Netflix-Serie

Mystery-Fahrt ins Unterbewusste – mit der Schweizerin Ella Rumpf

Ella Rumpf als Fleur-Salomé im Mystery-Thriller «Freud».

Ella Rumpf als Fleur-Salomé im Mystery-Thriller «Freud».

In der Netflix-Serie um den zum Detektiven sich verwandelnden Psychoanalytiker spielt die Schweizer Schauspielerin Ella Rumpf das Medium Fleur-Salomé.

Serie Auf ORF lief letztes Wochenende das Finale, auf Netflix ist die Miniserie «Freud», benannt nach dem Begründer der Psychoanalyse, diese Woche gestartet. Die Fiction-Serie spielt im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts und zeigt den jungen Sigmund Freud (gespielt von Robert Finster) bei seinen verzweifelten Versuchen, die arrivierte Ärztegesellschaft von seinen Methoden zu überzeugen, ins menschliche Unterbewusstsein vorzudringen.

Bald aber wird Freud in einen Strudel von Verbrechen und Komplotten gezogen. Seite an Seite mit der jungen und schönen Hellseherin Fleur-Salomé. Zusammen tauchen sie ein in die gruselige Welt des Unterbewusstseins, und helfen einem Polizisten bei der Aufklärung. Die Hellseherin Fleur-Salomé wird gespielt von der Schweizerin Ella Rumpf. Neben Delia Mayer und Carol Schuler ist Rumpf erst die dritte Schauspielerin, die sich in einer Netflix-Serie eine Rolle schnappen konnte. An der diesjährigen Berlinale hatte Rumpf nicht nur wegen der Uraufführung von «Freud» einen Auftritt, sie erhielt auch eine Auszeichnung als eine von zehn «European Shooting Stars».

Kein spannender History-Stoff, sondern Grusel-Horror-Mystery

«Freud» gibt der 25-jährigen Ella Rumpf nun mit dem Label «Netflix» zweifellos eine bisher noch nie dagewesene Bühne. Inhaltlich kann die Serie aber nicht mit anderen Netflix-Produktionen mithalten. Wer sich von «Freud» mitreissenden History-Stoff erhofft hat, der wird arg enttäuscht. Dokumentarisch sind ausser dem Kampf des jungen Freuds um Anerkennung für Therapieformen wie Hypnose nur noch die Wiener Kulisse sowie eine Art Sittenporträt der Gesellschaft. Der Rest ist erfunden, mehr noch, tiefstes Grusel-Horror-Mystery-Genre. Wer in Trance versetzte Menschen und die düster dargestellten Bilder ihres Unterbewusstseins erträgt, dem sei die Serie empfohlen. Allen anderen eher abgeraten. Gerade in Zeiten von Corona, in denen man sich ob so viel Speichel, Tränen und Blut allein beim Zuschauen davor fürchtet, etwas aufzulesen.

Für Corona können die Macher bei ORF und Netflix freilich nichts. Und dennoch: Der Plot zieht einen in den ersten drei Folgen kaum mit. Und Freuds Kampf um Anerkennung (und seine Kokainabhängigkeit) bieten leider nur den Rahmen in diesem Mystery-Stoff. Bei diesem Drehbuch hilft auch die solid spielende Ella Rumpf nicht weiter, obwohl sie einmal mehr in eine dieser düsteren Rollen schlüpft, in denen wir sie in bester Erinnerung haben. Zum Beispiel aus «Chrieg» von Simon Jaquemet aus dem Jahr 2014, in dem sie eine kahlgeschorene Jugendliche in einem Bootcamp für schwer-erziehbare Jugendliche auf einer Alp spielte und den Neuankömmling Matteo wie einen Hund an der Kette durch einen Ziegenstall führte. Regie führte bei «Freud» der deutsche Regisseur Marvin Kren, der bei «4 Blocks» Regie führte, dieser überschätzten deutschen Serie über kriminelle Araberclans in Berlin.

Immerhin: Spass bereitet bei «Freud» der Wiener Dialekt. Gut, dass sich bei Netflix deutsche Untertitel einschalten lassen. Bei einigen Schauspielern ist die Aussprache für Nicht-Wiener jedenfalls nur schwer verständlich.

«Freud» auf ORF und Netflix

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