Nervös sitzt sie auf einem der über tausend samtenen Sitze im Musical Theater Basel, lächelt verschmitzt und verlegen zugleich: die erst neunjährige Nalisara Gutter. Das Mädchen aus dem Gundeldinger Quartier singt in der neuen «Evita»-Produktion mit, die gestern in Basel Premiere feierte. «Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht», sagt das Mädchen voller Ehrfurcht. Wenige Stunden vor der Vorstellung ist Nalisara angespannt: Ihre Grosseltern werden bei der Premiere dabei sein und es ist ihr erster Auftritt auf einer Bühne.

Englisch proben? – kein Problem

Noch ist es aber nicht so weit. Hinter der Bühne rennen unzählige Mädchen mit Zöpfen an ihre Ausgangspositionen. Die insgesamt 24 Statisten und Statistinnen gruppieren sich zu einer Zweierkolonne, pressen die Hände vor der Brust zusammen und treten als Trauergesellschaft auf die Bühne. Die Stellprobe ist die erste und letzte Probe dieser Art, und sie findet nur wenige Stunden vor der Premiere statt. Ensemble-Mitglied Lewis Barnshaw nimmt Nalisara an der Hand. Auf Englisch gibt er ihr Instruktionen: «Hier bleibst du stehen, dann singst du, wirst vom Pfarrer gesegnet und gehst nach hinten ab.» Immer wieder geht Barnshaw den Ablauf mit Nalisara und den anderen Darstellerinnen durch. Die Mädchen verstehen die Prozesse schnell. Teils selbst englischsprachig, sind sie auf die Übersetzerinnen, die ihnen jeweils auf Deutsch die Anweisungen präzisieren, kaum angewiesen.

Aufnahmen von der Hauptprobe des Musicals Evita

Aufnahmen von der Hauptprobe des Musicals Evita

Vorbereitung auf «The Voice»

Im Hintergrund wird derweil das Bühnenbild umgebaut. Grosse Säulen schweben von der Decke gegen den Boden. Später müssen sie einem Balkon mit geschnörkeltem Geländer weichen. Die Hauptdarstellerin Emma Hatton stützt sich auf das Geländer und singt in Trainerhose und Turnschuhen noch einmal «Don’t cry for me Argentina». Für Nalisara und die zwei anderen Mädchen, die sich ihre Rolle aus rechtlichen Gründen teilen, ist die Ehre gross: Sie stehen mit einem Profi-Ensemble aus London auf der Bühne.

Nicht alle sind vor dem grossen Auftritt gleich aufgeregt. Die neunjährige Alycia-May Bunch aus Birsfelden gibt sich bereits routiniert: «Ich weiss, dass nichts passieren kann», sagt sie selbstsicher, «beim Casting war ich nervöser.» Das rothaarige Mädchen geniesst seinen Platz in der Theaterwelt sichtlich. Demnächst wird Alycia-May an einer Vorausscheidung zur deutschen Talentshow «The Voice» teilnehmen. Die Musical-Aufführungen in Basel sind für sie auch eine gute Vorbereitung auf diesen wichtigen Moment. Umso bedeutsamer ist für sie deshalb die Unterstützung aus dem Umfeld: «Die ganze Schulklasse drückt mir die Daumen», strahlt sie.

Arbeit hat Vorrang

Wenig später beginnt die offizielle Hauptprobe. Alycia-May und Nalisara treten ohne zu zögern auf die Bühne. Die Eltern im Publikum hören gebannt zu, wie ihre Töchter mit sanfter, noch kindlich anmutender Stimme das «Santa Evita» singen. Sind die Nachwuchstalente einmal nicht auf der Bühne, gibt es Kostümproben, Applausproben und Interviewtermine. Den Mädchen bleibt kaum eine freie Minute. Gemotzt wird deswegen aber nie: Geduldig lassen sich die jungen Sängerinnen dabei filmen, wie sie sich die Haare flechten. Nur die Mütter, die hinter den Kulissen herumschwirren, müssen zuwarten. Für eine Sandwichpause haben ihre Kleinen gerade keine Zeit: Die Arbeit hat Vorrang.

«Evita» im Musical Theater Basel, bis zum 16. Juli. www.ticketcorner.ch