Die 21. Ausgabe des populären Blue Balls Festival steht vor der Türe, doch die finanzielle Situation bleibt weiterhin extrem fragil. «Wir haben für dieses Jahr nochmals 200'000 Franken an Sponsorengeldern verloren», sagte Blue Balls-Leiter Urs Leierer am Donnerstag an einer Medienkonferenz im Hotel Schweizerhof.

Kommt dazu, dass in den letzten drei Jahren kumulierte Verluste in der Höhe von 400'000 Franken verzeichnet werden mussten, die nur dank Leistungen von Donatoren gedeckt werden konnten. Unter anderem wurden die letzten Gelder der von Leierer gegründeten Rütli-Stiftung eingeschossen, die 2017 aufgelöst wurde. «Die Verluste bereiten uns ein Problem: So können wir das Festival nicht mehr auf dem bisherigen Niveau halten.»

«Wir brauchen eine Million Franken»

Deshalb setzt nun Blue Balls auf eine Lösung, die schon vor ein paar Jahren angedacht wurde. Leierer kündigte die Gründung einer Stiftung an, die unter dem Namen Blue Balls Foundation auf den 1. Januar 2020 in Kraft treten soll. Es ist eine neue Körperschaft, in welcher der bisherige Trägerverein Verein Luzerner Blues Session und mittelfristig auch die Blue Balls Music GmbH integriert werden sollen.

«Wir brauchen eine Million Franken Kapital, um die Stiftung zu gründen», sagte Leierer. Er hofft auf private Personen, Firmen, Organisationen und die öffentliche Hand, dass sie sich beteiligen und im Gegenzug Einsitz im Stiftungsrat nehmen können. Bis Ende August 2019 muss das Kapital zugesichert sein, sonst wird das bisherige Kapitel Blue Balls geschlossen. «Es ist die einzige Lösung, um weiterzugehen. Wir müssen das jetzt machen, oder wir müssen es sein lassen.»

Was heisst das denn konkret? «Dann würde es aus Kostengründen sicher keine Konzerte im KKL Luzern mehr geben. Blue Balls würde allenfalls in ein lokales Festival verwandelt. Das hiesse aber auch, dass es seine jetzige Ausstrahlung verlieren würde.» Der Traum vom Montreux Festival der Deutschschweiz wäre definitiv ausgeträumt. Für Leierer ist klar: Luzern hätte ohne dieses populäre Festival mit rund 100'000 Besuchern «einen massiven Werteverlust». So sei die Gründung der Blue Balls Foundation der letzte mögliche Schritt, um das Festival in der bisherigen Grösse und Form halten zu können. «Wir vom Verein sind nicht mehr in der Lage, eine vernünftige Finanzierung sicherzustellen. Auch engagiert sich der Verein seit 20 Jahren für eine Sache, die nur das Risiko bringt, viel Geld zu verlieren. Das stärkt auch nicht unbedingt die Motivation.»

Konzerte im KKL rentieren nicht

Kurios mutet die Tatsache an, dass das Blue Balls seine Ausstrahlung den Konzerten im KKL verdankt, aber diese extrem unrentabel, ja «eine massivste Nullnummer» sind. Das engere Blue Balls Budget (Konzerte, künstlerischer Betrieb) liegt bei vier bis fünf Millionen Franken, je nach Gagen. 33 Prozent der Einnahmen werden mit den Tickets gemacht. Davon können knapp die Gagen und die Abgaben bezahlt werden (Billettsteuer, Quellensteuer, Suisa-Gebühren).

Die restlichen 67 Prozent des Budgets müssen anderweitig finanziert werden. Rund eine Million tragen die Mieten der Food-Stände und die Pin-Verkäufe bei, 1,2 Millionen stammen aus dem Bereich Sponsoring, Hospitality. Die Subventionen der Stadt Luzern, von Luzern Tourismus/Lucerne Hotels und von der Regionalkonferenz Kultur betragen zusammen 180'000 Franken. Demgegenüber nehmen Stadt und Kanton vom Blue Balls 226'000 Franken an Steuern ein.

Das Budget des Gesamtfestivals wird von Leierer mit rund sieben Millionen Franken beziffert. Darin eingerechnet sind die Umsätze der weiteren Träger (wie KKL Luzern, Hotel Schweizerhof oder Food-Stände), ebenso die aufgerechneten Leistungen des Vereins und der paar Hundert Helfer. Und was verdienen die Blue Balls-Macher selber? «Unsere Agentur erhält 600'000 pro Jahr. Damit bezahlen wir aber nicht nur die Löhne von 400 Stellenprozenten, sondern auch die Büromieten, das Marketing, die Grafik und weitere Aufwendungen.»

Das alte und das neue Bier

Leierer nahm am Donnerstag auch nochmals zum neuen Bier-Deal mit Chopfab Stellung. Blue Balls habe ein klares Interesse gehabt, den bisherigen Vertrag mit Heineken auf Eichhof zu übertragen. «Aber als Eichhof uns einen Deal anbot, der über 50 Prozent tiefer lag, mussten wir passen. Wir wollten uns nicht erpressen lassen.» Mit Chopfab habe man jetzt einen Bier-Partner gefunden, «der qualitativ und quantitativ besser ist, als es das Angebot von Heineken/Eichhof war».