Hirzenberg Festival
«Wenns regnet, gibts dafür tolle Akustik»

Das Oliver Schnyder Trio spielt Smetana und freut sich auf die Nähe zum Publikum.

Anna Kardos
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Viel gefragt – auch am Hirzenberg Festival: Das Oliver Schnyder Trio alias (v. l.) Benjamin Nyffenegger (Cello), Andreas Janke (Geige) und Oliver Schnyder (Klavier). Marco Borggreve

Viel gefragt – auch am Hirzenberg Festival: Das Oliver Schnyder Trio alias (v. l.) Benjamin Nyffenegger (Cello), Andreas Janke (Geige) und Oliver Schnyder (Klavier). Marco Borggreve

Oliver Schnyder, müsste das Hirzenberg-Festival dieses Jahr Schnyder-Festival heissen? Sie bestreiten zwei von insgesamt drei Konzerten.

Oliver Schnyder: Aber eben nur zwei von drei. Vor einigen Jahren habe ich als Festival-Artist tatsächlich mal alle Konzerte bestritten.

Damals fand der Hirzenberg auch tatsächlich am Hirzenberg statt ...

Die Liegenschaft steht nicht mehr zu Verfügung. Mit dem Zofinger Stadtsaal hat man einen schönen neuen Ort gefunden – auch akustisch. Bei gutem Wetter ist das Festival openair, bei schlechtem kann man sich auf die gute Akustik freuen.

Die Openair-Akustik gilt als schwierig für klassische Musik. Hoffen Sie insgeheim auf Regen?

(lacht) So weit gehe ich nicht. Man hat nicht alle Tage die Möglichkeit, draussen zu spielen – schon gar nicht als Pianist. Zudem muss man sich hier nicht um die Akustik sorgen, weil man draussen leicht verstärkt wird.

Der Konzertabend ist hier auch ein kulinarischer Abend, es gibt ein Buffet, das Publikum wird zum Gast. Spüren Sie als Interpret etwas von dieser persönlichen Nähe?

Absolut. Das macht den Reiz eines kleinen Festivals aus. Das Publikum kommt jedes Jahr, mit der Zeit kennt man sich, es ist wie bei einer Klassenzusammenkunft. Ich geniesse es, mich nachher bei einem Bier oder einem Glas Wein auszutauschen über das Gehörte ...

... und für einmal auch zum Zuhörer zu werden: Gastgeber Dieter Ammann spielt spätabends jeweils Funkjazz.

Dass Jazz gespielt wird nach dem Konzert, tut uns nur gut!

Warum?

Als klassischer Pianist schiele ich etwas neidisch auf Musiker, die sich aufgrund von wenigen Stichworten und einem harmonischen Muster verständigen können. Im Jazz ist fast alles möglich. In der Klassik sind wir viel stärker an den Notentext gekettet. Etwas Swing, auch als Lebensgefühl, kann uns nur guttun.

Ist der Aargau ein Ort, wo Sie besonders viel wagen?

Vor vier Jahren haben wir hier tatsächlich Schuberts Winterreise mit Tenor Daniel Behle in Trio-Besetzung uraufgeführt, bevor wir sie eingespielt haben. Das war Winterreise im Sommer, also wie ein Saunabesuch unter umgekehrten Vorzeichen.

Das diesjährige Konzert mit Daniel Behle hat eine Änderung erfahren.

Daniel Behle steht am Samstag in Bayreuth auf der Bühne. Das Konzert mit ihm und den Hamburger Seemanns-Liedern holen wir nächstes Jahr nach.

Statt Matrosenliedern gibts Smetana – eine Trouvaille?

Nicht mehr. Unser erstes Stück, das wir als Trio gespielt haben, war Schubert. Und gleich danach kam Smetana. Wir sind alle unabhängig voneinander darauf gestossen. Es ist unglaubliche Musik. Smetana wird gemeinhin nicht in einer Kategorie mit Bach und Beethoven genannt, aber mit diesem Werk gehört er dazu. Und mit dem Stück hat es eine besondere Bewandtnis. Es ist ein Requiem für seine verstorbene Tochter. Eine wunderschöne, leidenschaftliche, tieftraurige Musik. Zudem schlägt sie den Bogen zum ersten Konzert. Vieles darin erinnert an Beethovens Geistertrio, das wir am Donnerstag spielen.

Pianistin Maria Joao Pires verriet, dass sie lieber Kammermusik als Klavier solo spiele. Geht es Ihnen ähnlich? Auch Sie treten hier nur mit Kammermusik auf.

Das Hirzenberg ist ein Kammermusik-Festival. Da mag man keine Solisten haben. Ich hatte vorgeschlagen, Beethovens Hammerklaviersonate zu spielen, aber Dieter Ammann fand, das passe nicht so gut. Für mich selbst setze ich keine Prioritäten, spiele sehr gern einen Zyklus mit Beethoven-Konzerten – und genauso gern einen Zyklus mit Beethoven-Trios, oder denen anderer Komponisten. Ich möchte einfach gute Musik spielen mit guten Partnern.

Stichwort gute Partner. Sie haben am Donnerstag den Starbratschisten Nils Mönkemeyer als Partner dabei.

Unser Cellist Benjamin Nyffenegger spielt mit Nils Mönkemeyer Streichquartett. Nils ist schon vor vier Jahren hier mit uns und der Geigerin Vilde Frang aufgetreten. Als wir ihn diesmal anfragten, hat er sofort zugesagt.

Es gibt Sommer-Festivals noch und noch. Was ist für Sie das Besondere am Hirzenberg?

Es ist schön, sozusagen zu Hause zu spielen, auch für Freunde und Familie. Und tatsächlich spielt es sich anders, wenn man sich vorstellen kann, wer im Publikum sitzt. Das ist etwas, das sich nie ändert. Und es ist auch etwas, worunter ich mitunter leide, wenn ich solistisch im Ausland unterwegs bin. Da kennt man keinen Menschen und muss sich jeweils fast künstlich inspirieren. Im Aargau sind die Musiker einander wie eine Familie: sehr nah, alle kennen sich, Rivalitäten oder Animositäten gibt es nicht. Alle lassen einander leben und fördern sich gegenseitig.

Hirzenberg Festival: Klaviertrio und Blockflöte

Do, 17.8., 20 Uhr. Oliver Schnyder Trio und Bratschist Nils Mönkemeyer mit Beethoven , Brahms und Schumann.

Fr. 18.8., 20 Uhr. Maurice Steger, Naoki Kitaya (Cembalo) und Daniele Caminti (Laute) mit Sammartini, Scarlatti.

Sa. 19.8., 20 Uhr. Oliver Schnyder Trio mit Smetana, Brahms und Schuberts «Der Hirt auf dem Felsen»

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