Musik
Lo & Leduc: «Wir wollen ins Pfadi-Liederbuch»

Die Schweizer Pop-Shootingstars Lo & Leduc über Erfolg, Polterabende und Schmerzen im Schritt.

Michael Graber
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Lo & Leduc: «Im Moment könnten wir von unserer Musik leben»

Lo & Leduc: «Im Moment könnten wir von unserer Musik leben»

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Lo & Leduc, ihr seid seit über sechzig Wochen in den Charts, Prix Walo, Ehrungen an den Swiss Music Awards, jedes Open Air reisst sich um euch: Ein verrücktes Jahr?

Lo: Es ist verrückt, weil es so eine Eigendynamik entwickelt hat – die auch gar nicht mehr wirklich viel mit uns zu tun hat. Wir machen ja in erster Linie Songs. Und was mit denen passiert, wenn wir sie veröffentlichen, lässt sich nicht mehr kontrollieren. Was uns widerfährt, hat aber auch viel mit Glück zu tun.

Glück?

Lo: Ja, man darf sich nichts vormachen. Erfolg beruht oft nur begrenzt auf musikalischen Qualitäten. Dass es uns als Berner für einen Auftritt auf dem Gurten reicht, haben wir schon gehofft und vermutet. Aber der ganze Rest – das konnten wir wirklich nicht erahnen.

Erfolg ist schön, Würde bringt aber auch Bürde. Wenn ihr gewusst hättet, wie sich nach dem Album «Zucker fürs Volk» euer Leben verändert, hättet ihr es trotzdem gemacht?

Leduc: Ich für meinen Teil hätte das ­sicherlich gemacht.
Lo: Es ist ja auch nicht so, dass sich unser Leben schlagartig verändert hat. Man gewöhnt sich relativ schnell an neue Begebenheiten, laufend.
Leduc: Ich finde es ohnehin sehr wichtig, dass man im Voraus nicht weiss, wohin es einen führt. Sonst macht man musikalische Kompromisse, und man überlegt sich bereits im Vorfeld, welche Interviewfragen zu den Songs kommen und was man darauf antworten wird. Ich finde es ideal, wenn man ein Lied einfach schreibt, es dann gehen lässt und schaut, was passiert.
Lo: Der Grundgedanke ist: Wir wollen nicht hinsitzen und bewusst einen Song schreiben, der sicher funktioniert, also am Radio läuft und so weiter.
Leduc: Das Schlimme ist, dass das wohl sogar funktionieren würde ...

Könnt ihr selber «Jung, verdammt» überhaupt noch hören?

Lo: Ich verstehe komplett, wenn man sich das fragt. Aber wir fahren beide nicht Auto und bleiben darum oft davon verschont, wenn es im Radio kommt. Wir haben aber auch schon viele Songs aufgenommen, die nie abgespielt wurden, deshalb stört es uns jetzt auch nicht so wahnsinnig, wenn es mal eines fast bis zum Überdruss ins Radio schafft.
Leduc: Neulich habe ich mich in einem Restaurant-WC singen hören. Das war schon recht eigenartig.

Aber wenn ein Betrunkener am Polterabend grölt: «U i ha gmeint, dr Tüüfu chäm im Füür und nid im rote Chleid», denkt man da nicht: Wow, wir haben ein Monster geschaffen?

Leduc: Nein, das ist eben dieses erwähnte Gehenlassen eines Songs. Klar sind mir gewisse Reaktionen näher als andere, aber das ist wirklich nicht mehr in unserer Macht.
Lo: Es ist wie bei der Literatur: Mindestens so wichtig wie das, was der Autor in einen Text hineinpackt, ist das, was der Leser oder der Hörer darin sieht.
Leduc: Wir haben immer gesagt: Wir wollen es ins Pfadi-Liederbuch schaffen. So weit ist es noch nicht.

Lo & Leduc ist mittlerweile eine nationale Marke. Könnt ihr da nebenher noch arbeiten?

Leduc: Im Moment könnten wir von unserer Musik leben, aber uns war es immer sehr wichtig, dass wir nebenher noch was anderes machen. Unsere Inspiration holen wir uns nicht unbedingt an Konzerten, sondern im richtigen Leben, im Alltag, den wir uns bewahren möchten.

Nie in Versuchung geraten, alles auf eine Karte zu setzen?

Leduc: Wieso auch? Ich kann mir kaum erträumen, mehr Musik zu machen, als wir es gerade tun. Zudem: Unsere Band besteht komplett aus Milizmusikern. Da hat es auch Juristen darunter, und die würden mit Musik allein finanziell sicher den Schlechteren machen.

Was hat der Erfolg mit eurer Freundschaft gemacht.

Leduc: Vier Monate sind nicht viel auf acht Jahre, die wir uns nun kennen. Aber: Es war sicherlich eine neue Feuerprobe für unsere Freundschaft – aber nicht die erste. Und ich bin sehr froh, dass wir das zusammen machen können. Mittlerweile treffen wir uns sicherlich öfter an Meetings als am Abend zum Bier in einer Beiz – Freunde sind wir deswegen aber immer noch genau gleich.
Lo: Ich finde es bereichernd, dass wir jetzt auch geschäftlich miteinander zu tun haben. Das zwingt einen in der Freundschaft zur Ehrlichkeit. Sonst kann man in einer Freundschaft allem Unangenehmen aus dem Weg gehen.

Ihr kommt vom Rap und geht jetzt auch zu «Glanz & Gloria». Hattet ihr nie Bauchweh wegen dieses Spagats?

Lo: Ein Spagat tut eher im Schritt weh. Wir haben aber auch immer viel Wert drauf gelegt, dass wir unsere Authentizität nicht verlieren. Es war sicherlich ein lehrreiches Jahr. Und es gäbe den einen oder anderen Ort, an den wir wohl nicht mehr hingehen würden.

Leduc: Der Spagat hat mir gar nie Bauchweh gemacht. Das habe ich schon vor sieben Jahren in unsere Pressetexte geschrieben. Wir hatten immer den Anspruch, dass unsere Songs bei Kindergärtlern genauso funktionieren wie im Altersheim. Aber: Uns ist es vor allem wichtig, dass man bei unserer Musik über Lo & Leduc spricht und nicht über alles andere.

Privates findet man fast nicht über euch. Weshalb?

Lo: Das war ein bewusster Entscheid. Dummerweise waren wir nicht von Anfang an konsequent und haben tatsächlich mal gesagt, was wir studieren. Das hören wir jetzt immer wieder.

Trotzdem haben die Leute das Gefühl, euch zu kennen – wegen eurer Texte.

Lo: Natürlich. Aber bei einem Kriminalroman hat auch niemand das Gefühl, dass der Autor tatsächlich ein Mörder ist. In unseren Texten steckt natürlich Persönliches drin, aber längst nicht alles ist autobiografisch.
Leduc: Lustigerweise wird das oft nicht verstanden, wenn wir sagen, wir wollen unser Privates privat halten. Oft kommt dann die Frage: «Aber ihr wollt doch verkaufen.» Ja, wir haben sehr gerne, wenn unsere CDs gekauft und unsere Konzerte besucht werden, aber bitte nicht meinetwegen, sondern wegen unserer Lieder.

Leduc, du bist Musiklehrer. Lachen die Kinder, weil sie dich auch schon mal in einem Clip gesehen haben?

Leduc: Kinder können unglaublich gut damit umgehen. Ich hatte am Anfang schon einen gewissen Respekt und Bedenken, ob das wirklich weiterhin möglich ist. Aber es ist überhaupt kein Problem – ich glaube, Kinder sind da kompetenter als viele Erwachsene.

Lo & Leduc spielen heute am Blue Balls Festival in Luzern, am 9. August am Heitere Open Air in Zofingen und 29. August am Zurich Open Air.

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