Musik
Michel Teló liefert den Sommerhit schon im Frühling ab

In seiner Heimat Brasilien war die Single «Ai se eu te pego» schon im vergangenen Sommer ein Hit. Hierzulande wurde der Song, der Frauenherzen höher schlagen lässt, zum Sommerhit im Winter.

Reinhold Hönle
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Für Michel Teló nichts Besonderes, denn der bescheidene Jüngling mit dem sympathischen Lächeln ist älter als man vermuten würde und bereits seit 15 Jahren als Sänger und Musiker erfolgreich. Ausserhalb Südamerikas wäre dies allerdings vermutlich weiter unbemerkt geblieben, wenn nicht Youtube-Videos um die Welt gegangen wären, auf denen das FC-Santos-Supertalent Neymar in der Spielerkabine und Real Madrids Topstar Cristiano Ronaldo nach einem Tor auf dem Platz den Tanz zum Hit nachahmten. Nun steht «Ai se eu te pego» auch in Europa seit Wochen an der Spitze der Single-Charts.

Song übers Schwachwerden

«Wenn ich dich kriege» heisst der Titel übersetzt und handelt von der Zerrissenheit des Interpreten, der sich einerseits freut, dass er sich traute, das schönste Mädchen der Disco anzusprechen, anderseits aber weiss, dass ihn seine Freundin umbringt, falls er schwach wird. Teló betont, dass der Song nicht auf eigenen Erfahrungen beruht. Seine Scheidung habe andere Gründe gehabt. «Ich hatte einfach zu viel Arbeit und zu wenig Zeit für die Beziehung», erklärt er. «Zudem habe ich das Lied nicht selbst geschrieben. Ich habe es auf einer Tournee im Nordosten Brasiliens gehört und die Komponistin gebeten, es aufnehmen zu dürfen. Sie hat sofort zugestimmt, da sie wusste, dass ich schon manchen Hit hatte.»

Kein Klischee-Brasilianer

Teló wuchs im Bundesstaat Paraná, im Süden Brasiliens, auf. Seinen hellen Teint, die blonden Haare und blauen Augen, die nicht dem Klischee-Bild des Brasilianers entsprechen, habe er von den Grosseltern, die aus Italien eingewandert seien, ebenso wie die Freude am Singen. Als er mit zehn Jahren von seinem Vater das Akkordeon, das heute sein Erkennungszeichen ist, geschenkt bekam, hat ihn die Musikleidenschaft endgültig gepackt. Als 12-Jähriger gründete er seine erste Band. Ab 1997 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Leadsänger von Grupo Tradição, die mit einer Verbindung aus lokaler Volksmusik und Pop populär wurde. Vor vier Jahren schlug der «brasilianische Bligg» eine Solokarriere ein. Nach einem Studio- und einem Livealbum ging er 2011 auf Tournee, gab 240 Konzerte und soll damit gemäss «Forbes» 17 Millionen Dollar verdient haben.

Während der Gipfelsturm des ansteckend fröhlichen Ohrwurms «Ai se eu te pego» in Brasilien alles andere als eine Überraschung war, ist sich Teló bewusst, dass die Begeisterung der Fussballer für ihn ein absoluter Glücksfall und unbezahlbare weltweite Werbung war. Sein gutes Näschen bei der Entdeckung des Lieds und seine Cleverness bei der Gestaltung der Choreografie trugen jedoch auch dazu bei. «Die Idee stammt von der Komponistin, aber ich habe die Bewegungen vereinfacht, weil ich wollte, dass alle mitmachen können, auch weniger gute Tänzer wie ich...»

Sommerhit

Der Hit hat Teló nicht nur viel Geld und Ruhm eingetragen, sondern die Möglichkeit, sein fussballerisches Talent an der Seite seines Lieblingsspielers Neymar unter Beweis zu stellen, dem er auch die grösste tänzerische Begabung von allen Imitatoren attestiert. Südamerikas Fussballer des Jahres 2011 würde das Kompliment vermutlich zurückgeben, da Teló zwei Tore erzielt hat. Die bunte Mischung aus Uptempo-Songs und Balladen in den verschiedensten brasilianischen Stilrichtungen, Country und Pop, welche die neue CD «Na Balada» enthält, ist beim Schweizer Publikum auf jeden Fall ein Volltreffer. Sie liegt auf Platz 4 der Album-Charts. Das Sommermärchen dürfte mindestens noch bis zur Fussball-EM weitergehen.

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