Montreux Jazz Festival
Jazzfestival-Chef Claude Nobs: «Schon morgen kann Prince anrufen...»

Claude Nobs, der Chef des Jazzfestivals Montreux, verrät Neuigkeiten über das diesjährige Programm, spricht über seine langjährige Sucht nach Schlaftabletten und nimmt Stellung zum umstrittenen aserbeidschanischen Sponsor seines Anlasses.

Stefan Künzli
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«Für Montreux ist nichts unmöglich»: Claude Nobs posiert mit dem Plakat des 46. Montreux Jazz Festival. keystone

«Für Montreux ist nichts unmöglich»: Claude Nobs posiert mit dem Plakat des 46. Montreux Jazz Festival. keystone

Herr Nobs, ein erstes Programm von Montreux ist schon veröffentlicht worden. Haben Sie für unsere Leser weitere Programm-News?

Claude Nobs: Ja gerne: Am 3. Juli kommt neu Katie Melua, am 7. Juli Tricky mit Martina Topley-Bird sowie die neue Supergroup Spectrum Road von Cream-Bassist Jack Bruce, mit Vernon Reid, John Medeski und der Drummerin Cindy Blackman. Dazu ist Grace Jones für den Abend mit Nile Rodgers gebucht sowie die grosse Anita Baker am 11. Juli. Ach ja ... und im Juni wird im «Harrods» in London ein Montreux Jazz Café eröffnet.

Sehr schön. Aber Hand aufs Herz. Der grosse Coup ist Ihnen in diesem Jahr noch nicht geglückt.

Dieser Meinung bin ich nicht. Sie werden sehen: Der Abend oder besser die Nacht mit Nile Rodgers und Mark Ronson wird Geschichte schreiben. Er soll bis morgens um acht Uhr dauern. Und der New-Orleans-Abend mit Dr John, Hugh Laurie und Trombone Shorty kann es nur in Montreux geben. Montreux hat nichts von seiner magischen Anziehungskraft auf Musiker verloren. Und schon morgen kann Prince anrufen...

Dann können wir noch auf den grossen Coup hoffen.

Ja natürlich. Für Montreux ist nichts unmöglich, und wir haben noch genug Budgetreserven.

Wen haben Sie auf Ihrer heissen Liste?

Mit Paul McCartney könnte es noch klappen oder auch Elton John. Dass Keith Richards oder Mick Jagger in Montreux auftauchen, ist auch nicht ausgeschlossen. Ich war ja der Erste, der die Stones nach Europa gebracht hat: 1964, da kannte sie noch niemand.

Aretha Franklin zum 70. Geburtstag wäre toll.

Aretha würde ich mit einer Limousine am Nordpol abholen, wenn es nötig wäre. Aber sie ist so schwierig und hat tausend Ausreden. Zu kalt, zu warm und dann hat sie einen Guru, der sie berät. Dazu ist sie kaum mehr mobil ... so dick ist sie geworden.

Umso besser scheint es Ihnen zu gehen. Wir sehen Sie überall: Am Bluesfestival Basel, an den Swiss Music Awards und am Abend am Fernsehen im UBS-Spot.

Ich hatte ja auch meine gesundheitlichen Probleme. Und wissen Sie: Ich habe 50 Jahre lang Schlaftabletten genommen. Mir war nicht bewusst, welche gesundheitlichen Risiken damit verbunden waren. Jetzt nehme ich sie nicht mehr.

Und wie schlafen Sie?

Wunderbar. Viel besser als vorher. Nicht mehr so lang, aber viel intensiver. Ich kann nur allen raten: Finger davon.

Haben Sie mehr Zeit als auch schon?

Mein Team unterstützt mich sehr. Mit den Verträgen habe ich nichts mehr zu tun und ich nehme mir Zeit, um den Kontakt zu den Künstlern zu pflegen und öffne die Türen für das Festival.

Es fällt auf, dass im Programm sehr viele Newcomerinnen stehen.

Adele hatten wir im Programm, als niemand sie kannte. Viele der grossartigen neuen Sängerinnen kann man zum ersten Mal in Montreux erleben. Jessie J hat für Montreux alle Angebote in Europa abgelehnt. Wir haben ausgerechnet, dass von den 64 bis jetzt gebuchten Acts über die Hälfte noch nie in Montreux war.

Der aserbaidschanische Ölkonzern Socar ist neuer Sponsor von Montreux. Eine staatliche Firma eines Staates, der die Menschenrechte mit Füssen tritt. Sehen Sie da keine Probleme?

Das ist mir natürlich nicht egal. Wir haben aber da leider keinen Einfluss. Aber Socar gibt nur das Geld und stellt keine Forderungen.

Apropos Sponsoren: Im TV-Spot der UBS sprechen Sie von Ihren Träumen. Sind sie in Erfüllung gegangen?

Ein grosser Teil ist mit dem Festival in Erfüllung gegangen. Aber ich bin nie ganz zufrieden. Ich träume noch immer davon, dass Stevie Wonder in Montreux auftreten wird.

Montreux Jazz Festival Vom 29. Juni bis zum 14. Juli.

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