Star-DJ und Producer Tim Bergling, alias Avicii, ist im Alter von 28 Jahren gestorben. Das berichtet billoboard.com unter Berufung auf seine Managerin.

Der Schwede sei am Freitagnachmittag tot in Muskat, der Hauptstadt von Oman, aufgefunden worden. «Die Familie ist am Boden zerstört, wir sind in Tiefer trauer», teilt sein Management mit. Die Hintergründe seines Todes sind noch völlig unklar. 

Das letzte Bild von Avicii

Nichts deutete offenbar auf seinen Tod hin. Avicii war laut der schwedischen Zeitung Aftonbladet in Oman in den Ferien. Ein Freund berichtet: «Er fühlte sich gut und war glücklich». Vor drei Tagen postete das «Muscathill Resort» ein Foto des Superstars. Es zeigt ihn lächelnd zusammen mit Freunden, er sieht fit aus. 

Im August 2014 sprach er mit dieser Zeitung über seinen Traumberuf und über den entscheidenden Moment, in dem er sich in die elektronische Musik verliebte. 

Shows mit Madonna und Coldplay

Der Sohn der prominenten schwedischen Schauspielerin Anki Linden war einer der ersten DJs, der es schaffte, mit elektronischer Tanzmusik in den Mainstream vorzudringen. Mit dem Song «Levels» gelang Avicii 2011 der weltweite Durchbruch. Sein Megahit «Wake me Up» wurde 2013 zum Sommerhit des Jahres gekürt.

Avicii galt als einer der erfolgreichsten Musikmixer der Elektropopbranche. Er arbeitete mit Chris Martin (Coldplay), Jon Bon Jovi, Robbie Williams und Madonna zusammen.

2015 legte Avicii sogar bei der Hochzeitsfeier des schwedischen Prinz Carl Philip und dessen Frau Sofia auf. "Wir haben ihn als Künstler und als wunderbarer Mensch, der er war, bewundert", erklärte das Paar. Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven nannte Avicii "einen der grössten Namen der Musik in Schweden in der modernen Zeit".

Das britische "DJ Magazine" kürte ihn 2012 und 2013 zum drittbesten Discjockey. Auf der Top-100-Liste war er 2017 noch auf Platz 28.

«Wake me up»

2014 räumte Avicii zwei Trophäen beim wichtigsten deutschen Musikpreis Echo ab: für "Wake Me Up" als "Hit des Jahres", ausserdem gewann er in der Kategorie "Künstler Electronic Dance Music".

Einige Monate später gab er kurz nach seinem 25. Geburtstag bekannt, dass er alle seine Auftritte und PR-Aktivitäten bis auf Weiteres absage. Als Grund nannte sein Management seine angeschlagene Gesundheit. Bilder des abgemagerten DJs hatten davor für Aufsehen gesorgt. Später kehrte er wieder auf die Bühne zurück.

Avicii hatte 2016 eine Tour-Pause angekündigt. «Es ist ein grosses Privilieg, um die Welt reisen und überall auftreten zu können. Aber ich habe zu wenig Zeit für mein eigenes Leben», sagte er damals. Später kündigte er seine Rückkehr an und brachte 2017 eine EP raus. 

«Das Live-Ende bedeutete nie das Ende von Avicii oder meiner Musik. Stattdessen ging ich zurück zu dem Ort, an dem alles einen Sinn ergab - das Studio.»

"Diese Szene ist nichts für mich", sagte er damals dem Magazin "Billboard". Nicht die Auftritte seien das Problem gewesen, sondern das Drumherum. "Alles, was noch dazu gehört, wenn man ein Künstler ist." Er sei im Grunde eher ein introvertierter Mensch, sagte er. "Es war immer sehr hart für mich."

Erst vor wenigen Tagen hatte er bei Facebook geschrieben, er fühle sich geehrt, für die Billboard Music Awards 2018 nominiert zu sein. Auf keinen Fall solle man die Show im Mai verpassen. 

Wiederholte Alkoholexzesse

Avicii sorgte aber in der Vergangenheit immer wieder mit seinem exzessiven Alkoholkonsum für Schlagzeilen. So erlitt er 2014 eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse und musste sich 2016 den Blinddarm und die Gallenblase entfernen lassen, wie citynews schreibt. 

Der Name Avicii stammt aus dem Sanskrit und geht auf den Buddhismus zurück. Das Wort Avici bezeichnet die tiefste Ebene der Hölle. Aus stilistischen Gründen fügte der Künstler ein zusätzliches "i" hinzu.

Zu früh gegangen

Madonna veröffentlichte auf der Online-Plattform Instagram ein Foto von sich und Avicii und schrieb dazu: "So tragisch. Auf Wiedersehen lieber süsser Tim. Zu früh gegangen." David Guetta erklärte auf Twitter, die Welt habe "einen unglaublich talentierten Musiker verloren". "Danke für deine schönen Melodien und für die Zeit, die wir gemeinsam im Studio verbracht haben." Popstar Charlie Puth twitterte, Avicii sei "ein Genie und ein Musikerneuerer, und ich kann es nicht fassen, dass er nicht mehr unter uns ist".

Diese Prominenten verstarben im 2018:

Mehrmals war in der Szene gemunkelt worden, Drogen oder sein exzessiver Alkoholkonsum seien schuld an den gesundheitlichen Problemen des Produzenten und Dancemusic-DJs. Das Management von Avicii berief sich auf Nachwirkungen einer Blinddarmoperation, welche der Schwede zuvor über sich hatte ergehen lassen müssen. Möglich ist aber auch, dass dem 25-Jährigen schlicht der Rummel zu viel geworden war.

«Hey Brother»

2015 veröffentlichte Avicii diverse Produktionen und das Album «Stories». Nach seinem Auftritt beim Ultra Music Festival kündigte Avicii Ende Februar 2016 auf seiner Website das Ende seiner Bühnenkarriere an, die Tour 2016 sei demnach seine letzte. «Es ist ein grosses Privileg, um die Welt reisen und überall auftreten zu können. Aber ich habe zu wenig Zeit für mein eigenes Leben», sagte er damals laut BBC. Vermutlich spielten gesundheitliche Aspekte eine Rolle. Dem Musikgeschäft blieb er jedoch erhalten.

Auf seiner Homepage ist ein früheres Statement zu lesen, in dem es heisst, er trete zwar nicht mehr live auf - aber: "Das Live-Ende bedeutete nie das Ende von Avicii oder meiner Musik. Stattdessen ging ich zurück zu dem Ort, an dem alles einen Sinn ergab - das Studio."

2017 veröffentlichte er sein drittes Mini-Album «Avici». Weitere wären für 2018 geplant gewesen. Erst vor wenigen Tagen hatte er bei Facebook geschrieben, er fühle sich geehrt, für die Billboard Music Awards 2018 nominiert zu sein. Auf keinen Fall solle man die Show im Mai verpassen. Seit 1990 werden die Billboard Music Awards jährlich von dem gleichnamigen Fachmagazin verliehen, sie basieren grösstenteils auf Chartplatzierungen.

(amü/sga/edi/sda)