Rock
«The Wall» im Letzigrund: Eindrückliches Spektakel und ein Fehltritt

39000 Zuschauer sahen die Stadionversion von Roger Waters «The Wall» im Zürcher Letzigrund. Das Kommen hat sich gelohnt: Roger Waters ist es gelungen, die Wirkung der Songs und deren Inhalte nochmals zu verstärken.

Stefan Künzli
Merken
Drucken
Teilen
Roger Waters mit «The Wall» in Zürich
6 Bilder
Imposante Bühnendeko: Die Mauer, die im Letzigrund gebaut wurde, war 150 Meter breit.
Roger Waters als KZ-Häftling: Die Symbolwahl hat ihm im Vorfeld heftige Kritik eingetragen.
Waters und Mitstreiter: In der Stadionversion wirken die Songs nochmals stärker.
39000 Besucher waren begeistert, was der ehemalige Pink-Floyd-Bassist auf der Bühne zeigte.

Roger Waters mit «The Wall» in Zürich

Keystone

Gigantischer, imposanter und besser: Mit 150 Metern war die im Zürcher Letzigrund aufgebaute Mauer gleich doppelt so breit wie jene vor zwei Jahren im Hallenstadion. 39 000 Zuschauer wollten sich das aufgemotzte Stadionprojekt von Roger Waters «The Wall», dieses bedeutendste multimediale Werk der Rockgeschichte, trotz Kälte und einsetzendem Regen nicht entgehen lassen.

Es hat sich gelohnt, denn dem eben 70 Jahre alt gewordenen ehemaligen Bassisten von Pink Floyd ist es in der Stadionversion gelungen, die Wirkung der Songs und deren Inhalte nochmals zu verstärken. Insgesamt 20 Videoprojektoren haben Bilder, Filme und immer wieder den überlebensgrossen Waters auf die 12 Meter hohe Mauer projiziert, dabei aber die Visualisierung sowie den Ablauf der Bilderflut beruhigt und verlangsamt. Die Geschichte und Leiden des jungen Pink sowie die Botschaften von Komponist Roger Waters wurden damit noch deutlicher und für die Zuschauer besser nachvollziehbar.

Und dann, nach der Pause, schwebte das Schwein mit den umstrittenen Symbolen und der Aufschrift «Trust us» tatsächlich in die Letzi-Arena. Schon zuvor liess Waters im Video zu «Goodbye Blue Sky» Symbole von Ideologien, Kapital und Religionen wie Bomben aus Flugzeugen werfen. Im Verein mit Hammer und Sichel, dem Dollarzeichen, dem Mercedes-Stern und Shell, tauchte auch der Davidstern, das Symbol des Judentums, aber auch der islamische Halbmond und das christliche Kreuz, auf.

Roger Waters Symbolwahl hat schon im Vorfeld für Aufsehen gesorgt und ihm den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Er wolle damit gegen alle Formen von Terrorismus protestieren, sagte Waters in gebrochenem Schweizerdeutsch.