Pop
«Selbst in Brasilien hört man unsere Musik»

Die Zürcher Sängerin Valeska Steiner (27) spielt heute Abend mit Sonja Glass im Duo Boy am Blue Balls Festival. Steiner war zuvor noch nie am Festival, aber vor vielen Jahren einmal im KKL Luzern. Sie hat eine gewisse Ehrfurcht vor dem Saal.

Pirmin Bossart
Drucken
Teilen
Sonja Glass, 36 (l.) und Valeska Steiner, 27 (r.) bilden das kongeniale Team Boy. Marco Sensche

Sonja Glass, 36 (l.) und Valeska Steiner, 27 (r.) bilden das kongeniale Team Boy. Marco Sensche

Valeska Steiner, Sie sind mit Boy dieses Jahr schon in den USA und in Japan aufgetreten. Jetzt sind Sie am Blue Balls zu hören. Wie fühlt sich das an?

Valeska Steiner: Ich war selber noch nie am Blue Balls, aber vor vielen Jahren einmal im KKL Luzern, wo ich ein klassisches Konzert mit meinem Vater besucht habe. Natürlich hätte ich damals nie geträumt, dass ich mal selber auf dieser Bühne stehen würde. Ich habe schon eine gewisse Ehrfurcht vor dem Saal – dort spielen zu dürfen, ist schön und aufregend. Ich bin sowieso immer am aufgeregtesten, wenn wir in der Schweiz auftreten.

Boy

Die Zürcherin Valeska Steiner (27) und die Hamburgerin Sonja Glass (36) sind Boy: Gegründet im Jahr 2007, sorgt das Popduo spätestens seit Erscheinen seines Debütalbums «Mutual Friends» (2011) auch international für Furore. Am diesjährigen Blue Balls Festival sind Boy auf den Hauptbühnen die einzige Formation mit Schweizer Beteiligung. (NCH)

Sie sind mit Boy in kurzer Zeit sehr erfolgreich geworden. Haben Sie pickelhart darauf hingearbeitet, oder hat sich das unerwartet so ergeben?

Wir haben sicher pickelhart gearbeitet, aber nicht im Hinblick auf einen solchen Erfolg. Dahinter stand unser Traum, Musik zu machen und sie so zu spielen, wie wir sie wollen, und etwas entstehen zu lassen, in dem wir uns wiederfinden. Wir hätten nie gedacht, dass wir damit so viele Leute erreichen. Mit der Musik so weit herumreisen zu können, ist ein wahnsinniges Geschenk. (Lacht). Ich empfinde das bis heute noch nicht als normal.

Sie sind im August wieder in Japan auf Tour, im Oktober den ganzen Monat in den USA und in Kanada – ein Musikerinnenleben, wie Sie es sich immer vorgestellt haben?

Ich hatte gar nie so eine konkrete Vorstellung, wie das sein könnte. Sonja Glass war vor Boy schon länger als Musikerin mit Bands unterwegs. Für sie waren lange Touren und das Auftreten vor viel Publikum weniger neu als für mich. Trotzdem ist es auch für sie etwas Besonderes, das jetzt mit der eigenen Band und der eigenen Musik zu erleben.

Haben Sie ein besonderes Erlebnis, an das Sie sich gerne erinnern?

Ich denke an unsere USA-Konzerte diesen Frühling. du bist weit weg von zu Hause, und dann springt dieser Funke, und die Leute singen die Songs mit. Das war sehr bewegend. In letzter Zeit erhalten wir auch viele Reaktionen aus Brasilien, obwohl wir noch gar nie dort gespielt haben. Es ist faszinierend, wie man im Zeitalter von Internet mit der Musik so viele Leute irgendwo auf der Welt ansprechen kann.

Wie schreiben Sie Ihre Songs? Gibt es da eine klare Arbeitsteilung zwischen Sonja Glass und Ihnen?

In der Regel erarbeitet Sonja einen neuen Song als instrumentale Grundversion, die schon ziemlich ausformuliert ist. Sie schickt mir ihren Vorschlag dann via E-Mail. Dann lege ich eine Melodie mit einem Text darüber. So geht das hin und her. Am Schluss setzen wir uns mit dem Produzenten Philipp Steinke zusammen und machen den Song fertig.

Für das zweite Album ist die Erwartungshaltung zweifellos hoch. Wie gehen Sie damit um?

Das geht eigentlich gut. Wir erwarten ja auch von uns selber viel. Das neutralisiert diesen Druck von aussen. Entsprechend lange dauert es, bis wir zufrieden sind. Wir haben sehr lange an unserem ersten Album gearbeitet, bis es für uns gestimmt hat. Zum Glück geht unsere Plattenfirma sehr entspannt mit dem zweiten Album um. Sie sitzt uns nicht im Nacken oder setzt uns mit ihren musikalischen Erwartungen unter Druck.

Wann kann man mit dem neuen Album rechnen?

Da kann ich noch nichts Konkretes sagen. Wir haben schon begonnen, an neuen Songs zu arbeiten, aber es steht uns auf jeden Fall noch viel Arbeit bevor. So nutzen wir die weitgehend tourfreien Wochen im August und September, um weiterzuschreiben.

Sie sind oft wochenlang auf Tour. Gibt es da nie ernsthafte Konflikte?

Es ist wichtig, dass man sich nicht nur musikalisch nahe ist, sondern auch persönlich mag. Das hat von Anfang an gestimmt. Wir sind verschieden, aber wir ergänzen uns auch und wissen die besonderen Qualitäten des andern zu schätzen. Natürlich diskutieren wir viel. Das bleibt aber immer bei inhaltlichen Sachen. Die Chemie zwischen uns stimmt – ich hoffe, wir können noch lange so gut miteinander arbeiten.

Aktuelle Nachrichten