Musik

Voll Gaga, was diese Lady auf der Bühne macht

13’000 Fans feierten am Sonntag im Zürcher Hallenstadion die androgyne Chart-Stürmerin Lady Gaga. Auch ihr zweites Konzert von heute Abend ist seit längerem ausverkauft.

Es wäre so einfach, die Show von Lady Gaga ins Lächerliche zu ziehen: Kurz nach halb Neun startet die wohl künstlichste Figur der Popgeschichte ihren zweistündigen Plastik-Hit-Marathon - und nur selten trägt sie mehr als Unterwäsche. Nun spielt die Dame aber im Zürcher Hallenstadion und diese Halle kriegt man nicht voll, nur weil man ein bisschen mit dem Popo wackelt und wie Madonna sein will - und das heute Abend an ihrer zweiten Show gleich noch einmal.

Also was hat die 24-jährige Sängerin, dass sie so unwiderstehlich macht? Zum einen ist Lady Gaga der Gegenpol zu den ganzen Talentshows, die unsere Fernsehsender bevölkern und die Absenz von Talent mit einer traurigen Schicksalsgeschichte der Kandidaten kaschieren wollen. Bei Lady Gaga muss man nicht nachdenken. Sie versucht gar nicht erst ihre seichten Nummern von «Pokerface über «Bad Romance» bis zu «Alejandro» mit Tiefgang anzureichern.

Die Musik geht nicht unter die Haut - dazu steht Gaga

Die 24-jährige New Yorkerin möchte performen, tanzen, eine gute Zeit haben - der ganze Seelenquatsch weicht einem Meer aus glitzernden Lichtern, gut gebauten Tänzern und dem unnahbar androgynen Wesen, dem wir in der Schweiz seit ihrem ersten erscheinen vor zwei Jahren bereits sechs Top Ten-Hits beschert haben. Lady Gaga steht dazu, das ihre Musik nicht unter die Haut geht.

Aber auch das wiederum ist blosse Show, denn mit ihrer inszenierten Oberflächlichkeit passt Lady Gaga perfekt in den virtuellen Freundeskreis ihrer jungen bis sehr jungen Fanschar. Über 22 Millionen Facebook-User haben bis anhin auf den «Gefällt mir» Button auf ihrem Profil geklickt.

Bei ihrem grossen Vorbild Madonna sind es nicht einmal drei Millionen. Und das ist ein weiterer Punkt ihres Erfolges: Der Klon imitiert in Zürich das Original, bis Kalkül und Parodie zu einer Einheit verschmelzen. «Ausser ihrer Hartnäckigkeit und einem zähen Erfolgsstreben, durchschnittlichen sängerischen und tänzerischen Qualitäten und ihrer eindrucksvollen Bildschirm-Präsenz verdankt sie ihren Höhenflug einem auffälligen Image, das sie clever zu Markte trägt», schrieb der «Spiegel» 1985 über Madonna als sie auf ihrer ersten grossen Welttournee in Deutschland halt machte.

Funkelnden Masken und leuchtende Accessoires

Lady Gaga hielt sich gestern im Zürcher Hallenstadion Eins zu Eins an die Vorlage der mittlerweile 52-Jährigen. Der grosse Unterschied, dass Madonna früher mit Stil schockierte und Lady Gaga nicht einmal einen eigenen Stil hat, versteckte sie hinter funkelnden Masken und leuchtenden Accessoires, Lederoutfits und holprigen Bewegungen, die man auch in einer Kontaktbar an der Zürcher Langstrasse sehen kann.

Schlussendlich dient das ganze Tamtam nur dem Zweck, zu verbergen, dass die ganze Show Gaga ist. Eine grosse Party wolle sie hier mit den Schweizer Fans feiern, jeder sei ein Superstar, man müsse nur an sich glauben, ruft die selbsternannte Stilikone immer wieder in die Menge. Und in diesem Momenten schenkt einem Lady Gaga die wahrscheinlich schönste Illusion des Abends. Denn hätte jeder eine so tiefe Schamgrenze um in einem Fleischkostüm im Fernsehen aufzutreten oder in Unterwäsche vor 13'000 Menschen zu treten, was bräuchten wir dann noch die Gaga?

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