über dem Sofa von Tante Sylvia hängt, vielleicht Millionen wert? Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Denn noch immer sind 13 Meisterwerke, die 1990 in Boston gestohlen wurden, unauffindbar. «This Is A Robbery» - auf Deutsch «Der grösste Kunstraub der Geschichte» - geht der Spur der verschollenen Bilder als rasante True-Crime-Dokumentation nach.

Die Zutaten für einen Serienhit stimmen und das Rezept ging schon einmal auf. Die Serie zum berüchtigten Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi auf Netflix wurde mehrfach ausgezeichnet.

Lehre Bilderrahmen erinnern noch heute an den Überfall

Nun heftet sich die Streamingplattform also Museumsdieben an die Fersen. Am St. Patrick’s Day 1990 drangen zwei Männer in falscher Polizeiuniform in das Isabella Stewart Gardener Museum ein. In sagenhaften 81 Minuten schnitten sie 13 Werke brutal aus ihren Rahmen. Darunter etwa Rembrandts «Jesus im Sturm im See von Genezareth» (sein einziges Seebild), Werke von Jan Vermeer und Edgar Degas. Der Wert der gestohlenen Bilder beläuft sich auf 200 Millionen Dollar. Die leeren Rahmen hängen heute noch als Mahnmal.

Regisseur Colin Barnicle wälzt Akten und befragt damalige Beteiligte. Ihre Theorien zum Verbleib der Meisterwerke überschlagen sich. Steht ein reicher Sammler à la James-Bond-Bösewicht «Dr. No» hinter dem Verbrechen? Waffenhändler des IRA oder doch «die Italiener»? Trotz Millionen-Finderlohn erkalten die Spuren. Das FBI ermittelte damals ohne Kunstexpertinnen, sie gehen davon aus, dass auch die Kriminellen «keine Ahnung von Kunst haben».

Sympathische Zeugen mit Insiderwissen

Dem widerspricht der Kunsträuber Miles Connor, ein wahrer Schatz unter den Protagonisten. Nonchalant berichtet der Mann mit Hornbrille von kriminellen Seilschaften. Aufgrund ihrer grossen Bekanntheit lassen sich Meisterwerke nur schwer vergolden. Als Tauschleistung, um Mafiabrüder aus dem Gefängnis zu holen, eignen sie sich schon eher. Das bestohlene Museum stand auch auf Miles Connors Wunschliste, da er zur Tatzeit aber im Gefängnis sass, ist er aus dem Schneider – vorerst.

Wie die cleveren Verbrecher die so undurchsichtige Kunstwelt übers Ohr hauen, weckt Sympathien. Der deutsche Titel führt allerdings in die Irre, spektakuläre Diebstähle gab es seither einige. Zuletzt machten die Diamanten aus dem grünen Gewölbe in Dresden oder die 100 Kilo schwere Goldmünze in Berlin Schlagzeilen. Auch in der Schweiz wurde im grossen Stile geraubt. 2008 stahlen Diebe vier Gemälde aus der umstrittenen Bührle-Sammlung in Zürich. Mit Degas war dort ein Künstler dabei, der sich auch in Boston schon unter dem Diebesgut befand. Die Beute im Wert von 180 Millionen Franken tauchte aber im Gegensatz zu jener aus Boston wieder auf.

«Haben Sie diese Bilder gesehen?», fragt der Trailer seine Zuschauer.

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«Der grösste Kunstraub der Geschichte», Netflix