Swiss Music Awards
SMA-Direktor Oliver Rosa: «Das Kind hat schnell laufen gelernt»

Veranstalter Oliver Rosa über die ersten Schritte, die Nominierten und die Zukunft.

Mixhael Graber
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«Ich empfinde den Award überhaupt nicht als brav oder angepasst», sagt Oliver Rosa, der Präsident der Swiss Music Awards. SMA

«Ich empfinde den Award überhaupt nicht als brav oder angepasst», sagt Oliver Rosa, der Präsident der Swiss Music Awards. SMA

Oliver Rosa, die Swiss Music Awards (SMA) werden heuer zehn Jahre alt. Damit geht langsam, aber sicher die Kinderphase zu Ende. Hatten die SMA eine gute Kindheit?

Oliver Rosa: Ich würde schon meinen. Als wir vor zehn Jahren begonnen haben, wussten wir ja nicht, ob es überhaupt einen Bedarf gibt für einen solchen Award. Wir sind dann aber schnell gewachsen und konnten bereits nach drei Jahren zum ersten Mal in eine grössere Location ziehen. Und zudem mit der Fernsehübertragung ein grosses Publikum erreichen. Von dem her: Das Kind hat schnell laufen gelernt.

Also verlief alles komplett problemlos?

Kein Kind lernt laufen, ohne dass es auch mal stolpert oder umfällt. Wir haben in diesen zehn Jahren immer wieder Anpassungen gemacht. Sei es bei den Kategorien oder beim Reglement. Es war aber nie so, dass wir alles komplett umkrempeln mussten.

Während die SMA grösser geworden sind und laufen gelernt haben, ist parallel dazu die Musikindustrie weltweit komplett ins Straucheln gekommen. Ist da ein solcher Award überhaupt noch zeitgemäss?

Es ist ja nicht so, dass insgesamt weniger Musik gehört wird – halt einfach über andere Kanäle und nicht mehr ausschliesslich über Albenverkäufe. Denken Sie zum Beispiel an Streaming. Es gibt ja auch erfreuliche Entwicklungen: Der Anteil an Schweizer Musik am heimischen Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das wollen wir abbilden und auch entsprechend feiern.

Wenn man die Nominierten über die zehn Jahre anschaut, sieht man oft die gleichen Namen. Viel Stress und viel Bligg. Ist das nicht langweilig?

Das finde ich nicht. Die SMA bilden halt auch Konstanz ab. Wir wollen Karrieren begleiten. Zuerst sind Künstler bei den Newcomern nominiert, dann bei Best Hit oder bei Best Act. Beharrliche erfolgreiche Schaffer, deren Qualität sich durchsetzt, kann man doch nicht einfach ignorieren, nur weil sie bereits einmal einen Preis bekommen haben. Das ist auch in anderen Märkten so. Die Toten Hosen haben ein dutzend Echos, Robbie Williams ganze 18 Brit Awards gewonnen. Zudem: In diesem Jahr haben wir so viele Künstler und Bands, die zum ersten Mal nominiert sind wie noch nie in der Geschichte des SMA.

Wer sich mit Schweizer Musik auseinandersetzt, kennt die Nominierten in der SMA-«Best Talent»-Kategorie meistens schon etwas länger. Fehlt da manchmal der Mut?

Das glaube ich nicht. Dieses Jahr haben wir etwa mit Veronica Fusaro eine Künstlerin nominiert, die kaum jemand kannte. Man muss aber auch ehrlich sagen, dass es in der Schweiz selten raketenhafte Karrieren gibt, wo ganz schnell von null auf hundert durchgestartet wird – Lo & Leduc, die bei ihrer Premiere gleich drei SMA gewonnen haben, waren da eine Ausnahme.

10 Jahre SMA

Am nächsten Freitag um 20 Uhr werden im Hallenstadion in Zürich zum zehnten Mal die Swiss Music Awards verliehen. Erneut werden Künstler in diversen Kategorien ausgezeichnet. Meist sind dafür Jury- und Publikumsstimmen entscheidend. Daneben werden aber noch weitere Awards vergeben, so erhält etwa DJ Bobo dieses Jahr eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. Es treten auch diverse Künstler auf. Darunter Lo & Leduc und Álvaro Soler.

Neben Schweizer Künstlern werden jedes Jahr auch internationale Acts ausgezeichnet. Dabei kümmert es Coldplay doch herzlich wenig, ob sie einen SMA kriegen. Sind diese Kategorien einfach nötiges Beigemüse?

Wir bilden den Musikmarkt in der Schweiz ab. Und der Grossteil der hierzulande verkauften und gespielten Musik wird immer noch von ausländischen Musikern gemacht. In der Livesendung haben wir jedoch gerade einmal einen internationalen Preis. Der Fokus liegt klar auf Schweizer Musikern.

Nach der Kindheit geht es jetzt langsam auf die Pubertät zu. Werden die SMA jetzt rotzig und frech?

Dazu gibt es eigentlich keinen Grund. Ich empfinde den Award auch überhaupt nicht als brav oder angepasst. Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass es nicht langweilig wird. Dieses Jahr haben wir etwa ein neues Moderationsduo. Das Publikum daheim am Fernseher hat einen tiefen Altersdurchschnitt, wir scheinen also die Zielgruppe gut zu erreichen.