Seit der Wiedereröffnung im Jahr 2016 hat das Kultur-Programm des Sommercasinos ordentlich Fahrt aufgenommen: 2017 fanden 107 Veranstaltungen statt, 2018 sind es sogar 138. In diesem Jahr kehrten die Lovebugs dahin zurück, wo alles begann. Und erst kürzlich liess die Kultband Knöppel die ausverkaufte Villa beim Denkmal erzittern. Dazwischen gabs von Hip-Hop bis Metal viel Musik auf die Ohren.

Hinter der Bühne war die Fluktuation allerdings hoch: Bookerin Tanya Gavrancic verliess das Haus nach der ersten Saison, in der zweiten übernahmen Yannick Dudli und Miro Widmer das Ruder. Weil sich letzterer anderen Kulturprojekten widmen will, wurde im Sommer 2018 die Stelle der Programmleitung neu ausgeschrieben. Ein Glücksfall für Frederyk Rotter. Ihn kennt man in Basel seit 16 Jahren als Frontmann der Metalband Zatokrev, aber auch als Betreiber des unabhängigen Labels Czar of Crickets. «Für mich kam die Stellenausschreibung im Sommer sehr gelegen», sagt er, «denn nur vom eigenen Plattenlabel zu leben, bedeutet eine Achterbahnfahrt.» Das 40-Prozent-Pensum garantiert Rotter Ende Monat einen fixen Lohn. Und lässt ihm dennoch genügend Zeit, für seine eigenen Projekte.

Angesichts der Tatsache, dass der zweite Mann im Booking-Team, Yannick Dudli (20%), seit diesem Sommer auch fürs Konzertprogramm im Fri-Son in Fribourg tätig ist, stellt sich aber die Frage: Ist das Sommercasino für beide Teilzeitler eine Nebensache? «Nein, auf gar keinen Fall», sagt Yannick Dudli. Sonst würden sie das nicht machen. Dudli etwa pendelt, da er in Bern lebt. Und das auch oft an Wochenenden, wenn Konzerte stattfinden. «Das Soca und Fri-Son ergänzen sich», sagt er, was im besten Fall dazu führe, dass er den Zuschlag für eine Band nur erhalte, weil er zwei Konzerte anbieten könne.

Eine andere Frage, die sich stellt, ist jene der Ausrichtung. Dudli (32) wuchs mit Punkrock auf. Rotter (41) liebt ebenfalls den Gitarrenrock. Führen diese Vorlieben zu einem Defizit in den, bei Jugendlichen populären Bereichen wie Hip-Hop oder Trap? «Nein», sagt Rotter. «Wir interessieren uns für die lokale Szene und für alle möglichen Musikstile. Müssen wir auch, sonst wären wir hier am falschen Ort.»

Für Stile, die ihnen weniger vertraut sind, gebe es im Soca zum Glück viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen sie Meinungen einholen können. Und gerade auch junge Praktikanten würden oft mit eigenen Inputs kommen, was sehr willkommen sei. Denn, wie Dudli ergänzt: «Wir wollen eine Plattform für alle bieten.»

Willkommen sind auch externe Veranstalter. «Wir stehen Ideen von aussen sehr offen gegenüber», sagen beide, das sei Teil des Konzepts – und damit meinen sie nicht nur den Musikbereich, sondern auch Kunst oder Tanz und Theater. Ziel ist ein lebendiges Haus. Und dass das Sommercasino wieder stärker in den Veranstaltungskalendern und Köpfen wahrgenommen wird. So, wie das in seinen besten Jahren der Fall war.