Es beginnt mit einem Gitarrenriff, das an eine schneller abgespielte Version von «Get it on» erinnert, den Glamrock-Klassiker von T. Rex. Eine Stimme peitscht die Band und den Zuhörer an: «Let’s go, let’s take it!», so die Aufforderung, und: «It’s easy when you Rock ’n’ Roll, it’s easy when you lose Control». Hört sich nach einem jungen Mann an, der hier den Kontrollverlust heraufbeschwört. Jugendlicher Übermut? Könnte man meinen. Dabei handelt es sich vielmehr um eine vom Aussterben bedrohte Spezies: Um einen der letzten unverwüstlichen Rock ’n’ Roller Basels, der sich von den 80er-Jahren bis in die Gegenwart gerettet hat: Anthony Thomas.

30 Jahre ist er mit seiner Band The Lombego Surfers im Musikgeschäft. Eine kleine Ewigkeit. Von Müdigkeit aber keine Spur, so der Eindruck, den man angehörs seines neuen Albums gewinnt. Eine Erklärung für die Frische findet sich in der Produktionsweise: Die 12 Songs wurden in vier Tagen eingespielt, ohne Overdubs, ohne Schnörkel, aber mit Verve.

Die Liebe zur Musik und den Einsatz für diese hat man zuletzt im eindrücklichen Dokumentarfilm «Tony, You Rock» erfahren können. Matthias Willi begleitete Anthony Thomas auf Tour und schuf 2016 eine Hommage, die offenlegte, welche Opfer der Mann noch immer erbringen mag.

Frischzellenkur

Unvergesslich: Der berührende Moment, als dieser ältere Mann nach einem schweisstreibenden Konzert in einer ostdeutschen Wohnung seinen alten Schlafsack auspackt, ausrollt und ihn über ein abgewetztes Sofa legt. Ohne zu klagen. Man fragt sich voller Bewunderung: Warum tut sich der Mann das noch immer an? Und man spürt: weil er es nicht lassen kann.

«Heading Out» ist das mittlerweile elfte Album der Lombego Surfers. Es vereint viele Markenzeichen dieser mitreissenden Nischenplayer: Gradlinige Prä-Punk-Songs, Surf-Instrumentals aus der Garage, feines Artwork und unbeirrbare Attitüde. Der dritte Song auf dem Album trägt den Titel «I Ain’t Gonna Calm Down», und der juvenile Trotz ist durchaus programmatisch. Solange es die Gesundheit zulasse, sagt Thomas bei einem Kaffee, denke er nicht ans Aufhören. Flügel verleihe ihm die Band im Rücken. «Die Lautstärke, der Sound fährt durch den ganzen Körper und gibt mir Energie.»

Hat ihn auch der Film beflügelt? Durchaus, sagt er, ihm sei erst durch den Film bewusst geworden, was er alles gemacht habe. «Und ich merkte erst da, dass wir es geschafft haben, auf unsere ganz eigene Art.» Anthony Thomas sagt das mit sanfter Stimme, ohne jegliche Allüren oder Arroganz. Bescheiden der Typ, bestimmt aber, was seine Liebe zur Musik angeht. Die Bodenhaftung hat er nie verloren. Und immer wieder eine Frischzellenkur erlebt. Im Studio etwa spielte Luc Montini Bass anstelle von Pascal Sandrin, der sich auf die Tour konzentrieren wird.

Und so altgedient der Name Lombego Surfers ist, Premieren gibt es auch nach knapp 30 Jahren noch zu feiern. Zum Beispiel jene des ersten Videoclips. Oder die auf 300 Stück limitierte, grosszügig ausgestattete Edition des Albums, die im Rahmen des Record Store Days erhältlich sein wird. Let’s go, let’s take it!

Record Store Day:  Plattfon Records, Feldbergstrasse 48, Basel. Samstag, 21. 4., 12 bis 18 Uhr

Plattentaufe:  Kaschemme, Basel. Samstag, 21. 4., 21 Uhr.