Montreux
Mit Claude Nobs verlieren die Festivalbetreiber ihre Inspirationsquelle

Der Name Claude Nobs steht für ein Wort: Inspiration. Darin sind sich Schweizer Festivalveranstalter einig. Die einen verlieren mit Nobs einen guten Freund, die anderen einen Kollegen, der revolutionäre Ideen hatte.

Michael Hugentobler
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Claude Nobs am Montreux Jazz Festival 2007 (Archiv)

Claude Nobs am Montreux Jazz Festival 2007 (Archiv)

Keystone

Die Webseite des Blue Balls Festivals in Luzern begrüsst Besucher dieser Tage mit einem grossen schwarzen Quadrat, und darin weisse Buchstaben: «Lieber Claude, danke für die Musik, danke für die Inspiration, danke für die magischen Momente.»

Eine Ausnahmeerscheinung

Der Direktor des Blue Balls Festivals, Urs Leierer, kannte Claude Nobs seit einigen Jahren persönlich. «Er war eine Ausnahmeerscheinung in dieser Branche», sagt er. Er kenne niemanden, der mit ähnlich viel Engagement und Herzblut hinter einer Sache stand. «Das wird in die Geschichte eingehen und etwas Ähnliches wird wohl niemand mehr schaffen.» Nobs hinterlasse eine grosse Lücke.

Auch auf der Webseite des Gurtenfestivals ist ein Nachruf auf Claude Nobs zu lesen: «Er war ein Pionier und verwirklichte seine Visionen – wir danken ihm für die schönen Momente, die wir an seinen Konzerten erleben durften.» Philippe Cornu, Programmleiter des Gurtenfestivals, sagt: «Claude Nobs hat viele von uns inspiriert.» Ihm seien Dinge gelungen, die manche für unmöglich oder nicht realisierbar hielten: dass beispielsweise ein Musiker einen ganzen Abend selbstständig gestalte. «Er war ein leidenschaftlicher Musikliebhaber, schuf mit Montreux eine weltweit bekannte Marke – Claude Nobs war selbst ein Künstler», so Cornu.

Mit Gitarrist Niles Rodgers (l.) und Jazz-Sängerin Randy Crawford 2007 in Montreux.
7 Bilder
1967 ist er bereits Feuer und Flamme.
Als Begleiter des grossen B.B. King (links).
Enthusiastisch im Jahr 1988 mit Gitarrist Steve Cropper und den Blues Brothers.
Ganz in Weiss mit Santana im Jahr 2011.
Claude Nobs mit Grössen aus der von ihm geliebten Musikbranche.
Quincy Jones huldigt seinem verstorbenen Freund.

Mit Gitarrist Niles Rodgers (l.) und Jazz-Sängerin Randy Crawford 2007 in Montreux.

Keystone

Mit viel Herzblut dabei

Auch Matthias Müller, Präsident der Avo Session Basel, ist ein Bewunderer. «Wenn jemand etwas über mehrere Jahrzehnte aufbaut und am Leben erhält, finde ich das sehr beeindruckend», sagt Müller. An Nobs und seinem Festival bewundere er auch, dass Nobs stets eine klare Linie vorgab, was der Grund für seinen weltweiten Bekanntheitsgrad war: «Claude Nobs hatte eine Handschrift.» Bei jedem Besuch in Montreux habe Müller wieder etwas über die Art und Weise gelernt, wie man ein Festival erfolgreich führe. «Nobs war mit so viel Herzblut dabei, dass man nur noch staunen konnte.»

Für den Aargauer Leiter des Heitere Open Airs, Christoph Bill, bleibt Claude Nobs als Mensch in Erinnerung, der die ganze Branche prägte: «Dank ihm und wenigen anderen hat sich dieses Genre überhaupt etabliert – nicht nur in der Schweiz, sondern auch international.» Als Nobs in Montreux angefangen habe, seien Hallenkonzerte üblich gewesen, aber kaum grosse Festivals. «Daher geht mit ihm sicherlich ein Pionier verloren.»

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