Open Air Basel

Ob das Wetter auch Bilderbuch wird?

Kommen mit ihrem neuen Album «Magic Life» nach Basel: Die österreichische Band Bilderbuch.

Kommen mit ihrem neuen Album «Magic Life» nach Basel: Die österreichische Band Bilderbuch.

Das Open Air Basel lockt mit Bands wie Archive und Bilderbuch – und dauert erstmals drei Abende.

Es ist bereits zur Tradition geworden: das Open Air Basel, das seit sieben Jahren mitten in der Stadt stattfindet. Gegen Ende der Schulferien sorgt es für ein Feuerwerk auf dem Kasernenareal, richtet sich aber eher an Tattoo-Träger denn an Tattoo-Besucher. Ein Hipster-Defilee als Kontrast zur Militärmusikparade, die hier zuvor über die Bühne gegangen ist.

Indie-Hits verspricht auch der Jahrgang 2017. Mit Bilderbuch steht eine der angesagtesten deutschsprachigen Bands auf dem Programm. Seit ihrem gefeierten Gastspiel vor zwei Jahren im Basler Hinterhof haben die Österreicher nochmals an Popularität zugelegt. «Bungalow» vereint sexy Beats mit schillernder Ironie und einem Schuss Nonsense. Seit Falco hat kein österreichischer Act so verführerisch Schmäh und Weltmännigkeit auf den Dancefloor gebracht.

Premiere von Chinese Man

Erstmals überhaupt gastiert das französische Kollektiv Chinese Man im deutschsprachigen Raum. In ihrer Heimat haben die Männer aus Marseille ihre Tracks aus Trip-Hop, Dub und Hip-Hop bereits mehrfach in die Charts gemixt, am Westschweizer Paléo Festival standen sie schon auf der Hauptbühne, nun präsentieren sie ihren eklektischen Sound einem neuen Publikum.

Bestens eingeführt in Basel sind hingegen Archive: Der progressiv gefärbte Trip-Hop der Briten hat hier schon mehrfach die Hallen gefüllt, ein sicherer Wert, darf man annehmen.

Strebt Festivalchef Sandro Bernasconi mit diesen namhaften Bookings einen neuen Besucherrekord an? «Nein das ist nicht unser Ziel. Am wichtigsten ist, dass wir die Zahlen der Vorjahre halten können, also rund 5000 Eintritte», sagt er.

Wüstenblues zum Festivalstart

Eine Steigerung liegt durchaus in der Luft, denn das Open Air Basel erstreckt sich heuer über drei Abende. So beginnt es neu bereits am Donnerstag mit Auftritten von Denner Clan (Basel), Fai Baba (Zürich) und Bombino. Letzterer, ein Tuareg-Musiker, hypnotisierte das Publikum bereits vor zwei Jahren, als er seinen Wüstenblues auf dem Floss abfeuerte.

Die Erweiterung des Festivals macht aus Veranstaltersicht nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell Sinn: Denn die Kosten eines solchen Freiluftanlasses sind im Vergleich zu Clubkonzerten deutlich höher: Das Gelände muss festivaltauglich gestaltet, eine Infrastruktur aufgebaut, Material gemietet werden. Auch wenn das Open Air eng mit der Kaserne Basel verknüpft ist: Die Bühne stammt nicht aus dem Inventar des Dreispartenhauses, sie wird gemäss Bernasconi eigens gemietet - und in diesem Jahr grösser denn je, da der Platzbedarf höher ist: Mit Bilderbuch und Chinese Man fahren gleich zwei Acts am selben Abend mit eigenen Bühnenbildern auf.

Nun, da das Areal einen Tag länger bespielt werden kann, rechnet sich der Logistikaufwand eher. Diese Entwicklung ist landesweit sichtbar: Das Zurich Open Air etwa beginnt mittlerweile am Mittwoch und dauert vier Abende, auch die grossen Schweizer Open-Air-Klassiker, St. Gallen oder Gurten, haben ihre Festivalstarts in den letzten Jahren vorverlegt um die Infrastruktur besser amortisieren zu können.

Äusserst faire Eintrittspreise

«Das Festival soll organisch wachsen, sich gesund entwickeln», sagt Bernasconi. Strebt er einen höheren Gewinn an? Ja, aber fürs Publikum, entgegnet er und verweist auf die bewusst tief angesetzten Eintrittspreise: Der Eröffnungsabend kostet lediglich 15 Franken Eintritt, der Dreitagespass 65 Franken (im Vorverkauf).

Der vorgezogene Festivalstart solle gerade auch als Dankeschön ans Quartier verstanden werden: «Wir haben die direkten Anwohner eingeladen», sagt Bernasconi, darauf bedacht, dass das Stadtfestival bei Anwohnern nicht für Unmut sorgt, sondern auf Goodwill stösst.

Aus diesem Grund ist das Gelände tagsüber weiterhin für alle zugänglich: «Nomidance» heisst das Nachmittagsprogramm, das gratis ist und sich auch an Familien richtet. Zum Rahmenprogramm gehören Workshops, darunter ein Bier-Sommelierkurs (ja, das dann eher für Erwachsene).

Damit nicht genug: Auch am Abend erwarten die Besucher Neuerungen, so etwa die mobile Unterhaltung zwischen den Bühnenkonzerten: Die Reihe «Mitten in der Woche» bringt Basler Musiker mitten ins Gelände, Bands wie We Invented Paris oder Gorki Gagarin werden die Umbaupausen im Publikum überbrücken.

Open Air Basel auf dem Kasernenareal. 10. bis 12. August. www.openairbs.ch

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