Hanery Amman war ein Wrack. Vor acht Jahren wurde bei der Mundart-Legende Lungenkrebs diagnostiziert. Ein erster Eingriff brachte nicht die erhoffte Erleichterung. Vollgepumpt mit Antibiotika, plagten ihn Fieber und eine permanente Lungenentzündung. Einmal pro Monat musste der Lungenflügel unter Vollnarkose gereinigt werden. Eine Tortur.

Amman gab zwar selbst in dieser Verfassung Konzerte, doch seine angeschlagene Gesundheit bremste seine Kreativität und Produktivität. 15 lange Jahre hatte der Komponist von Mundart-Klassikern wie «D’Rosmarie und i», «Teddybär», «Die gfallene Ängel» oder der Hymne «Alperose» kein Album mehr veröffentlicht. So konnte es nicht weitergehen.

Im Sommer 2013 folgte die Operation. Der Lungenflügel musste raus. Doch die Verunsicherung danach war gross. «Ich hatte nur noch halb so viel Luft und wusste nicht, ob ich überhaupt noch singen und Konzerte durchstehen konnte», sagt er. Erste Test-Gigs Ende 2013 und 2014 verliefen aber überraschend gut – und immer besser. «Wir hatten ein Notprogramm zusammengestellt», erzählt er, «wenn mir die Luft fehlen sollte, hätte ich einfach mehr Klavier gespielt». Doch das war nie nötig.

Konzerte mit einer halben Lunge

Über dreissig Konzerte hat der 62-Jährige seit seiner Operation inzwischen gegeben und es werden immer mehr. Weitere dreissig folgen auf der laufenden Comeback-Tournee bis Ende April. «Es ist wirklich erstaunlich», sagt er nicht ohne Stolz, «zweieinhalb Stunden mit einer halben Lunge. Das hätte ich nie gedacht. Die Konzerte helfen mir. Über die Musik und das Publikum tanke ich Energie. Ich fühle mich fast wie neugeboren».

Tatsächlich hat man den Berner Oberländer nicht vergessen. Die Hälfte der Konzerte durch die Schweiz ist ausverkauft. Die Konzerte führen durch drei Epochen seiner inzwischen 43-jährigen Musikerkarriere. Mit Songs aus der Zeit von Rumpelstilz, mit den Hits aus seiner Solokarriere sowie neuen und unveröffentlichten Songs. «Es ist wirklich eine Freude, wie wir von den Leuten empfangen werden», sagt er.

Hanery Amman blüht auf, und die grosse Nachfrage hat den Schaffensdrang geweckt. So arbeitet er zwischen den Konzerten gleich an zwei Album-Projekten. Das eine mit seiner langjährigen Band mit Gitarrist und Sänger Mägi Koch, Gitarrist Andy Mauer, dem Original-Stilz-Bassist Sam Jungen und Schlagzeuger Timo Wüthrich. «Wir sind fast fertig, wir sind am Optimieren, Abmischen und Mastern von zwölf Songs. Alles neue und bisher unveröffentlichte Songs», verrät Amman und verspricht dazu eine dicke Überraschung.

Klavier-Album in Planung

Im zweiten Projekt geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Der begnadete Pianist arbeitet an einem reinen Klavier-Album. «Es klingt teilweise fast klassisch», sagt Amman. Instrumentalmusik, angereichert mit Elementen von Jazz, Improvisation und vielen Amman-Themen. Typisch Hanery halt. Begleitet wird er vom Perkussionisten und Schlagzeuger Andi Pupato (Andreas Vollenweider, Nik Bärtsch, Thierry Lang u.v.a.) und vielen Gästen. Die Feuertaufe erlebte das akustische Instrumentalprojekt im letzten November an der Kunstnacht in Brienz. Amman hofft, dass beide Alben noch in diesem Jahr erscheinen können.

Polo Hofer (69) und Hanery Amman haben als Mundart-Pioniere Schweizer Musikgeschichte geschrieben. Die beiden bildeten den kreativen Kern der Rumpelstilz (1971–1979), doch nicht wenige Szene-Kenner sind der Meinung, dass Polos beste Songs eigentlich von Hanery stammen. Der Pianist, Komponist und Sänger stand aber immer etwas im Schatten des extrovertierten Sängers. Die Ironie der Geschichte: Während die eine Mundart-Legende abtritt und seine Abschiedstour vorbereitet, will die andere jetzt erst richtig durchstarten. «Ans Aufhören denke ich noch lange nicht», sagt Amman, «es hat doch erst angefangen.»

Live 20.2. Baden Nordportal; 21.2. Burgdorf Maison Pierre; 6.3. Bern Jetläg; 20.3. Baronessa Lenzburg. Weitere Konzerte unter www.hanery.ch