Beinahe schüchtern sitzt der grossgewachsene Oleg Khudyakov am Klavier und spielt, als wäre das Publikum im Musical Theater Basel gar nicht da. Kein Fünkchen Nervosität merkt man ihm an. Er ruht in sich, ist völlig konzentriert. Seine Interpretation des Klavierkonzerts Nr. 2 von Camille Saint-Saëns ist dann auch genau von dieser inneren Kraft geprägt. Technisch sitzt der erst 23-jährige Russe fest im Sattel.

Er ist kein junger Stürmer, kein übermotivierter Revolutionär. Eher scheint er ein aufmerksamer Geniesser und souveräner Analytiker zu sein. Das Werk von Saint-Saëns schätzt er für die formalen Ähnlichkeiten zu Bach. Seine Zugabe, der «Danse macabre» von Saint-Saëns, wäre bei anderen der Programmhöhepunkt.

Khudyakov ist auf dem Klassikmarkt noch unbekannt. Ein Geheimtipp sozusagen, den Thomas Jung, der Geschäftsführer der Coop-Sinfoniekonzerte, im Sommer bereits zum Festival «Stars at the Rhine» eingeladen hatte.

Leichter, transparenter Klang

Mit seinen Eigenschaften passte er gut zu Howard Griffiths, dem Dirigenten des Abends. Der Brite arbeitet seit 2010 mit der Camerata Schweiz zusammen. Bekannt ist er durch seine zehnjährige Arbeit als Chefdirigent des Zürcher Kammerorchesters, aktuell ist er Chef des Brandenburgischen Staatsorchesters in Frankfurt an der Oder. Die Camerata Schweiz, die 1999 aus dem Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester hervorging und sich auf klassisches und frühromantisches Repertoire spezialisiert hat, fällt unter seiner Leitung mit einem leichten, transparenten Klang auf. In der zweiten Konzerthälfte gelang in der Sinfonie Nr. 4 von Felix Mendelssohn Bartholdy, der «Italienischen», eine feine Balance zwischen Streichern und Bläsern. Die Musikerinnen und Musiker schienen sehr motiviert. Viele von ihnen sind Zuzüger.

Die Camerata hat einen kleinen festen Kern und arbeitet sonst auf der Basis eines Projektorchesters mit freischaffenden Musikern. Sie bewiesen, dass ein solches Modell nicht mit Qualitätseinbussen verbunden sein muss.

Im März kann man sie bereits wieder bei den Coop-Sinfoniekonzerten erleben – dann mit Mozart und Haydn, dem Kernrepertoire des Orchesters.