Montreux Jazz Festival
Zugabe von Quincy Jones hatte einschläfernde Wirkung

Quincy Jones feierte seinen 80. Geburtstag und würdigte Festivalgründer Claude Nobs. Jones hatte im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit Claude Nobs am Jazz Festival Montreux immer wieder Stargalas organisiert.

Stefan Künzli
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Quincy Jones dirigiert die Pepe-Lienhard-Band mit dem Bandleader in der Saxofon-Sektion (zweiter von rechts). Jean-christophe Bott/KEYSTONE

Quincy Jones dirigiert die Pepe-Lienhard-Band mit dem Bandleader in der Saxofon-Sektion (zweiter von rechts). Jean-christophe Bott/KEYSTONE

Die Buden an der Uferpromenade waren noch nicht abgebaut, aber bereits geschlossen. Kehrausstimmung in Montreux. Das erste Festival nach dem Tod von Festivalgründer Claude Nobs ist erfolgreich über die Bühne gegangen, war am Sonntag aber noch nicht ganz abgeschlossen.

Die Stadt am Genfersee war immer noch belebt, aber das Festivalleben hatte sich verlagert. Auf den 500 Meter langen Abschnitt der Grande Rue, die seit Freitag «Avenue Claude Nobs» heisst.

45 Musiker auf einer Bühne

Als Zugabe und Sonderbonus wurde der Festivalgründer am Sonntag im Auditorium Stravinski noch einmal gross gewürdigt und gefeiert. «His brother» Quincy Jones erklärte seine offizielle Geburtstagsparty zum 80. Geburtstag zum Tribut für seinen verstorbenen Freund und lud dazu eine illustre Sänger- und Musikerschar ein.

Quincy Jones hatte im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit Claude Nobs am Jazz Festival Montreux immer wieder solche Stargalas organisiert, deren Unterhaltungswert stets grösser war als der künstlerische Gehalt. 14 Sängerinnen und Sänger sowie 31 Musiker gaben sich diesmal ein Stelldichein, darunter die dreizehn Bläser der Pepe-Lienhard-Big-Band.

Noch an der Revue zu seinem 75. Geburtstag sass Quincy Jones im Publikum. Diesmal führte er selber durch den Abend und dirigierte auch die Band. Wohl oder übel musste Pepe Lienhard deshalb in der Saxofon-Sektion Platz nehmen.

Doch für den verdrängten Bandleader war dies gar kein Problem. «Ich wollte einfach dabei sein. Diesen Anlass wollte ich mir auf keinen Fall nehmen lassen.»

Beeindruckende Wunderkinder

Je älter Quincy Jones wird, desto mehr nimmt er sich vor allem der blutjungen Jazzer an. Als Wunderkinder angepriesen, fielen vor Jahresfrist in Montreux noch die meisten durch.

Immerhin die beiden talentiertesten, der kubanische Pianist Alfredo Rodriguez (27) und der slowakische Gitarrist Andreas Varady (15), waren auch diesmal wieder dabei und sie bewiesen, dass mit ihnen in Zukunft zu rechnen ist.

Das gilt auch für den erstmals präsentierten blinden Pianisten Justin Kauflin, der vom Trompeter Clark Terry entdeckt und gefördert wird. Am eindrücklichsten war aber Varady, der sich in einem berauschenden Duett mit Altmeister Lee Ritenour messen konnte und dabei eine blendende Figur machte.

Es blieben die besten, die dynamischsten Momente. Weil die Wechsel zu lang dauerten und der sichtlich betagte Quincy Jones zu lange redete, litt der Konzertabend am nötigen Drive. Und je länger es dauerte, desto langfädiger wurde das Ganze.

Enttäuschende Stargäste

Das lag am Gastgeber, mehr aber noch am Programm und den Stargästen wie der A-cappella-Formation Take 6, der israelischen Sängerin Noa sowie der Sängerin Patty Austin und dem Sänger James Ingram.

Die mehrheitlich schwermütigen Songs von Noa und Take Six sowie die Schmuseballaden von Ingram und Austin vermochten keine Steigerung herbeizuführen. Im Gegenteil: Die Intensitätskurve zeigte dramatisch nach unten. Eine müde Sache.

Sie sei fest davon überzeugt, dass Claude Nobs das Tribut-Konzert von da oben mithöre, sagte Sängerin Noa. Hoffentlich ist er dabei nicht eingeschlafen.

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