Allein der Name dieser Formation ist bemerkenswert: Harvey Rushmore & The Octopus. Das klingt abgefahren und verspielt wie aus einer Zeit, als John Lennon sich als Eggman verstand. Und als Walross.

Ob die groteske Phase der Beatles eine Referenz bildet für diese Basler Band? Sicher ist, dass Harvey Rushmore & The Octopus einer Zeitmaschine entsprungen sind. Da steckt viel von Syd Barretts Geist drin, von diesen starken Momenten der blutjungen Pink Floyd, als Barrett noch tonangebend und dran war, nicht nur drauf, als sich die Briten mit Liedern wie «Astronomy Domine» in die unendlichen Weiten katapultierten und damit im Herzen der sphärischen Rockmusik landeten.

Wie eine Krake umgarnt uns auch dieses achthändige Basler Ensemble, zieht uns mit seinen fantastischen Liedern runter, in den Underground, in die Tiefen des Psychedelic Rock. «Futureman» heisst ihr neues Album, man könnte von einem Konzeptalbum reden.

Denn während die wunderbar im Hall verhangenen Gesänge, die exquisiten Gitarren, Synthielinien und die treibenden Rhythmen einen mitreissen und abdriften lassen, kriecht auch noch eine verrückte Geschichte in unsere Ohren: jene des Futureman, einer Weiterentwicklung des Menschen, der über mehrere Geschlechter und übernatürliche Kräfte verfügt. Eines Wesens, das den Durchblick hat, die Gefahren der Welt erkennt. Etwa diesen roten Schleim, der an Land gespült wurde, der sich breitmacht und die Menschen auch – denn zur Droge verarbeitet, lullt er jeden ein.

Klingt abgefahren? Ist es auch. Unheimlich? Durchaus. Unheimlich schön, ja, von einer musikalischen Grandezza und Reife, die einen ehrfürchtig den Hut ziehen lässt. Massimo Tondini (Gesang und Gitarre) und Schlagzeuger Jakob Läser haben vor diesem Bandprojekt bei Navel ihre Sporen abverdient. Mit Jonathan Meyer (Bass) und Stefan Cecere (Keyboards, Gitarre) präsentieren sie nach ihrem 2017 selbst verlegten Debüt ihr zweites Album.

Man lehnt sich als Kritiker ja ungern zu weit aus dem Fenster raus: Aber Harvey Rushmore & The Octopus haben die Vergangenheit verinnerlicht und eine grosse Zukunft vor sich. Mit diesem hypnotischen Wurf wäre es ihnen echt zu gönnen.

Albumtaufe: Kaschemme, Basel. Samstag, 6. Oktober, 21 Uhr.
«Futureman» erscheint am 5. Oktober bei A Tree in A Field Records.