Pop/Rock
Zwei Weyermänner zwischen Pop und Rock

Als The Weyers legen die Brüder Adi und Luke Weyermann ihr erstes gemeinsames Album seit langem vor. «Within» ist ein leidenschaftliches Werk, das aber erst ein Anfang ist.

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Zwei Brüder, eine Band: Adi und Luke Weyermann.HO

Zwei Brüder, eine Band: Adi und Luke Weyermann.HO

Bands, in denen Geschwister spielen, haben einen genetischen Startvorteil: Sie können auf eine gemeinsame DNA zurückgreifen und kommen ohne lange Erklärungen aus.

Dafür werden die Konkurrenzkämpfe, die man im Sandkasten ausgefochten hat, in spätere Projekte mitgenommen. Man denkt an die traumhaft verwobenen Harmonien der Gebrüder Wilson von den Beach Boys und den rüpelhaften Oasis-Knatsch bei der Gallagher Family.

Auch The Weyers, die neue Band von Adi und Luke Weyermann, bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Lang waren die talentierten Gebrüder aus dem Zürcher Oberland getrennte Wege gegangen – wenn man von einem 1996 erschienenen Minialbum und einem kurzen Intermezzo bei der Skaterband Crank absieht.

Der Ältere im Bunde, Drummer Luke, setzte mit Mona Lisa Overdrive auf die harte Kante und bei Hillbilly Moon Explosion auf Rockabilly der gepflegten Sorte. Adi Weyermann, heute 39 und drei Jahre jünger als sein Bruder, startete eine Solokarriere mit Indie-Pop und spielte als Gitarrist in verschiedenen Bands.

Flirt mit dem Pathos

Jetzt treten die Brüder als The Weyers wieder gemeinsam auf und erklären ihre neue Band zur Familienangelegenheit. Live und im Studio gehen sie strikt zu zweit zur Sache – und erzeugen dennoch einen respektablen «Wall of Sound».

Die Reduktion auf die Essenz ist in Mode gekommen, seit das vermeintliche Geschwisterpaar Jack und Meg White vorgemacht hat, dass zwei Menschen genügen, um nachhaltigen Lärm zu produzieren. Wie The White Stripes kennen sich auch The Weyers in der Rockgeschichte aus und scheuen sich nicht, das zu zeigen.

Hier enden die Gemeinsamkeiten. The Weyers sind keine Garagenrock-Combo – auch wenn sich die Gitarrenriffs mit messerscharfer Präzision durch die Granitbeats des Schlagzeugs fräsen. Doch Adrian Weyermanns wandelbare Stimme flirtet auch gern mit dem Pathos und steigt von den Tiefen des Sprechgesangs auf zu luftigen Poprefrains, in deren Weiten sie unbehelligt ihre Kreise ziehen kann.

Der Sound der Weyers, die sich von der Schweizer Produzentenlegende Roli Mosimann (The Young Gods, Faith No More) coachen liessen, ist schwer zu beschreiben. Ist es Rock? Ist es Pop? Wird hier die unerträgliche Leichtigkeit des Seins beschworen – oder wiegt die Suche nach dem Sinn des Lebens doch zu schwer?

Alles auf eine Karte

Ihre Musik lässt sich nicht schubladisieren. Immer, wenn man sich abwenden will, weil ein Refrain zu offenkundig an verdrängt geglaubte US-Rocksünden erinnert, kracht einen eine Breitseite um die Ohren, als sei der verehrte Kurt Cobain zurückgekehrt. Und immer, wenn man von einem Gitarrengewitter durchgeschüttelt wurde, zeigt sich am Horizont die Sonne in Form eines gefühlvollen Akustikintros. Dann spürt man Leidenschaft und Hingabe, die diese Musiker antreiben.

The Weyers stehen mit ihrem Projekt erst am Anfang. Wer näher hinsieht, merkt, dass einige der stärksten Titel des Albums von Adi Weyermann im Alleingang (mithilfe von Drummer Matete Kräutli) eingespielt wurden. Es sind ausgerechnet diese Songs, die genüsslich Reibung zulassen und alles auf eine Karte setzen. Genau hier sollten auch die Weyermann-Brüder ansetzen: Der Familienkrach ist die Nische, die es im Schweizer Popgeschäft noch zu besetzen gilt. Für Harmoniebedürftige gibt es ja schon 77 Bombay Street. (BZG)

The Weyers Within, Weyerworks.

MMMMI

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