Netflix & Kino
Der Cannes-Sieger, ein Superfilm aus Tunesien und die Ibiza-Affäre: Das sind die Kino- und Streamingtipps für Oktober

Welche Film- und Serienhighlights bieten Kino und Netflix und Co. im Oktober? Und was ist besonders sehenswert aktuell? CH Media hat den Überblick, was sich lohnt im Streaming und auf der Leinwand.

Daniel Fuchs
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Die Titan-Frau aus dem Cannes-Sieger «Titane» kommt endlich ins Kino. Die Stripperinnen-Karriere der von Agathe Rousselle (Bild) gespielten Figur ist nur der Anfang.

Die Titan-Frau aus dem Cannes-Sieger «Titane» kommt endlich ins Kino. Die Stripperinnen-Karriere der von Agathe Rousselle (Bild) gespielten Figur ist nur der Anfang.

Bild: Keystone

Der neue «Bond» ist draussen - und mit ihm der Film, auf den seit Jahren gewartet wurde. Auch im Oktober fällt vor allem das sehr dichte Programm im Kino auf. Gleich reihenweise aufsehenerregende Filme kommen auf die Leinwand, einige davon haben wir bereits gesehen. Also, ab ins Kino! Und wer lieber zu Hause bleibt, für den sagen wir, wofür sich bei Netflix und Co. reinschauen lohnt. Hier kommen die Film- und Serientipps von CH Media.

Tipps fürs Kino

«Titane» Noch einmal um ein paar Wochen verschoben, nun endlich ist es soweit: Der Knüller am diesjährigen Cannes-Filmfestival, «Titane» aus Frankreich, kommt ins Kino. Eine androgyne Frau erhält nach einem einem Unfall im Kindesalter Titan implantiert und verwandelt sich in eine Art Titan-Monster.

Klingt verrückt, auch etwas grausam und abstossend. Ist es auch. Doch ob als sexy Tänzerin oder als Schwangere, die ihre Brüste und den Bauch korsettiert, um als Mann durchzugehen – Hauptdarstellerin Agathe Rousselle ist eine Wucht - und die Geschichte sowie die Bilder inklusive Soundtrack sind es auch. Ab dem 7.10. im Kino.

«Titane» (F/B 2021, 108 Min.); Regie: Julia Ducournau.

Trailer «Titane».

Quelle: Filmcoopi

«Hive» Dieser besonders eindringliche Film, ein Hit am Zürcher Filmfestival ZFF und am Sundance-Filmfestival mehrfach ausgezeichnet, kommt aus dem Kosovo. Er erzählt die Geschichte von Fahrije (gespielt von Yllka Gashi), einer Frau, die in einem kleinen Dorf die Trauer und die Wut darüber überwindet, dass ihr Mann seit dem Krieg mit den Serben verschollen bleibt.

Immer mehr Dorfbewohnerinnen erhalten Gewissheit über die Ermordung ihrer Männer und Söhne. Fahrije aber lässt sich von ihrer Ungewissheit nicht erdrücken, lernt Autofahren und gründet ihr eigenes Geschäft mit Ajvar, eingemachter Peperonipaste. Dafür wird sie von konservativen Kreisen als Nutte verschrien.

Erinnert stark an die Thematik in anderen Filmen mit Frauen, die entgegen aller Widerstände die Dinge selbst in die Hand nehmen, etwa den Schweizer «Die Herbstzeitlosen» (2006) von Bettina Oberli. Mit dem kriegerischen Hintergrund und damit tragischen Schicksal verbunden, ist «Hive» allerdings der zwingendere Film. Sehr empfehlenswert. «Hive» läuft ab dem 7.10. im Kino.

«Hive» (RKS/ALB/MKD/CH 2021, 84 Min.); Regie: Blerta Basholli.

Trailer «Hive».

Quelle: Frenetic

«The Last Duel» Wieder ein lang erwarteter Blockbuster, aus der Ideenküche von Ridley Scott («The Martian», «Gladiator»). Ritter, Ritterrüstungen und ein Duell um die Ehre und das Leben einer Frau, die vergewaltigt worden ist und der die Todesstrafe droht. Basierend auf einer wahren Geschichte, vereinigt dieser Film ein wahres Star-Ensemble mit Matt Damon und Ben Affleck, die auch am Drehbuch mitschrieben, sowie Adam Driver und Jodie Comer. Ab dem 14.10. läuft das Historiendrama im Kino.

«The Last Duel» (USA/GB 2021, 152 Min.); Regie: Ridley Scott.

Trailer «The Last Duel».

Quelle: 20th Century Fox

«The Man Who Sold His Skin» Dieser Film aus Tunesien haute mich weg. Sam ist Flüchtling aus Syrien und sitzt in Libanon fest. Da trifft er auf einen Künstler und dieser schlägt ihm einen Deal vor: Sam soll ihm seine Haut verkaufen für ein Kunstwerk. Dafür darf er nach Europa reisen. Denn als Kunstobjekt erhält Sam, was dem Menschen Sam verwehrt bleibt: Reisefreiheit. Sam geht auf den Handel ein und lässt seinen Rücken tätowieren. Dafür muss er in Brüssel stundenlang im Museum dasitzen und das Kunstwerk präsentieren.

Gesellschaftskritik? Ausbeuterisch? Eine Karikatur des Kunsthandels? Sehen Sie selbst. Sam wird den Spiess umdrehen. Der Film war dieses Jahr als erster tunesischer Film überhaupt für die Oscars nominiert. Absolut hinreissend und ab dem 14.10. im Kino.

«The Man Who Sold His Skin» (TUN/F/D/B/SWE/TUR/CYP 2020, 104 Min.); Regie: Kaouther Ben Hania

Trailer «The Man Who Sold His Skin».

Quelle: Trigon

«Nachbarn» Dieser Film des kurdisch-stämmigen Schweizer Regisseurs Mano Khalil («Unser Garten Eden») handelt vom kurdischen Jungen Sero, der zur Zeit der arabischen Revolution zur Schule geht, in Syrien, nahe zu der türkischen Grenze. Die Geschichte folgt dem schicksalhaften ersten Schuljahr von Sero mit einem Lehrer, der vom Staat ausgesandt wurde, für die Arabisierung zu sorgen. Sehr komisch, tragisch, aber auch witzig. Ein aufschlussreicher Blick in die Vergangenheit Kurdistans, der es ermöglicht, das nächste Mal ein wenig besser zu verstehen, wenn in der «Tagesschau» von «den Kurden» die Rede ist. Ab dem 14.10. im Kino.

«Nachbarn» (CH 2021, 124 Min.); Regie: Mano Khalil.

Trailer «Nachbarn».

Quelle: Frenetic

«The French Dispatch» Wes Anderson at its best. Man muss ihn mögen. Ein Riesenspektakel auf der Leinwand, sowohl was die Bilder, Szenen und die Inszenierung als auch die Besetzung betrifft. Der Trailer spricht Bände. Sorgte am Cannes Filmfestival diesen Sommer für Begeisterung. Ab 21.10. im Kino.

«The French Dispatch» (D/USA 2020, 108 Min.); Regie: Wes Anderson.

Trailer «The French Dispatch».

Quelle: Searchlight Pictures

Tipps fürs Streaming

«Maid» Die Dramedyserie ist angelehnt an die Memoiren Maid: Hard Work, Low Pay, and a Mother's Will to Survive von Stephanie Land (Bestseller-Liste der New York Times). Im Mittelpunkt steht eine alleinerziehende Mutter, ihr hartes Leben und die durchaus humorvolle Überwindung der Armut. Darauf darf man gespannt sein. Ab 1.10. bei Netflix.

Trailer «Maid».

Quelle: Netflix

«There is No Evil» Iran und die Todesstrafe aus vier verschiedenen Perspektiven: Dieses Meisterwerk aus dem Iran gibt es endlich im Streaming. Ab 1.10. bei filmingo.

«There is No Evil» (IRN 2020, 150 Min.); Regie: Mohammad Rasoulof

Trailer «There is No Evil».

Quelle: Films Boutique

«The Guilty» Sehr vielversprechend, auch darauf kann man gespannt sein. Der Netflix-Film spielt an einem einzigen Morgen in einer Notrufzentrale, in der der Polizist Joe Baylor (Jake Gyllenhaal) sitzt und versucht, einer Anruferin das Leben zu retten. Ab 1.10. bei Netflix.

Trailer «The Guilty».

Quelle: Netflix

«The Velvet Underground» Die New Yorker Avantgard-Band The Velvet Underground steht für Glam-Rock. Dokumentation von Todd Haynes. Ab 15.10. bei Apple TV+.

«The Velvet Underground» (USA 2021, 120 Min.); Regie: Todd Haynes.

Trailer «The Velvet Underground».

Quelle: Apple TV+

«Die Ibiza Affäre» Heinz-Christian Strache, ehemaliger österreichischer Vizekanzler, tappt auf Ibiza in die Falle einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen. Die Aufzeichnungen führten in Österreich zu einem beispiellosen Skandal mit gigantischem Ausmass. Nun gibt es die vierteilige Mini-Serie dazu, als Mischung zwischen fiktivem Drama und einer Gesellschaftssatire. Ab 21.10. bei Sky Show.

Trailer «Die Ibiza Affäre».

Quelle: Sky

Und das streamen wir aktuell

Neumatt Der neue Serienwurf von SRF. Gelungene Serie über die moderne Bauernschweiz, ohne in die Gotthelf-Falle zu treten. Hier geht es zur ausführlichen Kritik. Bei SRF Play und Playsuisse.

Trailer «Neumatt».

Quelle: Zodiac Pictures

«American Crime Story», Staffel 3 Sie dreht sich um den Clinton-Lewinsky-Skandal und trägt den dazu passenden Titel «Impeachment». Monica Lewinsky arbeitet seit ihrer Zeit als Praktikantin im Weissen Haus daran, ihre Reputation zu verbessern - und stand bei dieser Serie hinter der Kamera. Nach Staffel 1 (Der Fall O.J. Simpson) und Staffel 2 (Die Ermordung von Gianni Versace) ist Impeachment wieder sehr spannend gemacht. Die Serie läuft bei Sky Show.

Trailer zur Miniserie «Impeachment».

Quelle: Youtube

Das waren unsere Film- und Serientipps für den Monat September

Serien im Streaming

«Money Heist», finale fünfte Staffel Teil 1. Die Fans dieser spanischen Raub-Serie, auf spanisch «Casa de papel», auf deutsch «Haus des Geldes», sind in grosser Zahl - und ausser sich. Endlich kommt das Finale der spanischen Erfolgsserie in die Wohnzimmer - zumindest der erste Teil davon. Für das Ende müssen sich die Fans noch bis Dezember gedulden, was eine Frechheit ist, wie wir finden.

«Money Heist» ist die Geschichte über - sagen wir einmal - das perfekte aller perfekten Verbrechen. Eine Bande Krimineller will die Geld- und Goldreserven der Nationalbank stehlen unter der Anleitung eines allwissenden Professors. Die Frage ist bloss: Wie zum Henker kommen sie da wieder hinaus? Nun hoffen wir einmal, diese Frage wird nun beantwortet, Teil 1 der Antwort ab dem 3. September bei Netflix.

Trailer «Money Heist».

Quelle: Netflix

«Schumacher» Was für ein Name, was für ein Fahrer, was für eine traurige Geschichte. Auf diesen Dokumentarfilm von Netflix warten wir besonders gespannt. Er verspricht intime Einblicke und Archivaufnahmen aus dem Leben des Formel-1-Stars Michael Schumacher, ehe ein Skiunfall 2013 seine Laufbahn abrupt beendet. Gänsehaut inklusive, ab dem 15.9. bei Netflix.

Trailer «Schumacher».

Quelle: Netflix

«Love on the Spectrum» Diese Doku-Serie begleitet junge Erwachsene auf dem Autismus-Spektrum bei ihrer Suche nach einer Partnerschaft. Ihnen fällt das Zugehen auf andere Menschen nicht leicht, aber doch tragen sie den innigen Wunsch nach Liebe, Geborgenheit oder Familie in sich. Staffel 1 war herzerwärmend, jetzt kommt Staffel 2. Ab dem 21.9. bei Netflix.

Trailer «Love on the Spectrum», Staffel 2.

Quelle: Netflix

«Impeachment: American Crime Story» Die fiktive Mini-Serie behandelt das allererste Amtenthebungsverfahren der US-Geschichte, gegen Präsident Bill Clinton. Sie erinnern sich..., die Affäre Monica Lewinsky. Ab dem 28.9. bei Sky Show.

Trailer «Impeachment: American Crime Story».

Quelle: Rotten Tomatoes

«Totti - il Capitano» Über den Fussballer Francesco Totti gibt es bei Sky Show bereits den sehr empfehlenswerten Dokumentarfilm «Mi chiamo Francesco Totti», nun folgt die fiktionale Serie über den legendärsten Spieler der AS Roma. Nie verliess er seine Heimatstadt, nie seinen Club. Ein wirklich interessanter Typ, dieser Francesco Totti. Was treibt ihn an? Weshalb kommt er nicht weg von der Stadt, die ihn ihren achten König nennt? Ab dem 30. September bei Sky Show.

Trailer «Totti - il Capitano».

Quelle: Sky Atlantic

Kino

«Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings» Vom Normalo zum Actionhelden, verklärte Märchenlandschaften und ganz viiiel Kung-Fu: Der Film aus dem Hause Marvel (Disney) ist Recycling-Ware, zugegeben, macht aber als Abenteuergeschichte sehr viel Spass. Und ein Highlight ist die Begleiterin des neuen Superhelden Shang-Chi, so viel sei verraten. So viel Charme gab es selten zu sehen in Marvel-Filmen. Bereits am 2. September im Kino.

Trailer «Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings».

Quelle: Disney

«Dune» Noch vor Bond - No Time to Die kommt ein Film, der fast ebenso sehnlichst erwartet worden ist aus dem Sci-Fi-Genre. Dune erzählt eine Geschichte ums Überleben, eines fremden Planeten und ums geistige Kapital der Menschen. Mit einem riesigen Staraufgebot: Zendaya, Timothée Chalamet und Javier Bardem sind nur einige der wohlklingenden Namen im Cast. Ab dem 16.9. im Kino.

Trailer «Dune».

Quelle: Warner Bros.

«Heitere Fahne» Heiter ä Fahne, die heitere Fahne... Was man auch immer versteht unter diesem Titel - es ist das sicher einmaligste partizipative Kulturprojekt Berns, vielleicht der gesamten Schweiz. Ein Kollektiv belebte im Jahr 2013 am Fuss des Berner Hausbergs Gurten eine geschlossene und zum Teil baufällige Brauereiwirtschaft und baute in all den Jahren einen Kulturbetrieb auf, der weit über die Berner Grenzen Anziehungskraft ausübt.

Nun gibt es den Kinodokumentarfilm dazu. Neben dem heiteren Einblick in den Kulturbetrieb und seinen liebenswürdigen Machern, der Inklusion Behinderter, der Betreuung von Schulkindern et cetera gibt er vor allem Einsicht darüber, welche Stolperfallen im Wachstum eines idealistischen Kulturprojekts warten. Fantastische Einsichten, tolle Gedankenspiele. Ab 16.9. im Kino.

Trailer «Heitere Fahne».

Quelle: Outside the Box

«Réveil sur mars» Noch ein Dok, der sehr berührend zu sein verspricht. Der astronomiebegeisterte Furkan, Sohn kosovarischer Einwanderer in Schweden, will seine beiden Eltern Schwestern auf den Mars fliegen, damit sie aufwachen. Diese sind nämlich vor Jahren nacheinander ins Komma gefallen. Ein Dokumentarfilm, der unter die Haut geht, verspricht der Trailer. Wir sind gespannt. Ab dem 23.9. im Kino.

Trailer «Réveil sur mars».

Quelle: First Hand Films

Bond, Bond, Bond Wofür hält er nicht alles her. Im Film soll Bond die Menschheit retten und dieses Jahr nun soll der 25. Bond-Film «No Time to Die» nicht nur von den Menschen heiss geliebt werden, nein, Daniel Craig soll auf die Zuschauer eine solch starke Anziehungskraft ausüben, dass ihre Zahl die wegen Corona darbenden Lichtspielhäuser rettet.

Bond steht diesen Herbst exemplarisch dafür, dass es nun wieder aufwärts gehen soll mit der Filmbranche. Wir freuen uns mit den Kinos: Endlich, mit zwei Jahren Verzögerung ist es nun soweit. Daniel Craig, so weit ist der Plot bekannt, kehrt noch einmal als MI-5-Agent zurück, diesmal aus dem vermeintlichen Ruhestand in der Karibik. Schweizer Premiere anlässlich des Zürcher Filmfestivals ZFF am 28. September, gleichentags wie die Weltpremiere in London. Regulär im Kino dann ab dem 30. September.

Trailer «No Time to Die».

Quelle: Universal

«Bad Luck Banging or Loony Porn» Emi und ihr Mann landen einen viralen Hit - ein sehr privater Pornofilm landet öffentlich im Internet. Und da Emi Lehrerin ist, gerät sie natürlich ins Visier der Eltern und in einen Sturm der Entrüstung. Der rumänische Film wartet mit sehr expliziten Szenen auf und sorgte an der diesjährigen Berlinale nicht nur für Aufsehen, sondern auch gleich noch für den Hauptpreis, den Goldenen Bären. Die Gesellschaftssatire verspricht sehr viel Provokatives. Ab dem 30.9. im Kino.

«Herr Bachmann und seine Klasse» Und noch gleich ein Berlinale-Film, ein epischer Dok. «Herr Bachmann und seine Klasse» dauert sage und schreibe gegen vier Stunden und gewann in Berlin dieses Jahr nicht nur den Silbernen Löwen, sondern auch gleich noch den Publikumspreis.

Bachmann ist der Name eines Lehrers, der in einer deutschen Stadt Schüler vor allem aus Arbeiterfamilien unterrichtet. Sie kommen aus prekären Verhältnissen, der Lehrer schafft einen Raum des Vertrauens, der Film eine Bühne für einen etwas vergessenen Teil der deutschen Gesellschaft. Ab dem 30.9. im Kino.

Trailer «Herr Bachmann und seine Klasse».

Quelle: DCM

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